Posts Tagged ‘love parade’

Menschenverachtend, sündig, kulturlos: Die „Love Parade“ in Duisburg

August 8, 2010

Love Parade = Sünde, sagt der Bischof. Ich dachte, das Thema ist durch, aber ist es anscheinend nicht. Denn also die „geliebte“ OSZ von letztem Sonntag (Text steht unten nochmal in Groß):

Wem das zu kleingedruckt ist, hier also der ganze Text:

„HCS erzürnt …
… sich ob des Begriffs ‚Kultur’ im Zusammenhang mit der Duisburger Love-Parade-Tragödie. Kultur meint Erinnerung, Anregung, Auseinandersetzung, Meditation, Kunstschönes, Zu- und Widerspruch, Entdeckung, Transzendenz; fordert Nachdenken, Besinnung, Dialogbereitschaft, Betrachtung, Öffnung, geistige Tätigkeit und seelische Hingabe.
Inwiefern Fritz Pleitgen, ehemals WDR-Intendant, sich zur Platitüde versteigen kann, dieses menschenverachtende Love-Parade-Event als „Highlight von Ruhr 2010“ unter Kultur zu rechnen, bleibt einem normalen
Verstande rätselhaft. Hunderttausende ins dröhnende Zwangskorsett der Kopf und Fuß gleichschaltenden Techno-Viertakter zu pressen, hat eher mit der Organisation von achselschweißenden Massenhysterien nach dem
Muster von Nürnberger Reichsparteitagen zu tun als mit jener Faszination von Utopie, die jedem kulturellen Erlebnis innewohnt.

Kultur ist Ereignis, fragt und antwortet. Events indessen zielen
auf Kasse und kollektive Vernebelung“

Kommentare dazu fallen mir nicht ein. Immerhin, der Bischoff liest sowas sicherlich gerne.


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Sonntag ists und Wotan reitet…

Juli 25, 2010

.. durch die Stadt und wirft Gratis-Sonntagsblätter in die Briefkästen. Keine Raben mehr, die den Kopf des Edlen umflattern (Naturschutz), kein achtbeiniges Ross mehr (Gentechnik-Verbot), harte, schlechtbezahlte Arbeit, nur für etwas Gras für Pferd und Reiter. Dennoch: ein Hauch von Apokalypse hallt Sonntag Morgens durch die Stadt: Das Ende des professionellen Journalismus ist nahe! Es wurde schon mehrfach bejammert, aber selten wird es offensichtlicher als Sonntags morgens im von Wotan verstopften Briefkasten.
Es geht heute schon auf der Titelseite los. Was auf der Love Parade in Duisburg am Samstag nachmittag geschah, wird jeder seit spätestens Samstag etwa 16 Uhr wissen. Nur nicht das Sonntagsblatt, welches sich bisher oft damit gebrüstet hat, viiiiel aktueller als alle Anderen zu sein:

OK, die überlebenden Teilnehmer, die echt live dabei waren, wurden erst später über die Tragödie mit 30 Todesopfern und hunderten Verletzten informiert. Kann man sogesehen grade noch als „Live-Journalismus“ durchgehen lassen, falls der Vor-Ort-Journalist wirklich bis 1 Uhr  Nachts  vor der Bühne stand und journierte. und sein Handy grade nicht aufgeladen hatte.  Denn um eine noch größere Panik zu vermeiden, wurde die Veranstaltung ja eine Zeit lang  fortgesetzt, als wenn nicht gewesen wäre. Aber spätestens auf der Rückfahrt muss  der doch im Auto Radio angemacht haben. Oder fährt der mit der Bahn? Dann wäre er in der Tat entschuldigt, denn bei 70 Grad plus kriegt man, ausser den Fahrgästen selber, eben nichts mehr gebacken.

Wir blättern weiter:
War noch was Wichtig diese Woche? Klar. Schützenfeste, Firmenjubiläen, Ansprachen von Ex-Prominenten, sensationelle „Molekülverdichter“ fürs Auto.  Ach ja, und ein kleines Ärgerniss (aber nichts wirklich Wichtiges) gabs auch noch:

Wenn die Berichte aus anderen Medien zutreffen, wurde an den Opfern „Fisting“ praktiziert, also die Faust von einer Täter-Person in den After von einer Opfer-Person eingeführt. Sehr „ärgerlich“ sowas, da stimme ich zu. Denn, wie das Sonntagsblatt sehr wohl weiss, kommt das ja praktisch täglich vor. Erst Freitag hatten wir so einen „ärgerlichen“ Fall in der Firma. Chef sagt zu mir: „Du musst den Job von Hubert heute mit machen“. Ich „Wieso?“ Chef: „Der kann heut nich. Hand im Arsch“. Fand ich sehr ärgerlich. Hätte gerne gewusst; nach den Geschehnissen auf Ameland, wessen Hand und wieso der deshalb heute nicht arbeiten kann.
Eine sehr interessante Art, mit dem Thema „sexueller Missbrauch unter Jugendlichen“ umzugehen. Aber die Erklärung, warum das für die teilnehmenden Opfer so alltäglich, so wie für mein Chef, und einfach  nur“ärgerlich“ und sonst nix war, kommt im Sonntagsblatt gottseidank nach:

Klar. Ich fragte also  Chef: „Hat der Hubert das öfter?“ Chef: „Imma ma wieder. Schon bevor der die Lehre angefangen hat hadda dat schoma imma wieda ma gehabt“.  Das einschlägige Jugendcamp gibt es seit Ewigkeiten, und Hubert stammt aus einer kinderreichen Familie…

Alles klar. Steht ja in der Zeitung: „Die kennen das von Früher“. Man muss sich ab und zu eben auch mal auf die Familie einlassen, gell Hubert?. Und wieso werden die Kinder, die „nur“ aus kaputten, alleinerziehenden Verhältnissen stammen, dann zu Petzen? Ganz einfach: Mami ist eben kein Rudel.
Anzumerken wäre vielleicht noch, dass diese Pauschalverurteilung in den weiteren Beiträgen noch etwas relativiert wird. Am Grundübel sind demnach nicht nur die Alleinerzieher, sondern vielmehr auch noch die Ausländer, nochmal die Alleinerziehenden, die Sozialdemokraten, die Grünen, sowie die Jugendvonheute dran schuld sind. An Allem übrigens, nicht nur an diesem kleinen „geärgert werden“. Also auch am Ende des professionellen Journalismus.