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Jetzt hängen Sie alle!

August 11, 2011

Mit einer gewissen Neugierde, aber ohne allzugroße Erwartungen wurden die Wahlkampfplakate der beiden noch ausstehenden Parteien für die Kommunalwahl erwartet. Und jetzt hängen Sie alle. Wer große Erwartungen hatte, sich gar klare Ansagen erhoffte, wurde erwartungsgemäß enttäuscht. Bloß nichts Konkretes, nichts versprechen: Also was ist der lokalpolitische Reisser, den die „Christlich-Demokratischen“ ins Rennen schicken?
„Pro Neumarktcenter“ wäre mal ne Ansage. „Ökostrom für die Stadtwerke“, wie wäre es damit? Oder „Kasernen zu Gewerbegebieten?“ Und weil Gegen besser zieht als Für: „Gegen Outlet-Center an der A1“, meintwegen auch noch „Neumarkt-Tunnel: Nein danke“, „Einkaufen in Osnabrück- nein Danke“, gegen die Klimazone? Alles längst gegessen, aber der dumme Wähler saugt ja jeden regionalbezogenen Brotkrümen aus der Hand der (hüstel) „Herrschenden“ gerne in sich auf.
Und bewundern dabei die Meisterwerke der Lokalpolitik, speziell der Verkehrspolitik:. An der Johannisstraße etwa machen im Wochentakt hoffnungsvolle Geschäfte auf. Aber wie etwa komme ich als potentieller Ladenbesucher aus dem Nordkreis, etwa von Bramsche aus in die Johannisstraße? Antwort: gar nicht. Ziehen Sie nach Osterkappeln oder Bohmte um, und versuchen es dann als Rechtsabbieger am Johannistorwall/Ecke Johannisstraße erneut. Ob es diese Verkehrsregelung, oder den angestrebten Laden dann noch gibt, können wir nicht garantieren. An den Taten sollt Ihr sie messen. Insofern klar, dass bei bestimmten Parteien lieber keine Lokalpolitik auf den Plakaten hängt. Eben typisch CDU.
Ach, das unverständlich, denn die Anderen haben doch Mitschuld? Zur Klarstellung: „Typisch CDU“ lautet der Slogan, der die lokalpolitische Kompetenz dieser überaus fähigen und regional fest verwurzelten Volkspartei auf den Punkt bringen soll. Dazu tanzen so ein paar Hanseln Ringelrein (vorgeschriebene Anzahl Quotenweibchen plus dem Quoten-Werktätigem mit schlecht sitzendem Helm; Rest: Lehrer), als könnten die sich noch über sich selber, und über diesen unsagbar blöden Spruch amüsieren.
Eher lachen die aber über das  „Stimmvieh“: Denn „Typisch CDU“ bedeutet konkret: schau ma mal. Welche Meinung grade mehrheitsfähig ist, da sind wir doch gleich dabei. In der Loalpolitik hat das in der Vergangenheit etwa dazu geführt, dass die durch Fukushima noch völlig verstrahlte CDU-Fraktion für die Stadt komplett auf Öko-Strom umstellen wollte. Super-Angebot der Firma XYZ. Zu einem Preis allerdings, der dem städtischen Haushalt allerdings nichts mehr als diesen besagten Ökostrom bezahlen hätte lassen. Der XYZ-Strom war so teuer (überteuert), dass sogar die Grünen, die sich sonst immer enthalten, was Politik angeht, dagegen waren. Die Lokalpresse war erst mal restlos begeistert: Grüne gegen Ökostrom, CDU dafür. Aber es hat (leider?) nicht lange gedauert, bis sagen wir mal „Details“ zu diesem konservativ-christlichen Öko-Deal, und christlich-demokratischen Beziehungen zwischen XYZ und der CDU-Spitze publik wurden. Ein klassisches „Kohle“-Kraftwerk. Typisch CDU.
Weitere Beispiele werden sicherlich noch folgen. Ich rechne fest damit, dass eine Schlagzeile wie „Windrad tötet süßen Storchenvater – Mutter und Eier hilflos“ den Atomausstieg der CDU kippen wird.
Aber was macht eigentlich die FDP? Ich hatte Plakate mit 3 + X erwartet, aber nicht mal das ist mehr das Ziel dieser in Auflösung begriffenen Partei. „Dinosaurier live erleben“ würde passen, ist aber nicht von der FDP. „Steuern rauf oder runter“? Die Schlagzeile aus dem Sonntagsblatt wäre ehrlich gewesen, was die Erwartungen der Wähler- und Wählerinnen in OS angeht. Da werden wenigstens Alternativen diskutiert. Aber geworden ist es ein ganz unverbindlicher, parteineutraler Tipp: „Wählt das Beste“. Es wird nicht näher erläutert, wer oder was“das Beste“ denn sein könnte. Die 3 + X FDP bestimmt nicht. Ich halte mich also am Wahltag an konkrete Aussagen.
Und genau deshalb wähle ich das McDonalds Job Center: „Wir brauchen dich“. Gerne. Ich komme mal vorbei, und bring auch einen Salat mit. Für was in der Politik auch immer ich gebraucht werde, ich werde da sein: Ob Innen-, Außen-, Verkehrs-, Frühstücks-, Promotions-, Verteidigungsminister; kein Problem. Und – anders als bei „Alleskönner“ Graf Xerox Guttenberg: meine Promotion ist echt!

Hängt Sie höher!

Juli 23, 2011

Es muss wieder mal eine Wahl anstehen. In unserem beschaulichen Städtchen fahren ganze PKW-Kolonnen, bestehend aus Öko-Polos und Akku-Arvensis, dicken Merzedessen und rostigen Twingos rum, und halten in Kolonnenform an den unmöglichsten Stellen an. Meist auf dem Radweg. Mit Warnblinke zumindest, sofern die es denn noch tut. Dicke Lehrerinnen entsteigen diesen Personenkraftwagen, entladen niedliche Hornbach-Trittleiterchen, und krabbeln hoch, um an gewissen Bäumen, Ampelmasten und allem anderen, was geeignet aussieht, Plakate aufzuhängen. Und sich nach dem erfolgten Hängen mit der neusten Aldi-Digicam dann vor dem frischen Plakat von dem einzigen Mann, der aussieht wie ein Musiklehrer, mehrfach knipsen zu lassen. Cheese – FLASH. Manchmal ist der Musiklehrer auch auf dem Plakat dahinter zu erkennen.
Es handelt sich offensichtlich nicht um Models, die für solche lokalen Highlights wie den Entdeckertipps für den Westerkappelner Fahrradbus ,

(da scheint es außer Fahrrädern auch Kaffee und einiges mehr zum Entdecken zu geben), Tragödien wie „Nachtbus N10 von Osnabrück nach Mettingen seit 10 Jahren unterwegs“ (mit der Ankunft wird 2012 gerechnet), oder den Bramscher Teckelklub, der zur Zuchtschau einläd,  posieren. Gemäß der lokalen Monopol-Presse sind das die highlights, die unsere Stadt bewegen, oder zu bewegen haben.
Trotzdem falsch geraten, was die Intention dieser Leute mit den Autos mit der Warnblinkanlage und der Trittleiter auf den Radwegen angeht. Denn: In 6 Wochen sind Wahlen. Nur Lokalwahlen, Kommunalwahlen genannt, also keine TV-Highlights a la „Wird Obama doch noch Geld kriegen um die Usa liquide zu halten“. Sondern nur so ein Kleinkram, der nur uns hier vor Ort was angeht.  Teckel hin, Fahradbus her. Gewisse Probleme, die eine politische Lösung verlangen, gibt es schon. Umweltzone? Kasernengelände? Industrieansiedlungen im Kasernengelände? Kita-Plätze? Neumarkttunnel? Straßenbau? Neue Wohn- oder Gewerbegebiete ausweisen? Zimmersteuer? Kredite oder Bürgschaften für den VFL? Und einiges Mehr, da ist sich der Rat (CDU/FDP) weiss Gott nicht einig. Und mit dem frei gewählten OB Boris Pistorius (SPD) erst recht nicht. Sein Bruder Harald schreibt bis zur Selbstaufgabe für den VFL, das muss reichen, um Boris populär zu halten. Obwohl der VFL sowieso kein Geld von der Stadt kriegt. Kicker, Bild und Spiegel schreiben, toll, dass Wiesbaden, Sandhausen, Braunschweig oder Darmstadt dank der kommunalen Kreditgeber im Fussball Reklame für die Städte machen; Boris Pistorius (SPD) sagt: Wir haben kein Geld für den VFL, der steigt sowieso auf . Oder ab. Und damit hat er zwar jedes mal recht, aber außer dem VFL kennt bundesweit niemand irgendwas von Osnabrück (wer weiß schon, daß Reno-Schuhe oder Schlecker von hier sind?), und berichtet deshalb auch nicht über Osnabrück.

Was hängen die übergewichtigen Lehrerinnen aus den Öko-Autos denn nun an die Bäume und Ampelmasten, um den Kommunalen Wahlkampf zu befeuern, und Position zu diesen Fragen zu beziehen? Antwort: Osnabrück. Gemeinsam. Stark.  Und manchmal noch was an Text in hellrot auf hellgrün, was keine Sau lesen kann. Und, fast als wenn es peinlich wäre, ganz klein unten SPD Osnabrück.
Ist diese Dummbatzigkeit noch zu toppen? Traurige Antwort: Ja. Frage: Wie? Antwort: Komm auf die Rote Seite der Macht. Magere, verhärmte Aktivistinnen der Linkspartei haben diese Plakate vom Fahrrad aus aufgehängt. Tiefer, weil ohne Trittleiterchen. Und die wenigen Grünen, die noch nicht 100 % siegessicher sind, und die noch nicht zu sehr in „energy farming“ involved sind, sondern Zeit haben, hängen „Wir bewegen was“ auf. Mit energetisierenden Bildchen vom Windrad oder was Solarem drauf.
Merkel und deren CDU hängen vorsichtshalber erst mal gar nichts auf. Sehr cool. Diese Partei weiß, wie man Kosten minimiert. Dumme Parolen wie “ die rote Seite der Macht“, oder “ Gemeinsam. Stark“ taugen bestenfalls dazu, den Hintergrund für ein Foto mit dicken Lehrerinnen („seufz weißt du noch, damals vor der Wahl, auf der Hormbach-Trittleiter ..“)  zu geben. Echte Lokalpolitik geht anders. Die CDU 2011 denkt offensichtlich genau so praktisch wie die Bundespartei. „Wir warten auf ein Thema einer anderen Partei, das gut ankommt, übernehmen die Volksmeinung, und dann kopieren wir das einfach. Hat beim Atom doch prima funktioniert“. Vielleicht erinnert die sich auch daran, dass die lästige FDP nur deshalb im Rat sitzt, weil die bei der letzten Wahl bei den Doktorsfrauen am Westerberg satte Prozente geholt hat mit dem Plakat „Hier muss eine Ampel hin“, just an der Stelle, wo die Medizinergattinen mit ihren Geländewagen bislang jeden Sonntag morgen einen fetten Crash gebaut hatten.
DAS, liebe Leute, das  ist Lokalpolitik!! Und die FDP-Ampel steht  immer noch und funktioniert sogar meistens. Und das ist, angesichts der Tatsache, dass es sich um eine politische Entscheidung gehandelt hat, am allererstaunlichsten.

Osnastark, gemein, brücksam.

Ehec – die Gurkengrippe: Das Ende der Grünen ist nahe

Juni 10, 2011

Bio-bashing ist in. Die Schwarz-gelben holen zum Endschlag gegen Grün aus. Erst wurde das Atom erobert, jetzt wird die Biobranche liquidiert. Das soll für einen knappen Wahlsieg reichen, denn mehr Themen (bis auf diese Idee, Sex mit Minderjährigen zu legalisieren) hat rot-grün nicht. Der Weg zum Sieg führt durch den Darm, und heißt Ehec. Oder Gurkengrippe, wie eine ungarische Zeitungen die „Bild“ zitiert. Und so werden diese Bios das Ende der Menschheit verursachen, wenn man die einfach so weiter gärtnern lässt.

Schon ein Gramm Ehec kann die ganze Menschheit infizieren! Aber wie kriegt man es hin, dass jeder Mensch in den Genuss des Durchfalles von Ehec-Patienten kommt? 1 Gramm Ehec, verborgen in etwa 100 ml Durchfall, auf 10 Milliarden Menschen verteilen, das ist schon schwierig. Das Tauben-Prinzip: auf den Kopf kacken, scheidet schon mal aus, da es sich ja um Gurken oder Sprossen oder Kühe handelt. Und Durchfall besteht ja nicht aus reinem Ehec. Also, wie ist das einfach zu realisieren? Ganz einfach: Setze Kühe (oder Ehec-Patienten, die ja eh kein Krankenhaus mehr aufnimmt) an den Rand eines Vulkans, sammle die Kuhfladen, resp. den Durchfall, im Krater, und warte auf den großen Vulkanausbruch. Beim Grimsflötl geht das raz-faz.
Flugasche, Vulkanasche, Island. Vulkane mit Namen wie aus der Apotheke. Island … war da nicht was mit der Wirtschaft, EU-Krediten, drohender Pleite? Wollen die etwa durch verseuchte Flugasche Europa in die Knie zwingen? Oder war das doch Irland? Ilse A. wirkt auch da recht ratlos, während der Mann im Hintergrund wieder diese Agar-Platten hoch hält und über die „Ursache des Erregers“ rätselt.
Ach ja, Kuhfladen:Wegen der Kuhfladen sollte man regelmäßig die Hände wasche, rät der Kinderreporter. Danke, guter Tipp. Kuhfladen liegen im Bioladen ja auch überall herum. Fraglich nur, ob heutige Kinder wissen, was Kuhfladen wirklich sind. Wo die aus der Kuh fallen, und dass die nichts mit Fladenbrot oder Nutella, aber was mit Milchschnitte, Fruchtzwerg, Steak und Burger zu tun haben. Sehr fragwürdig, dieser Tipp, denn alle Biobauern, speziell die Verdächtigten, schwören ja Himmel & Hölle, dass Bioprodukte niemals gedüngt werden. Und wenn doch, dann niemals mit Mist oder Gülle. Höchstens mit gutem „Bio“ aus BiogasanlagenBiogas-Anlagen standen hoch im Kurs, grade bei den Alternativen. Als Alternative zur Kernkraft sowieso, mal bei dieser, mal bei der Partei, meist bei den Grünen. Als Ehec-Schleuder wurden sie aber gradezu prominent. Mediziner meinen, in diesen Reaktoren (schon die Wortwahl klingt wie die böse Kernkraft, gelle?) entstehen nie dagewesene Bakterien-Isotope aus Verschmelzungen (bakterielle Kernschmelze). Und eine bakterielle Kernschmelze von nie dagewesenen Mischungen macht dann ein Ehec.  Eine Meinung macht einen Mediziner zwar noch nicht zum Experten, aber wenn die Presse es druckt, muss auch ein Gesundheitsminister da zustimmen.Doch das ist auch keine endgültige Lösung. And also the trash. Wer gegen Bio ist, muss auch gegen die Bio-Tonne sein. Ehec – der Keim, der aus der Tonne kam. Wenn man „Bild“ letzte Woche glauben durfte, infizierte sich eine Familie, weil sie zwei Wochen alte Gurken aus der Mülltonne aß. Leider ist dieser herrlich verquere Beitrag inzwischen nicht mehr online, und es heisst jetzt, die Familie infizierte sich erst, und tat dann die Gurke in die Tonne, und erst nach zwei Wochen fanden die Mediziner, die routinemäßig Mülltonnen durchstöbern (um neue, gefährliche  Bakterien für die Promotion, und Pfandflaschen für die Finanzierung derselben zu finden) auch den Ehec-Erreger darin.
So logisch, wenn nicht gar einleuchtend, das alles aus Ministermund und Presse klingt, es bleiben im Volke dennoch quälende Fragen offen:Was also kann man tun, um diese Epidemie in den Griff zu kriegen, und die Wähler zu beruhigen? Robert Koch sagt (natürlich): Koch es ab. Besser ist es aber, Umfragen zur Ursache anzustellen. Gute, demokratische Praxis. Die Meinung des Volkes ist immer noch das A und O, und die wählen ja schliesslich. Die Ursache demokratisch bestimmen, statt Experten, die in Mülltonnen wühlen, entscheiden zu lassen. Was ganz einfaches muss her. Sowas wie: Wer ist für Gurken als Ursache?  Die gewählte „Ursache des Monats“ wird verboten, und alle sind erfreut über die Handlungsfähigkeit des neuen gesundheitsministers. Und das ist die neue Umfrage, deren Erarbeitung mehr gekostet hat, als Island, Irland und Griechenland zusammen pro Woche an Krediten brauchen:Überraschendes Ergebnis: Landwirte auf Platz 1. Glückwunsch. Und wir dürfen ab sofort wieder ungekochte Gurke essen

Die Expertenkommission hat nun ein neues Projekt gestartet, welches noch früher ansetzt. In Arbeit ist jetzt ein ähnlicher Fragenkatalog zum Thema „Woran erkenne ich, dass ich Durchfall habe?“ Fertigstellung bis zur nächsten Wahl wurde zugesagt.