Posts Tagged ‘Fußball’

Elfmeter, Elfmeter

April 1, 2011

Mit Allem ist zu spaßen, aber nicht mit unserem VFL und seiner Auswärtsschwäche. Das Sechs-Punkte-Spiel in Karlsruhe, und die tölpelige Abwehr. Nur nicht früh in Rückstand geraten. Also, stream suchen, Chat und Liveticker an, los gehts; leider bevor ich einen stream finde. Und dann das im Noz-Ticker:

Elfmeter in der ersten Minute. Ich ging aus dem Zimmer zur Bierkiste, und seuftze  laut. Das der reingeht, ist klar.
„Was gibts Neues“, fragt meine Frau.
„Der VFL liegt zurück“ antworte ich.
„Aber das ist doch nichts neues“ war die tröstende Antwort.

Die Bilanz im Forum: 4 Tote. Zweimal Herzinfakt, 1 Hirnschlag, 1 Nutzer wegen Schreiens von seinem Nachbarn erschossen. In den Straßen der Stadt rasen die Notarztwagen los.

Ich bin seit drölfzig Jahren nicht mehr auf einen Aprilscherz reingefallen. Kompliment, NOZ. Der war richtig gut. Trocken, präzise, gutes timing. Der tödliche (S)pass.

Aber warum fielen so viele Leute drauf rein, bzw. sogar zum Opfer?

Ganz einfach, dieses Scenario war einfach zu real. In 12 von 27 Spielen fielen frühe Gegentore, ehe sich der VFL endlich aufraffte. Mal mit, meist ohne Errfolg. Es wurde beim DFB sogar beantragt, jedes Spiel beim Stande von 0:1 beginnen zu dürfen, damit unsere Spieler „von Anfang an“ ganz auf dem Platz stehen. Und tatsächlich:

Diesmal wars echt.

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Basic instinct vs. google

November 9, 2010

Der Existenzkampf in Liga 2 ist hart, und wird mit allen Mitteln einer multimedialen Gesellschaft geführt. Und speziell im Abstiegskampf ist alles erlaubt. Auch der alte Trick aus basic instinct. Welcher? Na, die „Ich trage kein Höschen-Nummer“ natürlich. Nur leider zieht der nicht mehr, bzw. lässt sich heutzutage ganz einfach multimedial per Web 2.01 entgiften.
Aber der Reihe nach:
Zunächst zur Erinnerung wg. basic instinct: S. Stone hat einem Popstar mit einer Art Hammer (Eispickel) in den Kopf gehackt, und zwar so doll, dass der gestorben ist. M. Douglas ist Polizeibeamter (Cop) und ermittelt gegen diese Dame. Aber bei dem entscheidenen Verhör wird er durch einen diskreten, aber spektakulären Mangel an Textilien seitens der Verdächtigen Frau Stone abgelenkt. Nach einer Studie von 2008, in der die Sehgewohnheiten von mehreren Tausend Digital-TV-Zuschauern untersucht wurden, ist das immer noch die Szene, bei der die Seher am häufigsten auf die „Pause“-Taste drücken.


Um auch diese Fragen zu beantworten: Regisseur Paul Verhoeven bekam den fehlenden Slip von S. Stone geschenkt. Das Unterhöschen trug die Schauspielerin noch bis kurz vor jener sagenumwobenen Verhör-Szene. Dann hat ihn  P. VerhoevensTochter noch eine Weile getragen, und „dann hat ihn wohl die Waschmaschine gefressen“ (Zitiert nach Welt).

Und Herr Douglas endet in dem Film auch mit einer Art Hammer (Eispickel) im Kopf, als direkte Folge der Nachlässigkeit und Ablenkung bei besagtem Verhör. 2:0 für Frau Stone. Kopfarbeit zahlt sich eben aus.

Was hat das mit dem Abstiegskampf in Liga 2 zu tun? Ganz einfach – der VFL nutzt denselben Trick, um die Gegner abzulenken. Was/wer ist denn der KSC gegen Michael Douglas? Es gibt zu viele Parallelen: Ein verunsicherter Cop hier, ein verunsichertes Team da; ein Trainer auf Bewährung und unter Beobachtung da, ein Cop unter Bewährung und unter Beobachtung hier. Daher die Mission: „Ich trage keine Höschen“. Ein psychiologisches Meisterstück.  „Lasst es den Gegner sehen, wir haben noch „Eier in der Hose“ und zeigt es (die?) ihnen“. So die geheime, uns aber vorliegende Anweisung von K. Baumann (Trainer VFL). „Und macht das Ding rein“.
Anfangs ist alles super; der KSC ist 20 Minuten lang geschockt, denn ein schneller Greiftest in der 1. Minute ergibt: der VFL meint es ernst damit!

20 Minuten lang spielt der VFL wie von einem Druck erlöst, aber dann geht ein Ruck durch die Karlsruher.  Der neuen KSC-Trainerfuchs und sein Media-Team haben einen Weg gefunden, die Sharon-Stone-Falle zu knacken. Markus Kauczinski wechselt google street view ein.

Der Defensiv-Verpixler! Jetzt kann der KSC wieder beherzt zugreifen. Die stoned-Aktion des VFL ist ab jetzt gescheitert:

(aus bild-online; mit dem Zitat: „KSC-Spieler Ole Schröder (25) zog heftig an der Hose seines VfL-Konkurrenten Niels Hansen (27) – und brachte dadurch Erstaunliches zum Vorschein. (Quelle: bild.de).

Das wirft die Fragen auf: Erstaunlich? Was sitzt bei einem Fussballspieler an dieser Stelle? Was hatte der denn Anderes erwartet? Was wurde überhaupt gefunden?

Über was war Ole Schröder (25) denn nun so erstaunt? Wir werden es nie erfahren. Ist nämlich alles weggepixelt! Lindemann ist zu recht sauer. Spielerisch war das gleich null, und nur mit Kampf und Einsatzwillen reicht es ohne Hose einfach nicht. Und nur auf den Stone-Effect zu setzen, reicht im modernen Fussball für einen Sieg nicht mehr aus.

„Die Spieler haben körperlich alles versucht, aber die Einstellung hat nicht gestimmt“, und „die Verpixelung hat uns das Wasser aus den Segeln genommen“, so Trainer Baumann zur Leistung seines Teams. „Wir gehen aufrecht vom Platz“ sagte Markus Kauczinski über sein Team, aber dank google street viev gibt es dazu leider keine Bilder.
Gottseidank. Und das 0:0 war, gemessen am filmischen Vorbild, schon ein Sieg, denn das Spiel ging ohne nennenswerte oder mechanische Hirnverletzungen zu Ende.

Die Fußball-WM. Eine wirklich allerhöchst fragwürdige Veranstaltung

Juni 27, 2010

Falls der ein- oder andere es noch nicht bemerkt hat: Es ist wieder Fußball-WM. Und völlig zu recht mehrt sich die Kritik an dieser Veranstaltung. Obwohl eine Fußball-WM unter den Produktnamen „Sommermärchen“ vor vier Jahren noch gut angekommen ist, bei dem phantasievoll (und sicherlich sehr teuer) als „Wintermärchen“ deklarierten diesjähringen Relaunch geht allerhand schief, und im Volk regt sich Unwillen. Nicht nur deshalb, weil der Marketingname „Wintermärchen“ von der gleichen Agentur ausgedacht wurde, die sich Namen für die Ölauslauf-Stoppaktionen von BP ausdenkt, und, da die langsam denken, die ganze Aktion echt verzögert.

Nun aber zu den Kritikpunkten. Ganz oben auf der Liste: Die Spiele. Meist Grütze (bis auf D-AUS und noch ein oder zwei). Was soll das? Den Brasilianern ist kalt, die Franzosen haben kein Bock, den Italienern fehlt Inzaghi, der die Elver schindet, die Nordkoreaner verschwinden geheimnisvoll, aber das sind doch Ausreden.

Die Spiele aber, die nicht grottenschlecht sind, sind zu schnell. Schieds-und Linienrichter haben in schnellen Spielen einfach keine Chance zu erkennen, ob ein Ball im Tor war oder nicht. Die Spieler sind extrem rücksichtslos geworden. Da wird nach vorne gespielt, ohne darauf zu warten bis ein Schieds- oder Linienrichter mitgelaufen ist. Dann wird der Ball aufs Tor gedroschen, und bringt die Schieds- und Linienrichter in peinliche Situationen. Hustend und keuchend wird diskutiert ob das drin war oder nicht, und dann gewürfelt. Solche Szenen will doch niemand sehen.

Schlimmer als die Schieds- und Linienrichter sind nur noch die Torhüter. Klar, die wissen, dass die Schieds- und Linienrichter von der Mittellinie aus nicht sehen, ob der Ball im Tor war, aber das ist ja wohl keine Ausrede. Der letzte Nordkoreaner hat es ja sagenhafte 7 mal probiert und jedesmal beim Würfeln verloren.

Zu einem Problem werden aber auch die Fans. Ein guter Fan geht natürlich zu jedem; ich wiederhole: jedem Spiel seiner Mannschaft und ist nicht nur dann präsent und verhaltensauffällig, wenns mal gut läuft. Aber jetzt kommen die Schland-Ratten wieder aus ihren Löchern und Garagen gekrochen und gefahren, und machen mit Vuvuzolas, Gas- und Autohupen und Gegröle die Gegend unsicher. Wobei diese nicht mal vor dem Sonntag zurückschrecken.

Und überhaupt: Die Vivuzelas. Klingt wie die Baustelle am Bahndamm. Von der Stimmung im Stadion kommt überhaupt nicht über ausser „mööp“. Mit Vuvozela-Filter kommt gar nichts nichts mehr über, aber man hört die Reporter wieder. Und das ist noch übler. Buschido kommentiert bei rtl, Belarethy bei dem einen öffendlichrechtlichen. Mein Lieblingszitat von Belarethy: „das 2:0 ist ganz wichtig, denn vorher stand es ja nur 1:0“. Gut, dass mir das jemand mal erklärt hat. Ausnahme: Detzer oder Nelling lobten heute ausdrücklich, dass die deutschen Spieler nach dem England-Sieg „so ruhig und wohlartikuliert“ antworten. Ich teile dieses Lob, denn angesichts der saublöden Fragen (Herr Klose, freuen sie sich über ihr entscheidendes Tor?) hätte ich das wahrlich nicht gekonnt.

Ferner ist die „Wintermärchen“-WM eine Umweltverschmutzung allererster Güte. Als da wären: Autofahren ohne Grund, mit nutzlosem Ballast (10 Mitfahrer, OK, zumindest mit leichter Bekleidung, sinnloses Hupen (Hupen kostet Sprit, es erhöht den Spritverbrauch fast so stark wie der Betrieb einer Klimaanlage), Entsorgung defekter Vovuzielas usw… Damit erhöht sich unser Klima spontan wieder mal um drei Grad Zelsius.

Und überhaupt: Afrika so als Kontinent profitiert nicht im Mindesten von der WM. War auch Thema bei G20. Bruttosozialprodukt, Jobs – alles Lüge. Die Stadien haben schließlich deutsche Firmen gebaut.

Und auch die deutsche Wirtschaft ist unzufrieden. Denn die WM findet ja nicht hier statt, sondern in Afrika. Und Nike (US-Konzern) führt deutlich gegen Puma und Adidas, obwohl Ballack ja extra nach Herzogenaurach gefahren war, um für Gefahr im Mittelfeld zu sorgen.

Zuallervorletzt muss erwähnt werden, dass es schon prinzipiell zutiefst nationalistisch ist, Nationalmannschaften zu unterstützen. In Zeiten, in denen die Probleme unserer Erde ein Zusammenstehen der Länder und Kontinente fordern, so eine nationalistische Veranstaltung abzuhalten und im Fernsehen auch noch zu propagieren.. wo leben wir denn?

Und das schlimmste: Beim Public viewing hat so ein Asi auch noch versucht  durch seine Vuvuzela mein Bier auszuschlabbern. Dachte wohl, ich merk das nicht.

Gute Besserung.

Hoffentlich ist die WM bald vorbei und vergessen.