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Kann es nur Eine geben?

November 26, 2010

Der Rosa Riese macht jetzt auch Ernst. In der heutigen Post liegt ein wichtig aussenender Brief von T. Online, T. Mobile, T. Lekom oder T. Lefon; ganz auseinanderhalten konnte ich die Bruchstücke des Ex-Monopolisten noch nie.
Ich öffne den Brief von Timo Beil also nervös, denn auf dem guten weißen Papier (mindestens 90 g/qm) kommen nur Mahnungen (während die normalen Rechnungen immer noch in Öko-Schmuddelgrau daher kommen).
Was habe ich wieder mal nicht bezahlt? Ich muss den Brief zweimal lesen, um zu verstehen: Das ist keine Mahnung, sondern der Hinweis auf etwas absolut ganz total Neues:  Nämlich auf E-Mails, mit denen ich nachweisen kann, dass diese echt und wirklich von mir sind. In der Kommunikation mit Banken, Behörden, Gerichten oder Anwälten beispielsweise, so Timo Beil, macht das Behördengänge „vielfach überflüssig“. De-Mail heisst das gute Stück, und wer T-Mobil oder t-online Kunde ist, weiß, dass speziell Kommunikation mit dem Anwalt und Gerichten zum Aufrechterhalt des Services dieser Anbieter einfach dazu gehört.

Ich bin ein friedfertiger Mensch, aber die einzigen beiden Male wo ich zum Anwalt gegangen bin, waren wegen T-Online bzw. Telekom-Rechnungen.
Ausserdem erinnert mich dieses Angebot fatal an etwas anderes: nämlich an E-Post. Aber anstatt des entwürdigenden Postident-Verfahrens ist es beim Rosa Riesen alles „Kostenlos und Unverbindlich“. Eine unverbindliche Mail also, die Behördengänge überflüssig macht? Toller Service!
Kein Post-Ident, das verstehe ich gut; die Postler wären ja auch schön blöd, wenn die ein Konkurrenz- bzw. Mitbewerberprodukt irgendwie unterstützen würden.  Keine 55 Cent pro Mail, unverbindlich aber dokumentenecht an den Anwalt? Warum sollte in meinem nächsten Prozess gegen T-online der Richter einem De-Mail mehr glauben, als ein freemail-mail beispielsweise? Speziell bei einer Klage gegen Timo Beil, wer würde da einem „De-Mail“ vertrauen? Antwort: jeder verfassungstreue Richter natürlich, denn das ist so Gesetz,
weil es nämlich von „höchster Stelle“ abgesegnet ist. Genau wie die Winterreifen. Im Begleitschreiben steht groß und leuchtend:

…De-mail ist eine Initiative des Bundesministers für das Innere.

Die Resonanz war durchweg positiv….

Schäube ist also also auch sauer auf E-Post. Und erlässt ein De-Mail-Gesetz, und – anders als bei Stuttgart21 oder der AKW-Laufzeit etwa- probiert das Gesetz auch gleich aus. „Durchweg Positiv“ war das Ergebniss, sagt Timo Beils Brief.
Synonyme für „durchweg“ sind lt. Internet-Thesaurus z. B.: „oft“, „mehr oder weniger“, „alles in allem“. Mit dem Attribut „mehr oder weniger“ etwa kann man die Zustimmung zu Stuttgart21 auch beschreiben. Auf das Argument, es wäre ja nur ein „Probe-Bahnhof“ warte ich noch. Winterreifen zur Probe gibts auch nicht.
Egal, ich hab mir schon mal für jeden meiner Email-Accounts so eine Adresse reserviert. Und warte mal ab, wann und wie der T. Phone-Ident denn kommen wird.

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Epost! Epost?

August 5, 2010

Elektrische Post. In Zeiten von Email, social networking und „Internet“ wurde es auch mal Zeit, daß der Kurier des Zaren vom hohen Ross steigt, und auf modern macht. Sonst fällt womöglich passend zum Ende des Briefpost-Monopols noch jemandem auf, daß sich „Briefträger“ immer noch zu Fuß oder per Rad auf die Straßen wagen müssen, um Reklame von Santander, Tango, Dingsda- und anderen Banken, Lottogewinne 🙂 , Weihnachtsgrüße von Conrad, Amazon, meinem Optiker, Payback und Paypal. Und was sonst noch nicht mehr per Mail kommt (weil es nicht mehr kommen darf; denn es wurde denen von mir untersagt lt. Novelle des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb), das landet dank Post in dem  mechanischen Briefkasten.
Ausser Montags, denn da arbeiten die Postler ja bekanntermaßen nicht, und nur die paar „Infobriefe“ von Citypost wandern in die blaue Tonne.
Da könnte die mechanische Konkurrenz gnadenlos ansetzen. Auch Montags die normale Menge an Reklame im Postkasten, das ist eine Klage bei der EU wert. Schon montags wissen, wie hoch man bei Santander, Tango, und Co gerankt wird, und vom Brillenmacher erfahren, ob schon wieder Weihnacht ist oder man letzten Montag Geburtstag hatte und das vergaß.

Epost kombiniert also die Vorteile der herkömmlichen Post (äh ja, als da wären: man kann Spam recyclen, was bei Email nicht geht; es gibt keine Viren, es kostet Geld) mit den Vorteilen von Email (schnell, man muss nicht zum Briefkasten gehen, gratis) miteinander. Und trotzdem bleibt es Post pur.

Klingt fantastisch, da mach ich mit.

Aber das ist nicht ganz so einfach wie in eine neue Wohnung ziehen und Schild an den neuen Briefkasten pappen. Für die Epost muss man diverse Existenzberechtigungs- und -nachweisschritte absolvieren, bis man sein Namensschild an den elektrischen Briefkasten kleben darf.  Zertifizierter „Premium“-Email-Empfänger quasi. Damit Tonline, der Optiker und wer noch endlich nachweisen können, daß die Rechnung oder Mahnung auch wirklich als Email zugestellt wurde.
Damit der elektrische Briefbote kommt, sind also ein paar kleinere Initiativen seitens der Ebriefempfänger gefragt.  „voll einfach, dauert keine 5 Minuten„, sagt die Epost. Recht hat sie. Dauert keine 5 Minuten.

Zuerst online anmelden, natürlich. Name, Wohnort, bla, nichts aufregendes. Ärger erstmals beim erwählten Passwort. Alles was ich mir merken kann ist viel zu unsicher für die Epost., „verwenden Sie mindestens 3 Sonderzeichen…“ „keine Worte“ „minnestens 12 Zeichen lang“ und so geht das eine Weile. Das Ergebnis kann ich mir niemals merken, aber egal, es gibt eine Neues-Passwort-Anfordern-Funktion. Everybody needs a second Chance.
Und nun? Handy-Nummer eingeben, denn es folgt ein TAN per SMS.
Funktioniert prima. TAN eingeben, es folgt: „Wir prüfen. Bitte warten.“ Ich säße da heute noch, denn die Reaktion brachte der echte Briefträger 3 Tage später in den Postkasten. Die PIN zur TAN.
OK, PIN zur TAN eingeben, passt auch, und nun? Post-Ident-Formular runterladen. Anschließend „online“ eine Postagentur identifizieren, die einen „Postident“ erfolgversprechend durchführen kann. Um es kurz zu machen, mit dem „Kenntumi“ gehe ich also brav zur nächsten postidentfähigen Post-Agentur und reihe mich in die Schlange ein.  Vor mir Oma schickt Brief – dauert. Tante schickt Päcksken an Onkel – dauert. Schlange hinter mir wird unruhig.
Jetzt ich, mal eben den Postident machen. Mit den Worten „Identifizieren Sie Mich Bitte“ reiche ich den gefordeten Personalausweis, sowie das Postident-Kentumi-Formular über die Epost-Theke. Die Dame seufzt, und wird dann sehr aktiv: Postident scannen, tippen, drucken, ausfüllen, stempeln, Personalausweis-Daten eingeben, nochmal was scannen, wieder drucken, eingeben, drucken, falzen, stempeln, frankieren. In der Schlange regt sich erster Protest. Ein oder zwei junge Leute mit Postident-Schreiben in der Hand verdrücken sich unauffällig. Als ich meinen Perso nach 10 Minuten zurückerhalte, ist die Postagentur-Dame schweissgebadet, und die Schlange aufgebracht. „Das kann jetzt ein paar Tage dauern“ sagt die schweissgebadete Postdame. Und freut sich sichtbar auf die nächste Oma mit Päckchen.
Als ich endlich nach Hause komme, liegt im mechanischen Briefkasten ein Brief: „Herzlich wilkommen bei Epost. Ihr Postident wurde durchgeführt. Bitte geben sie diese TAN bei Epost ein.“
Donnerwetter, das ist schnell. Schneller als ich für den Kampf gegen Oma und 50 m Fußmarsch brauchte. Leider ist die TAN falsch. Eine Neue wird umgehend geschickt, sagt Epost.
Nächster Tag: Brief mit „Notfall-PIN“ in der mechanischen Post, falls meine TAN nicht tut. Ich hefte das Schreiben ab. Notfalls würde ich es wiederfinden. Abends schicht mir Epost noch eine TAN aufs Handy.
Am Samstag finde ich im mechanischen Briefkasten zwei neue Briefe von Epost. Der eine enthält meine TAN zur Anmeldung, der andere die Gratulation, dass ich mich jetzt mit meinem Passwort bei Epost anmelden kann. Meine biologische und wirtschaftliche Existenz hätte ich nach Epost-Meinung per Handy und Postident ausreichend nachgewiesen. Heute mag ich aber nicht mehr.
Montag: Briefkasten leer. Ich gehe im Internet zu Epost.de, kann mich problemlos und ohne Passwort einloggen, und erwarte also meine  „wichtigen, zertifizierten Briefe“:

Gelogen haben die wirklich nicht – alles wie bei der normalen Post, nur in Elektrisch. Montags Ruhetag.

Aber echt neu und toll: ich muss nicht mehr bis zum Briefkasten laufen, um zu sehen, daß er leer ist.

Und ich werde in Zukunft meine Mails bewusster versenden, denn die kosten dank Epost ab jetzt ja Geld.