Posts Tagged ‘missbrauch’

So sind Kinder…

Juli 27, 2010

… denn sie ärgern gerne mal die alleinerziehende Mutter, speziell als Einzelkind. In intakten Großfamilien (wie den legendären „Waltons“) sind Kinder hingegen eine Wohltat und Bereicherung für das Familienleben. Genaueres dazu im Beitrag vorher, speziell wie sich die OSZ diese „Bereicherung“ konkret vorstellt.

Großfamilien sind einfach ein Synonym für die Intaktheit der zwischenmenschlichen Beziehungen, biologische Ernährung und perfekte Kindeserziehung. Vor den Alleinerziehenden hingegen, speziell vor deren Kindern, kann gar nicht eindringlich genug gewarnt werden, wie die Vorfälle auf Ameland uns lt. OSZ gezeigt haben.

Aus diesem Grunde, und zur Prävention weiterer Vorkommnisse egal welcher Art, wird an sozialen Brennpunkten (also Gegenden, in denen der Anteil alleinerzogener Kinder über 25% liegt), und in Nähe von „Kinderläden, -horten und-gärten, sowie natürlich Landheimen eine neue Verkehrstafel aufgestellt, die als Warnung vor sozialem Gefälle konzipiert ist. Dank seiner gewaltigen Bildersprache bringt es die ganze Problematik exakt auf den Punkt:

Achtung, Alleinerziehend!

Zur Bedeutung des Schildes und zur Notwendigkeit der Beschilderung erklärt Verkehrsminister Westerwelle auf einer Pressekonferenz (die großzügigerweise von der Fa. Schilder-Macher GmbH, Ameland, unterstützt wurde) im Hotel Möwenpick:

„Wir erkennen auf Anhieb und sofort; allein ist sie, die alleinerziehende Frau, auf weiter Flur. Die Haltung des rechten Armes, etwas gewinkelt im Handgelenk, spiegelt eine sichtbare „Genervtheit“ wider, auf jeden Fall weder Zuneigung noch gar Liebe zu dem Kind. Dieses wird nur lästigerweise mitgeschleppt. Unterstützt wird diese Haltung durch die linke Hand, die aufreizend gleichtgültig in der Jackentasche ruht.

Der kurze Rock deutet an, dass diese genervte Frau lieber etwas ganz anderes anstellen würde, als mit dem Kind spazieren zu gehen. Die Fa. Schilder-Macher GmbH, Ameland, die dieses Kunstwerk schuf, deutet damit sogar an, dass es sich nicht um „spazieren“ im Sinne einer freiwilligen Freizeitaktivität handelt, sondern um den Gang zum Sozialamt oder Vormundschaftsgericht. Die deutlich sichtbaren Fetzen am (für meinen Geschmack ohnehin viel zu kurzen) Rock untermauern diese Analyse. Das würde ausserdem besser zur ihrer Körpersprache passen. Der zu kurze Rock lässt allerdings pikante Spekulationen, gar Schlussfolgerungen auf ihrnen Gelderwerb, der illegalerweise zusätzlich zu Harz 4 erfolgt, zu. Und auf den Vater dieses Kindes.

Freiwillig geht sie jedenfalls nicht den Weg, den sie geht, erst recht nicht mit dem nahezu geschlechtsneutralen Kind an der Hand. Der kleine schwarze Zipfel am rechten Rand des Kindes könnte auf ein Mädchen deuten, oder auf einen Jungen, aber das ist eine doch sehr gewagte Interpretation dieses Werkes und keine Festlegung. Offensichtlich ist aber die Schusswunde, das Kugelloch am Hals des Kindes. Hier wird eine Tötungsabsicht durch die Mutter latent impliziert. Kinderhass, verursacht durch Sozialneid, ist grade bei Alleinerziehenden eine häufige Ursache für häusliche Gewalt.

Entscheidend für das Verständniss dieses Werkes ist dennoch das hier als lebend dargestellte Kind. Es schwenkt den mütterlichen Kopf locker bis genüsslich in der rechten Hand und scheint sagen zu wollen: „^Knall mich ruhig ab, ich mach mit dir eh, was ich will“, ja das scheint es deutlich zu sagen. Und sich darüber zu freuen. Die bewusst triste, gradezu monochrome, Farbgebung des Werkes muss gar nicht mal mehr extra betont werden.

meinedamenunheren, Kein anderes Verkehrsschild auf der Welt wird jemals so viel soziale Kompetenz, aber auch soziale Brisanz auf mal transportieren, wie das aktuelle Werk der FDP. Wir werden es in Ameland, Osnabrück, aber auch an jedem weiteren Ort, wo sich Kinder von Alleinerziehenden rumtreiben, aufstellen.
Zur Finanzierung werden wir diesen Leuten das Elterngeld kürzen. Wir erhoffen uns von diesem Schritt eine Rückkehr in den Schoß der intakten Großfamilie, und sichern dadurch wertvolle Arbeitsplätze bei einem der größten Arbeitgeber dieser Region: der Schilder-Macher GmbH, Ameland, die uns diese großartige, 4-tägige Pressekonferenz in diesem großartigen Hotel bezahlt hat. Danke also Heinz Macher (mein Vetter), und Dank auch an Hern Huber, den Betreibe dieses Hotels und Gatte meiner Schwester. So, meinedamenundherren, muss eine Großfamilie funktionieren. Dafür zahlt der Staat gerne.

dankefürdieaufmerksamkeit hüstel.“

Soweit die Rede von Minister Westerwelle.

Nur Fiktion? Nein, nicht mal bei dem Schild. Es handelt es sich nicht um eine billige Bildmontage, das „Original“ steht in Köln in der Fußgängerzone:

Ein weiser Russe hat mal gesagt (Frei übersetzt)

„Kinder sind wie Blumen auf dem Grab ihrer Eltern“

Der dürfte schon damals seine Kinder im Sommercamp gehabt haben, alleinerziehend gewesen sein, aus einer Kleinfamilie stammen, und Leser eines „Sonntagsblattes“ gewesen sein.

Gute Nacht, John-Boy!

Sonntag ists und Wotan reitet…

Juli 25, 2010

.. durch die Stadt und wirft Gratis-Sonntagsblätter in die Briefkästen. Keine Raben mehr, die den Kopf des Edlen umflattern (Naturschutz), kein achtbeiniges Ross mehr (Gentechnik-Verbot), harte, schlechtbezahlte Arbeit, nur für etwas Gras für Pferd und Reiter. Dennoch: ein Hauch von Apokalypse hallt Sonntag Morgens durch die Stadt: Das Ende des professionellen Journalismus ist nahe! Es wurde schon mehrfach bejammert, aber selten wird es offensichtlicher als Sonntags morgens im von Wotan verstopften Briefkasten.
Es geht heute schon auf der Titelseite los. Was auf der Love Parade in Duisburg am Samstag nachmittag geschah, wird jeder seit spätestens Samstag etwa 16 Uhr wissen. Nur nicht das Sonntagsblatt, welches sich bisher oft damit gebrüstet hat, viiiiel aktueller als alle Anderen zu sein:

OK, die überlebenden Teilnehmer, die echt live dabei waren, wurden erst später über die Tragödie mit 30 Todesopfern und hunderten Verletzten informiert. Kann man sogesehen grade noch als „Live-Journalismus“ durchgehen lassen, falls der Vor-Ort-Journalist wirklich bis 1 Uhr  Nachts  vor der Bühne stand und journierte. und sein Handy grade nicht aufgeladen hatte.  Denn um eine noch größere Panik zu vermeiden, wurde die Veranstaltung ja eine Zeit lang  fortgesetzt, als wenn nicht gewesen wäre. Aber spätestens auf der Rückfahrt muss  der doch im Auto Radio angemacht haben. Oder fährt der mit der Bahn? Dann wäre er in der Tat entschuldigt, denn bei 70 Grad plus kriegt man, ausser den Fahrgästen selber, eben nichts mehr gebacken.

Wir blättern weiter:
War noch was Wichtig diese Woche? Klar. Schützenfeste, Firmenjubiläen, Ansprachen von Ex-Prominenten, sensationelle „Molekülverdichter“ fürs Auto.  Ach ja, und ein kleines Ärgerniss (aber nichts wirklich Wichtiges) gabs auch noch:

Wenn die Berichte aus anderen Medien zutreffen, wurde an den Opfern „Fisting“ praktiziert, also die Faust von einer Täter-Person in den After von einer Opfer-Person eingeführt. Sehr „ärgerlich“ sowas, da stimme ich zu. Denn, wie das Sonntagsblatt sehr wohl weiss, kommt das ja praktisch täglich vor. Erst Freitag hatten wir so einen „ärgerlichen“ Fall in der Firma. Chef sagt zu mir: „Du musst den Job von Hubert heute mit machen“. Ich „Wieso?“ Chef: „Der kann heut nich. Hand im Arsch“. Fand ich sehr ärgerlich. Hätte gerne gewusst; nach den Geschehnissen auf Ameland, wessen Hand und wieso der deshalb heute nicht arbeiten kann.
Eine sehr interessante Art, mit dem Thema „sexueller Missbrauch unter Jugendlichen“ umzugehen. Aber die Erklärung, warum das für die teilnehmenden Opfer so alltäglich, so wie für mein Chef, und einfach  nur“ärgerlich“ und sonst nix war, kommt im Sonntagsblatt gottseidank nach:

Klar. Ich fragte also  Chef: „Hat der Hubert das öfter?“ Chef: „Imma ma wieder. Schon bevor der die Lehre angefangen hat hadda dat schoma imma wieda ma gehabt“.  Das einschlägige Jugendcamp gibt es seit Ewigkeiten, und Hubert stammt aus einer kinderreichen Familie…

Alles klar. Steht ja in der Zeitung: „Die kennen das von Früher“. Man muss sich ab und zu eben auch mal auf die Familie einlassen, gell Hubert?. Und wieso werden die Kinder, die „nur“ aus kaputten, alleinerziehenden Verhältnissen stammen, dann zu Petzen? Ganz einfach: Mami ist eben kein Rudel.
Anzumerken wäre vielleicht noch, dass diese Pauschalverurteilung in den weiteren Beiträgen noch etwas relativiert wird. Am Grundübel sind demnach nicht nur die Alleinerzieher, sondern vielmehr auch noch die Ausländer, nochmal die Alleinerziehenden, die Sozialdemokraten, die Grünen, sowie die Jugendvonheute dran schuld sind. An Allem übrigens, nicht nur an diesem kleinen „geärgert werden“. Also auch am Ende des professionellen Journalismus.