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Halt, stop teamwork, ICE

Dezember 30, 2010

Das Weihnachtsloch wird dieses Jahr von Bundesminister Ramsauer gestopft. Ranseier?? Wer ist das denn, werden sich Viele fragen. Und was macht der?
Eigentlich ist der Herr Ransauer Verkehrsminister; Chef der Bahnen und Autobahnen, aber da ja im momentanen Parlament jeder Minister sowieso macht was er will, wildert der Ramsauer etwas bei der Bildungsministerin dingsbums,  den Namen hab ich vergessen. Anglizismen raus, sagt der Verrkehrminister Ramsauer, und nennt deshalb „Teamwork“ wieder Gruppenarbeit, „Flipcharts“ sollen in seinem Ministerium künftig Tafelschreibblöcke heißen, aus dem Beamer wird der Datenprojektor, die E-Mail wandelt sich zur elektrischen Nachricht, das Galadinner zum festlichen Abendessen, Know-how zum Wissen, das Travel Management zur Reisestelle, die keynote speech zur Grundsatzrede, das Team zur Gruppe.

Jedoch die, (nach Ansicht des Ministers) etablierten Anglizismen sollen bleiben, sagt der Ramsauer. „Ich bin für die Reaktivierung der deutschen Sprache“ sagte schon mein Deutschlehrer in der Schule, und meinte zwar unter Vermeidung von Anglizismen, aber mittels dummdeutscher Nutzung von Latizismen, etwa sowas wie dass er wäre für die Wiederbelebung der deutschen Sprache.

Etabliert und eingedeutscht ist, nach Ansicht von Minister Ramsauer,  bereits der „Service point“, der bleibt so, „rent a bike“ als urdeutscher Ausdruck natüürlich auch. Schade, „Auskunft“ wäre eindeutiger, aber der verweist zu direkt auf etwas, was man am service point nur selten bekommt, eine Auskunft nämlich. Servicepoint klingt eher, wenn auch zutreffender, nach „Wir bemühen uns bei Gelegenheit“. Wahrlich, keine werbewirksame Übersetzung.

Und Fahrradverleih? Klingt zu traditionell, zu altbacken, obwohl das zu dem rollenden Material und den Weichen der Bahn sehr gut passen würde. Problemfall bleibt der Passus „rent“ = rentner; rentiert; spielt auch in dem englischen Version auf das veraltete Material der DB an.

Ob ICE (intercity express) bleibt, ist lt. Ranseier noch unklar. Mit der Alternative „SED“; für „schnellste Eisenbahn Deutschlands“ gab es irgendein Problem, aber der Referent des Ministeriums wusste nicht zu sagen, welches. Irgendwas mit DDR.
Aber der große Clou, die Sensation in Blech wird es im Schilderwald geben. Ramsauer will nämlich was gegen Geisterfahrer tun. Nach seiner Ansicht sind auch hier die Anglizismen der Grund allen Übels. Das Stopschild also. Stop – wer weiss denn schon, daß das „Falsch“ bedeutet? Wörtlich übersetzt hiesse es nämlich „Halt“. Die vielen Geisterfahrer, die falsch rum auf die Autobahn fahren und viel Leid verursachen – mit dem neuen Falsch-Schild und einem leibhaftigen Minister drunter kann es keine Geisterfahrer mehr geben.

Ramsauer stoppt Falschfahrer. Aber wirklich alle?

Ramsauer stoppt Falschfahrer. Aber wirklich alle?

Falls falsches, versehentliches Auffahren wirklich die Ursache der Geisterfahrerei ist.  Kurz vor Weihnachten traf ich meinen Ex-Kollegen R. wieder. Und der sagte gleich: „du – ich hab da neulich was erlebt- glaubste nicht“

Was war passiert? Ich (also R.) fuhr am letzten Wochenende abends spät auf der A30 von O. nach B. Die Bahn war leer, nur vor sich sah R. denn irgendwann sowas wie Funkenschlag. Kein Rücklicht, Bremslicht oder Nebellampe. R. kam näher, und erkannte einen Pferdeanhänger, bei dem die Klappe offen war, runterhing und auf dem Asphalt schleifte. Das machte die Funken, und einen Höllenradau. Der Fahrer schien trotzdem nichts zu merken. R. gab Signale, und endlich fuhr der Pferdetransporter auf den Standstreifen und hielt an. Der Fahrer blieb erst mal brav sitzen. R. hielt auch, stieg aus, und sagte dem Fahrer, dass seine Klappe vom Hänger offen ist, schleift und Radau und Funken macht, und das Rücklicht verdeckt.

Der Fahrer (Mann, etwas älter; also etwa 55, völlig desinteressiert) stieg darauf hin aus, guckte sich die offene Klappe kurz an, und fing dann an, den Hänger abzukoppeln, Klappe immer noch offen. R. fragte ihn (verdutzt), warum er das jetzt mache (und nicht einfach Tür zu und weiterfahren, beispielsweise), und der Mann sagte, er wolle jetzt eben wenden und sein Pferd suchen.

Auf der A30 ist schon was los am späten Abend! R. rief natürlich die Polizei, die kam schnell und verhinderte die Wende, und fand unterwegs auch das Pferd. In Straßengraben und nicht mehr lebendig.

Da hätte der Ramsauer mal eingreifen müssen!

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Vom Saul zum Paul

Juli 18, 2010

Neinn, keine Kraken diesmal, sondern was ganz Andreas. Lebenslanges Lernen bedeutet auch, sich von liebgewonnenen Gewohnheiten zu trennen. Zum Beispiel damals, anno 96`, die Rechtschreibreform. Die war mir so egal, ich schrieb damals meist auf Englisch (für langweilige Fachzeitschriften, die hatten alle Lektoren für Rechtschreibung). Bei deutschen Texten profitierte ich davon, dass meine damalige Vorgesetzte Probleme mit dem Verständnis von Sätzen hatte, deren Wörter Rechtschreibfehler enthielten, und Probleme mit Absätzen, deren Sätze somit unverständlich waren. Nur dank mangelhafter Rechtschreibung in Kernsätzen gelang es mir, einige innovative Projekte zu beantragen.

Auch wenn namhafte Personen, darunter personal trainer und Firmenberater,  immer wieder betonen, in Zeiten schneller Kommunikation per Mail etwa käme es nicht mehr so genau drauf an; die Kommentare etwa in diesem Blog zeigen klar, dass man mit fehlerhafter oder innovativer Rechtschreibung einfach nicht ernst genommen wird. Fakt ist, dass man anhand der Qualität der Rechtschreibung in etwa einschätzen kann, wieviel Zeit und Mühe sich der Verfasser genommen bzw. gegeben hat. Oder ob er/sie während der Arbeitszeit kifft oder trinkt.

Vor einigen Jahren setzte bei mir (schleichend) leider auch der oben erwähnte Prozess ein, dass ich Schwierigkeiten bekomme, Sätze zu verstehen, derern Wörter Rechtschreibfehler enthalten. Ich muss mich zunehmend darauf konzentrieren, die Assoziationsketten zu unterdrücken, die falsch geschriebene Wörter auslösen, und ertappe mich auch dabei, dass ich das falsche Wort versuche auszusprechen, das richtige Wort suche, den Satz in beiden Möglichkeiten wiederhole, mir vorstelle, was das wohl sein könnte was das falsch geschriebene Wort bezeichnet, wie es aussieht, was es kostet, wo es produziert würde, wie man es korrekt ausspricht, was es beispielsweise für eine Zielgruppe haben könnte.

Jedes Kunstwort, wie die in der Werbung verwendeten, löst Assoziationen aus. Viagra beispielsweise, ein Kunstname der für sehr viel Geld von der Firma Interbrand kreiert wurde. Vi, bzw. Via steht für Vitatität, vigor (engl.: Energie) und virility (=Männlichkeit), agra wird, nach teuren Probandenbefragungen, häufig mit „Aphrodisiakum“ assoziiert. Perfekt, könnte man meinen, hätte nicht Insider verraten, dass das ca. 700.000 Dollar teure Wort „Viagra“ ursprünglich für ein Medikament gegen Nierensteine geschöpft wurde.  Peinliche Fehlgriffe wie Serena, welches  gleichzeitig an einen PKW und an eine Damenbinde verkauft wurde, bilden die Ausnahme, die die Regel bestätigt 🙂 . Aktuelles Beispiel: hackleisch. Kurz, zackig, aggressiv, Imperativ total. Weckt Assoziationen an rohes Fleisch. Was könnte das sein? Ich stelle mir die Werbung dazu etwa so vor: Es springt jemand (männlich, Bart, Typ Wickinger, vielleicht Helm mit Hörnern) aus dem Busch und brüllt „hackleisch“. Dazu schwenkt er eine in rosa-weiss gehaltene Flasche mit diskretem Streifenmuster, die ein alkoholisches Getränk mit Namen „hackleisch“ enthält. Dann wird das Produkt beschrieben, und am Ende der 30 Sekunden sitzt der Typ Wickinger, ohne Helm und Hörner, lächelnd,  mit einer Wickingerine am rustikalen Ikea-Tisch, und die Wickingerine himmelt ihn an und haucht ihm ein „hack leisch?“ (oder hack leischi-leischi?) zu.

Gar nicht lustig, denn genau deshalb wäre es am Donnerstag beinahe zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen. Das auslösende Schild erblickte ich vom fahrenden Auto aus, als grade viel Verkehr auf der Straße war. Nur mit äußerster Konzentration konnte ich noch stoppen, wenn auch mitten auf der Straße. Aber weiterfahren wäre einfach zu gefährlich gewesen.

hackleisch

Fakt ist, dass es bei google 420 Einträge für Hackleisch gibt. Meist Rezepte, aber ein alter Bekannter taucht auch auf. Nämlich der von Huckleberry Finn. Für Kinder und unsere jüngeren Leser: ein sogenannter „Roman“ von Samuel Langhorne Clemens, bekannt unter seinem Pseudonym (=Markennamen) „Mark Twain“.

Hackleberry Finn

Hackleberry Fin? Schreibt man den nicht anders, selbst auf Schlandisch? Jawoll, und zwar so, wie das gleichnamige Schiff:

Tja, also dazu kann es auch keine Kommentare geben. Der korrekte Name stände am Bug des Schiffes (= vorne), aber wer lesen kann…