Posts Tagged ‘post’

Epost, De-Mail, Email, Emil …

Oktober 19, 2010

Und es bewegte sich doch!
Ich hatte das Thema E-Post schon ganz vergessen, aus den Medien ist es auch weg – ich dachte, die haben das Projekt wegen der unüberwindbaren Schwierigkeiten still und heimlich einschlafen lassen. Nein – falsch gedacht. Ich hatte nur die zeitlichen Relationen falsch eingeschätzt. Heute kam ein Brief von der Deutschen Post. Glückwunsch – mein Postident ist positiv ausgefallen, hier -tätää – ist der Adress-TAN! Hat nur 8 Wochen gedauert. Superleistung, snail mail!
Ich erinnere mich mühsam an das Passwort, und darf natürlich zur Bearbeitung meines Profils wieder einen Handy-TAN anfordern und eingeben. Klappt beim ersten mal, denn neuerdings steht bei den TANs dran, wofür die sind.  Dann darf ich den Adress-TAN eingeben. Klappt problemlos, TAN akzeptiert. Nutzer erster Klasse mit bestätigter Adresse – die ganze Epost-Welt steht mir jetzt offen. Ich klicke auf das Icon:

Kein Mehrwert für mich? Nach all dem Stress? Und was soll diese Betonung von IHNEN? Na gut, ich will ja auch Briefe schreiben ohne zur Post zu gehen und nicht in der Post rumdaddeln. Schaue ich also erst mal nach, ob mein Briefpartner mittels „Suche“ zu finden ist:

Das ist allerdings neu. Früher kam diese Seite immer nur Montags. Aber Epost bietet ja auch an, Briefe per normaler Zustellung (im snail mode quasi) zu versenden. Vielleicht geht das wenigstens?

Also schreibe ich einen Brief mit Zustellung als normaler Brief. Soll 55 Cent kosten, und ich wähle im Pop-up Fenster Lastschrift als Zahlungsart. Nachdem ich alles ausgefüllt habe, ist der Brief weg. Nein, nicht versendet, sondern verschwunden. In der Zwischenablage finde ich noch meine Bankdaten, aber kein Wort vom Brief mehr. E-weg eben.Ich logge mich aus, und mein letzter Blick fällt auf den kleinen Verweis neben meinem Profil: „Status nicht bestätigt“.
Es sei noch zu erwähnen, dass ein anderer, ebenfalls für seine Präzision und Geschwindigkeit bekannter Großkonzern (nein, nicht die Bahn, sondern Timo Beil persönlich) mich Ende letzter Woche (unerlaubterweise, aber das nur am Rande) per Mail befragte, ob ich an einem Produkt namens De-Mail interessiert wäre. Es soll die Vorteile von Email und Brief miteinander kombinieren und schnell, innovativ und Dokumentenecht sein …

Advertisements

Epost! Epost?

August 5, 2010

Elektrische Post. In Zeiten von Email, social networking und „Internet“ wurde es auch mal Zeit, daß der Kurier des Zaren vom hohen Ross steigt, und auf modern macht. Sonst fällt womöglich passend zum Ende des Briefpost-Monopols noch jemandem auf, daß sich „Briefträger“ immer noch zu Fuß oder per Rad auf die Straßen wagen müssen, um Reklame von Santander, Tango, Dingsda- und anderen Banken, Lottogewinne 🙂 , Weihnachtsgrüße von Conrad, Amazon, meinem Optiker, Payback und Paypal. Und was sonst noch nicht mehr per Mail kommt (weil es nicht mehr kommen darf; denn es wurde denen von mir untersagt lt. Novelle des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb), das landet dank Post in dem  mechanischen Briefkasten.
Ausser Montags, denn da arbeiten die Postler ja bekanntermaßen nicht, und nur die paar „Infobriefe“ von Citypost wandern in die blaue Tonne.
Da könnte die mechanische Konkurrenz gnadenlos ansetzen. Auch Montags die normale Menge an Reklame im Postkasten, das ist eine Klage bei der EU wert. Schon montags wissen, wie hoch man bei Santander, Tango, und Co gerankt wird, und vom Brillenmacher erfahren, ob schon wieder Weihnacht ist oder man letzten Montag Geburtstag hatte und das vergaß.

Epost kombiniert also die Vorteile der herkömmlichen Post (äh ja, als da wären: man kann Spam recyclen, was bei Email nicht geht; es gibt keine Viren, es kostet Geld) mit den Vorteilen von Email (schnell, man muss nicht zum Briefkasten gehen, gratis) miteinander. Und trotzdem bleibt es Post pur.

Klingt fantastisch, da mach ich mit.

Aber das ist nicht ganz so einfach wie in eine neue Wohnung ziehen und Schild an den neuen Briefkasten pappen. Für die Epost muss man diverse Existenzberechtigungs- und -nachweisschritte absolvieren, bis man sein Namensschild an den elektrischen Briefkasten kleben darf.  Zertifizierter „Premium“-Email-Empfänger quasi. Damit Tonline, der Optiker und wer noch endlich nachweisen können, daß die Rechnung oder Mahnung auch wirklich als Email zugestellt wurde.
Damit der elektrische Briefbote kommt, sind also ein paar kleinere Initiativen seitens der Ebriefempfänger gefragt.  „voll einfach, dauert keine 5 Minuten„, sagt die Epost. Recht hat sie. Dauert keine 5 Minuten.

Zuerst online anmelden, natürlich. Name, Wohnort, bla, nichts aufregendes. Ärger erstmals beim erwählten Passwort. Alles was ich mir merken kann ist viel zu unsicher für die Epost., „verwenden Sie mindestens 3 Sonderzeichen…“ „keine Worte“ „minnestens 12 Zeichen lang“ und so geht das eine Weile. Das Ergebnis kann ich mir niemals merken, aber egal, es gibt eine Neues-Passwort-Anfordern-Funktion. Everybody needs a second Chance.
Und nun? Handy-Nummer eingeben, denn es folgt ein TAN per SMS.
Funktioniert prima. TAN eingeben, es folgt: „Wir prüfen. Bitte warten.“ Ich säße da heute noch, denn die Reaktion brachte der echte Briefträger 3 Tage später in den Postkasten. Die PIN zur TAN.
OK, PIN zur TAN eingeben, passt auch, und nun? Post-Ident-Formular runterladen. Anschließend „online“ eine Postagentur identifizieren, die einen „Postident“ erfolgversprechend durchführen kann. Um es kurz zu machen, mit dem „Kenntumi“ gehe ich also brav zur nächsten postidentfähigen Post-Agentur und reihe mich in die Schlange ein.  Vor mir Oma schickt Brief – dauert. Tante schickt Päcksken an Onkel – dauert. Schlange hinter mir wird unruhig.
Jetzt ich, mal eben den Postident machen. Mit den Worten „Identifizieren Sie Mich Bitte“ reiche ich den gefordeten Personalausweis, sowie das Postident-Kentumi-Formular über die Epost-Theke. Die Dame seufzt, und wird dann sehr aktiv: Postident scannen, tippen, drucken, ausfüllen, stempeln, Personalausweis-Daten eingeben, nochmal was scannen, wieder drucken, eingeben, drucken, falzen, stempeln, frankieren. In der Schlange regt sich erster Protest. Ein oder zwei junge Leute mit Postident-Schreiben in der Hand verdrücken sich unauffällig. Als ich meinen Perso nach 10 Minuten zurückerhalte, ist die Postagentur-Dame schweissgebadet, und die Schlange aufgebracht. „Das kann jetzt ein paar Tage dauern“ sagt die schweissgebadete Postdame. Und freut sich sichtbar auf die nächste Oma mit Päckchen.
Als ich endlich nach Hause komme, liegt im mechanischen Briefkasten ein Brief: „Herzlich wilkommen bei Epost. Ihr Postident wurde durchgeführt. Bitte geben sie diese TAN bei Epost ein.“
Donnerwetter, das ist schnell. Schneller als ich für den Kampf gegen Oma und 50 m Fußmarsch brauchte. Leider ist die TAN falsch. Eine Neue wird umgehend geschickt, sagt Epost.
Nächster Tag: Brief mit „Notfall-PIN“ in der mechanischen Post, falls meine TAN nicht tut. Ich hefte das Schreiben ab. Notfalls würde ich es wiederfinden. Abends schicht mir Epost noch eine TAN aufs Handy.
Am Samstag finde ich im mechanischen Briefkasten zwei neue Briefe von Epost. Der eine enthält meine TAN zur Anmeldung, der andere die Gratulation, dass ich mich jetzt mit meinem Passwort bei Epost anmelden kann. Meine biologische und wirtschaftliche Existenz hätte ich nach Epost-Meinung per Handy und Postident ausreichend nachgewiesen. Heute mag ich aber nicht mehr.
Montag: Briefkasten leer. Ich gehe im Internet zu Epost.de, kann mich problemlos und ohne Passwort einloggen, und erwarte also meine  „wichtigen, zertifizierten Briefe“:

Gelogen haben die wirklich nicht – alles wie bei der normalen Post, nur in Elektrisch. Montags Ruhetag.

Aber echt neu und toll: ich muss nicht mehr bis zum Briefkasten laufen, um zu sehen, daß er leer ist.

Und ich werde in Zukunft meine Mails bewusster versenden, denn die kosten dank Epost ab jetzt ja Geld.