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Ehec – die Gurkengrippe: Das Ende der Grünen ist nahe

Juni 10, 2011

Bio-bashing ist in. Die Schwarz-gelben holen zum Endschlag gegen Grün aus. Erst wurde das Atom erobert, jetzt wird die Biobranche liquidiert. Das soll für einen knappen Wahlsieg reichen, denn mehr Themen (bis auf diese Idee, Sex mit Minderjährigen zu legalisieren) hat rot-grün nicht. Der Weg zum Sieg führt durch den Darm, und heißt Ehec. Oder Gurkengrippe, wie eine ungarische Zeitungen die „Bild“ zitiert. Und so werden diese Bios das Ende der Menschheit verursachen, wenn man die einfach so weiter gärtnern lässt.

Schon ein Gramm Ehec kann die ganze Menschheit infizieren! Aber wie kriegt man es hin, dass jeder Mensch in den Genuss des Durchfalles von Ehec-Patienten kommt? 1 Gramm Ehec, verborgen in etwa 100 ml Durchfall, auf 10 Milliarden Menschen verteilen, das ist schon schwierig. Das Tauben-Prinzip: auf den Kopf kacken, scheidet schon mal aus, da es sich ja um Gurken oder Sprossen oder Kühe handelt. Und Durchfall besteht ja nicht aus reinem Ehec. Also, wie ist das einfach zu realisieren? Ganz einfach: Setze Kühe (oder Ehec-Patienten, die ja eh kein Krankenhaus mehr aufnimmt) an den Rand eines Vulkans, sammle die Kuhfladen, resp. den Durchfall, im Krater, und warte auf den großen Vulkanausbruch. Beim Grimsflötl geht das raz-faz.
Flugasche, Vulkanasche, Island. Vulkane mit Namen wie aus der Apotheke. Island … war da nicht was mit der Wirtschaft, EU-Krediten, drohender Pleite? Wollen die etwa durch verseuchte Flugasche Europa in die Knie zwingen? Oder war das doch Irland? Ilse A. wirkt auch da recht ratlos, während der Mann im Hintergrund wieder diese Agar-Platten hoch hält und über die „Ursache des Erregers“ rätselt.
Ach ja, Kuhfladen:Wegen der Kuhfladen sollte man regelmäßig die Hände wasche, rät der Kinderreporter. Danke, guter Tipp. Kuhfladen liegen im Bioladen ja auch überall herum. Fraglich nur, ob heutige Kinder wissen, was Kuhfladen wirklich sind. Wo die aus der Kuh fallen, und dass die nichts mit Fladenbrot oder Nutella, aber was mit Milchschnitte, Fruchtzwerg, Steak und Burger zu tun haben. Sehr fragwürdig, dieser Tipp, denn alle Biobauern, speziell die Verdächtigten, schwören ja Himmel & Hölle, dass Bioprodukte niemals gedüngt werden. Und wenn doch, dann niemals mit Mist oder Gülle. Höchstens mit gutem „Bio“ aus BiogasanlagenBiogas-Anlagen standen hoch im Kurs, grade bei den Alternativen. Als Alternative zur Kernkraft sowieso, mal bei dieser, mal bei der Partei, meist bei den Grünen. Als Ehec-Schleuder wurden sie aber gradezu prominent. Mediziner meinen, in diesen Reaktoren (schon die Wortwahl klingt wie die böse Kernkraft, gelle?) entstehen nie dagewesene Bakterien-Isotope aus Verschmelzungen (bakterielle Kernschmelze). Und eine bakterielle Kernschmelze von nie dagewesenen Mischungen macht dann ein Ehec.  Eine Meinung macht einen Mediziner zwar noch nicht zum Experten, aber wenn die Presse es druckt, muss auch ein Gesundheitsminister da zustimmen.Doch das ist auch keine endgültige Lösung. And also the trash. Wer gegen Bio ist, muss auch gegen die Bio-Tonne sein. Ehec – der Keim, der aus der Tonne kam. Wenn man „Bild“ letzte Woche glauben durfte, infizierte sich eine Familie, weil sie zwei Wochen alte Gurken aus der Mülltonne aß. Leider ist dieser herrlich verquere Beitrag inzwischen nicht mehr online, und es heisst jetzt, die Familie infizierte sich erst, und tat dann die Gurke in die Tonne, und erst nach zwei Wochen fanden die Mediziner, die routinemäßig Mülltonnen durchstöbern (um neue, gefährliche  Bakterien für die Promotion, und Pfandflaschen für die Finanzierung derselben zu finden) auch den Ehec-Erreger darin.
So logisch, wenn nicht gar einleuchtend, das alles aus Ministermund und Presse klingt, es bleiben im Volke dennoch quälende Fragen offen:Was also kann man tun, um diese Epidemie in den Griff zu kriegen, und die Wähler zu beruhigen? Robert Koch sagt (natürlich): Koch es ab. Besser ist es aber, Umfragen zur Ursache anzustellen. Gute, demokratische Praxis. Die Meinung des Volkes ist immer noch das A und O, und die wählen ja schliesslich. Die Ursache demokratisch bestimmen, statt Experten, die in Mülltonnen wühlen, entscheiden zu lassen. Was ganz einfaches muss her. Sowas wie: Wer ist für Gurken als Ursache?  Die gewählte „Ursache des Monats“ wird verboten, und alle sind erfreut über die Handlungsfähigkeit des neuen gesundheitsministers. Und das ist die neue Umfrage, deren Erarbeitung mehr gekostet hat, als Island, Irland und Griechenland zusammen pro Woche an Krediten brauchen:Überraschendes Ergebnis: Landwirte auf Platz 1. Glückwunsch. Und wir dürfen ab sofort wieder ungekochte Gurke essen

Die Expertenkommission hat nun ein neues Projekt gestartet, welches noch früher ansetzt. In Arbeit ist jetzt ein ähnlicher Fragenkatalog zum Thema „Woran erkenne ich, dass ich Durchfall habe?“ Fertigstellung bis zur nächsten Wahl wurde zugesagt.

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Hallo Reporter: Super-GAU im Fussball!

Januar 30, 2011

Die Woche vom 24. bis 30. ist fest geplant in der Sport-Redaktion eines regionalen Medienanbieters. Die Schichten wurden festgelegt, der Urlaub der Chef-reporter wurde auch bewilligt, denn: Der Leithengst, der VFL, ist so berechenbar und vorhersehbar geworden in seinen Bemühungen, in Liga 2 zu bleiben, wie der Wallach „Kleiner Onkel“ aus Pipi Langstrumpf. Bwin und andere Propheten sagen 8:00 gegen einen VFL-Sieg voraus, also, Volontair, nutze die Woche um Argumente für die langsame Demission des Trainers (Herr Baumann) zu finden. Und Tschüss. Alfons und Harald sind weg. Volontair Kevin nutzt also die Woche, und schleicht jeden Trainingstag am Tainingsplatz rum, um schlechte Stimmung einzufangen. Kevin befragt Spieler, die sich per Taxi anliefern lassen, unfreiwillige Reservespieler, die Rentner am Platzrand, und baut eine hübsche, gut recherchierte „Baumann–nichts geht mehr-Story daraus. Er spricht baumann auch ein paar mal direkt an: „Ey, Rücktritt noch in Aue oder was geht sonst Alter?“ Das dauert schon mal bis Donnerstag, grad mit dem Aufschreiben von alldem. Und dann steht Kevin da, am Donnerstag Abend, in den Dieselschwaden des Mannschaftsbusses, der in das schöne Erzgebirge abrauscht, kriegt sein Foto gemacht, und das letzte unzufriedene Interview im Kasten und denkt ans Wochenende, welches für ihn quasi jetzt beginnt.  Well done, Kevin.
Freitag abend noch mal eben der unvermeidlichen Niederlage lauschen, na ja, der Boss zahlts ja. Bis zur 88. Minute passt der in der Woche ausgearbeitete Bericht ja auch. Aue immer gut für ein Tor in den letzten 5 Minuten, und zwar nach Standarts. Kevin nickt ein. Und wird durch den Reporter prompt geweckt: Tor in der Nachspielzeit nach Standart-Situation (Kevin nickt zufrieden) .. für den VFL.
Das Spiel endet tatsächlich 0:1.
Kevin ist jetzt in Panik. Der Bericht über den anstehenden Rausschmiss von Baumann – gegessen. Unzufriedene Spieler, speziell der unzufriedene Joker Schmidt? Also alle unzufriedenen Passagen raus. Alle Anti-Baumann-Passagen raus. Alle Trainer-Wechsel-Passagen raus. Es bleiben 5 Worte vom Text über. Kevin hyperventiliert.  Und die Serie? Auswärts nie gewonnen? Gut, da findet sich doch schnell was im Internetz. Tippa Tappa Kicker.  Letzter Auswärtssieg in Liga 2 war vor über zwei Jahren: Top Titel gefunden. Kevin stöhnt erleichtert. Die Schlagzeile lautet also: „Die Lila-Weißen feiern nach 638 Tagen das Ende des Auswärtsfluchs.“ Und Kevin betrinkt sich dann. Der Text wird von seiner abstinenten, vegetarischen  Freundin, die das ganze verfolgt hat, noch am selben Abend auf Harmlos umgeschrieben.
Schade eigentlich, dass weder Kevin noch seine vegetarische Freundin damals in Burghausen dabei waren, als der VFL nach einem Auswärtssieg aufstieg. First time, first love. What a feeling is this, electricity grows…  Geschweige denn bei der Meisterfeier. Das war Dritte Liga, aber da gab es in 365 Tagen immerhin 5 Auswärts-Siege.
Alle 73 Tage einen. Im Schnitt.
Egal, Kevin, wenn Harald und Alfons wieder da sind, bist du es wahrscheinlich nicht mehr. Seriöser Journalismus darf extrem sachlich und emotionslos sein (A. Badtke) oder auch mal emotional und enthüllend (H.Pistorius), aber die Fakten müssen schon stimmen. Zumindest soweit, wie ein Kicker-Online-Anklicker wie ich das nachvollziehen kann.

Sonntag ists und Wotan reitet…

Juli 25, 2010

.. durch die Stadt und wirft Gratis-Sonntagsblätter in die Briefkästen. Keine Raben mehr, die den Kopf des Edlen umflattern (Naturschutz), kein achtbeiniges Ross mehr (Gentechnik-Verbot), harte, schlechtbezahlte Arbeit, nur für etwas Gras für Pferd und Reiter. Dennoch: ein Hauch von Apokalypse hallt Sonntag Morgens durch die Stadt: Das Ende des professionellen Journalismus ist nahe! Es wurde schon mehrfach bejammert, aber selten wird es offensichtlicher als Sonntags morgens im von Wotan verstopften Briefkasten.
Es geht heute schon auf der Titelseite los. Was auf der Love Parade in Duisburg am Samstag nachmittag geschah, wird jeder seit spätestens Samstag etwa 16 Uhr wissen. Nur nicht das Sonntagsblatt, welches sich bisher oft damit gebrüstet hat, viiiiel aktueller als alle Anderen zu sein:

OK, die überlebenden Teilnehmer, die echt live dabei waren, wurden erst später über die Tragödie mit 30 Todesopfern und hunderten Verletzten informiert. Kann man sogesehen grade noch als „Live-Journalismus“ durchgehen lassen, falls der Vor-Ort-Journalist wirklich bis 1 Uhr  Nachts  vor der Bühne stand und journierte. und sein Handy grade nicht aufgeladen hatte.  Denn um eine noch größere Panik zu vermeiden, wurde die Veranstaltung ja eine Zeit lang  fortgesetzt, als wenn nicht gewesen wäre. Aber spätestens auf der Rückfahrt muss  der doch im Auto Radio angemacht haben. Oder fährt der mit der Bahn? Dann wäre er in der Tat entschuldigt, denn bei 70 Grad plus kriegt man, ausser den Fahrgästen selber, eben nichts mehr gebacken.

Wir blättern weiter:
War noch was Wichtig diese Woche? Klar. Schützenfeste, Firmenjubiläen, Ansprachen von Ex-Prominenten, sensationelle „Molekülverdichter“ fürs Auto.  Ach ja, und ein kleines Ärgerniss (aber nichts wirklich Wichtiges) gabs auch noch:

Wenn die Berichte aus anderen Medien zutreffen, wurde an den Opfern „Fisting“ praktiziert, also die Faust von einer Täter-Person in den After von einer Opfer-Person eingeführt. Sehr „ärgerlich“ sowas, da stimme ich zu. Denn, wie das Sonntagsblatt sehr wohl weiss, kommt das ja praktisch täglich vor. Erst Freitag hatten wir so einen „ärgerlichen“ Fall in der Firma. Chef sagt zu mir: „Du musst den Job von Hubert heute mit machen“. Ich „Wieso?“ Chef: „Der kann heut nich. Hand im Arsch“. Fand ich sehr ärgerlich. Hätte gerne gewusst; nach den Geschehnissen auf Ameland, wessen Hand und wieso der deshalb heute nicht arbeiten kann.
Eine sehr interessante Art, mit dem Thema „sexueller Missbrauch unter Jugendlichen“ umzugehen. Aber die Erklärung, warum das für die teilnehmenden Opfer so alltäglich, so wie für mein Chef, und einfach  nur“ärgerlich“ und sonst nix war, kommt im Sonntagsblatt gottseidank nach:

Klar. Ich fragte also  Chef: „Hat der Hubert das öfter?“ Chef: „Imma ma wieder. Schon bevor der die Lehre angefangen hat hadda dat schoma imma wieda ma gehabt“.  Das einschlägige Jugendcamp gibt es seit Ewigkeiten, und Hubert stammt aus einer kinderreichen Familie…

Alles klar. Steht ja in der Zeitung: „Die kennen das von Früher“. Man muss sich ab und zu eben auch mal auf die Familie einlassen, gell Hubert?. Und wieso werden die Kinder, die „nur“ aus kaputten, alleinerziehenden Verhältnissen stammen, dann zu Petzen? Ganz einfach: Mami ist eben kein Rudel.
Anzumerken wäre vielleicht noch, dass diese Pauschalverurteilung in den weiteren Beiträgen noch etwas relativiert wird. Am Grundübel sind demnach nicht nur die Alleinerzieher, sondern vielmehr auch noch die Ausländer, nochmal die Alleinerziehenden, die Sozialdemokraten, die Grünen, sowie die Jugendvonheute dran schuld sind. An Allem übrigens, nicht nur an diesem kleinen „geärgert werden“. Also auch am Ende des professionellen Journalismus.