Posts Tagged ‘Doktor’

Was tun nach der Promotion?

Oktober 2, 2014

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, diese Uni niemals wieder zu betreten, aber heute musste ich eine Ausnahme machen. Es war auch nicht mein alter Fachbereich, sondern ein ehemaliges Bankgebäude, welches die Uni in der Innenstadt gekauft oder gepachtet und top renoviert hat. Da das momentan mitten in der Großbaustelle am Neumarkt liegt, und die 10 große und sauschwere Pakete kriegten, fällt das in meine Paketzustelltour „Groß-und Problemkunden“.

Erst die Großkunden

Erst die Großkunden…

Nur wenige Kunden wissen es zu schätzen, einen promovierten Paketzusteller zu haben; viele wissen nicht mal, was das bedeutet. Die Meinung, Promotion wäre das, was man als gesellschaftliche Reintegration nach einer Haftstrafe bezeichnet, ist verbreiteter als das Wissen, dass das eine „Doktorierung“ ist.
Was anzuliefern war, waren mehrere tausend Exemplare der Broschüre „Was tun nach der Promotion“. Die waren miserabel verpackt, aber kein Paket war kaputt genug, als dass ich in der Broschüre nal hätte lesen können. Ich hätte die Sachbearbeiterin allerdings gerne gesprochen, und z. B. einen Tipp gegeben, wobei eine Promotion eher stört – aber die war noch nicht an Ihrem Arbeitsplatz. „So früh fängt die nicht an“. Es war ja auch erst 11:15 Uhr.

Dann die problemkunden

… dann die Problemkunden. Hier muss ich jetzt mit meinem neuen MAN TGL durch, am Besten ohne den zu verschrammen

Innenstadt

„Problemkunden“ sind nicht immer Psychopathen oder Messies oder so – oft einfach nur schwer zu erreichen oder zu beliefern.

And the looser is…

März 3, 2011

Die Affäre Guttenberg ist jetzt offiziell zu Ende. Der Herr Freiherr ist wieder frei, der zukünftige Ex-Innenminister ist der sicherlich am Besten qualifizierte Nachfolger, und Klaus Thomas Ferdinant (oder so) aus Bayern wird neuer Innenminister. Also alles wieder gut? Nein. Es ist naheliegend, den Herrn Freiherr als Verlierer der ganzen Affäre zu sehen, immerhin hat es Ihn den Job gekostet. Fakt ist leider, ausser diesem Klaus Norbert Ferdinant oder so gibt es kaum Gewinner.
Der Heinz Thomas Ferdinant oder so scheint nicht promoviert zu sein, sondern einfach nur mit ein- und derselben Frau verheiratet, und hat drei unauffällige Kinder. Lebt zurückgezogen im Eigenheim, wenn er nicht still und diskret Bayern in der Landesgruppe vertritt. Gilt als unauffällig, höflich und zurückhaltend. Sonst weiss man praktisch nichts über ihn. Perfekte Qualifikation. Falls der nichts macht in seinem neuen Job, und somit auch keine Fehler, ist der persönlich und politisch unangreifbar. Solch einen Kandidaten muss man in der Politik erst mal finden.
Angela Merkel zähle ich auch zu den klaren Gewinnern. Sie konnte sich ein Lachen ja auch nicht verkneifen, als sie das Rücktrittsgesuch annahm. Die nächste Kanzlerschaft ist definitiv gerettet.
Hat also der Wähler gewonnen, weil ein Lügner und Fälscher entlarvt und gefeuert wurde? Abgesehen davon, dass die Mehrheit der Bundesbürger Politiker sowieso für Lügner und Fälscher hält, war der Herr Freiherr ehemals die einzige ehrliche und kompetente Lichtgestalt. Und hat es geschafft, diese Position selber innerhalb von einer Woche komplett zu ruinieren. Selbst wenn er eine seiner ministerialen Kolleginnen vergewaltigt hätte, wäre das nicht so effektiv gewesen. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen + unhaltbare Vorwürfe“ -> „Ich habe große Fehler gemacht“ -> „Ich trete nicht zurück“ -> „Ich trete doch zurück“. Alles innerhalb von vier Tagen öffentlich zelebriert. Da sieht der Wähler im Zeitraffer, wie schnell sich ehrliche Lichtgestalten in verlogene Schattenmänner verwandeln.
Deshalb ist der Wähler der erste große Verlierer. Politiker sind verlogen und inkompetent. das wurde eindrucksvoll bestätigt. Die Wahlbeteiligung bei der nächsten Wahl wird unter 50 % liegen.
Hat die Opposition gewonnen? Nein, die sind zu blöde. Mir war schon bei den ersten Anschuldigungen gegen Guttenberg klar, dass „Unhaltbar, untragbar, etc..“ kommen, allerdings ohne jegliche inhaltliche Kompetenz. Dasselbe leere blabla, als wenn der Freiherr sich wirklich an Kolleginnen vergangen hätte. Kann man dumpfe Fundamentalopposition und Kompetenzmangel noch besser demonstrieren?
Aber die Wissenschaft ist doch wenigstens rehabilitiert? Denkste. Wer mal ein Interview mit der Vorsitzenden des Beirates der Wissenschaft gehört hat, weiss, dasss alleine diese Person schon in der Lage ist, die Wissenschaft öffendlich in den Dreck zu ziehen. Eine arrogante, völlig weltfremde Mutti, die psychologische Defizite wegen hohem Erfolgsdruck bei dem Herrn Freiherrn sieht, weswegen er kein Vertrauensverhältniss zu seinen akademischen Betreuern aufbauen konnte. Ich hörte das Interview im Auto, und hätte beinahe einen schweren Verkehrsunfall verursacht. Es krampfte auf mal alles. Um einen Rückfall zu verhindern, verkneife ich mir weitere Kommentare.
Aber welche Wirkung muss so ein weltfremdes Gefasel auf den normalen Bundesbürger haben, der kaum Vorstellungen davon hat, was ein „Doktor“ ist, dass der was mit Promotion zu tun hat, und was die zwei Buchstaben im Namen bedeuten? Arzt = Doktor, dessen Frau ist Frau Doktor, und die fährt mit dem fetten Geländewagen zum Bäcker und blockiert da mindestens drei Parkplätze und kommt trotzdem nicht aus der Parklücke. Zitat: „Die promovieren, um sich ‘Dr. med.’ dann stolz auf das Klingelschild gravieren zu können. Sie melden sich am Telefon privat auch nicht mit „Klein“, sondern mit „Dr. Klein“. Die Fernsehserien machen das mit den Medizinern ebenfalls so. Groß ist der, der „Dr. Klein“ heißt. Und alle sind rechtschaffen und moralisch einwandfrei.“
Und solche netten, sympathischen Zeitgenossen sägen unseren Gutti ab? Den Held unserer Soldaten? Die Lichtgestalt der Politik? Die überaus mitfühlenden Äußerungen von der Vorsitzenden des Beirates der Wissenschaft bringen echt Klarheit und Verständnis.
Dabei ist der Doktortitel in den Bereichen, in denen die Doktoranden dafür jahrelang wissenschaftlich arbeiten statt dafür zu bezahlen (sondern arbeiten statt bezahlt zu werden), eine international anerkannte Qualifikation made in germany. Die Lehr- und Wanderjahre der Wissenschaft, und da sind so Pseudo- und Witzdoktoren wie Dr. H. C., Dr. med, Dr. med.dent, Dr. jur ausdrücklich ausgeschlossen. Jeder Wissenschaftler weiss da.
Warum sagt nicht mal jemand: Die Promotion, also der Doktortitel, ist in der Wissenschaft das, was der Meisterbrief im Handwerk ist. Dachdeckermeister erschwindelt -> Dach von Haus stürzt ein, 5 Tote, darunter ein paar niedliche Kinder und Hunde. Das würde BILD schreiben. Stattdessen gibts wg. Gutti ein paar gefakte „Umfragen“. Obwohl – so wie die Wissenschaft sich in ihrem Elfenbeinturm präsentiert hat, könnten 83 % pro Guttenberg bei der eher proletarischen BILD-Leserschaft glatt echt sein.
Und „Gutti“ selber? Der wird entweder warten, bis die ganze Affäre aus dem kurzen Gedächnis des Stimmviehes rausgefallen ist. „Wenn man mich ruft, werde ich kommen“ hat er noch nicht gesagt, wird eraber noch. Und wird Kanzlerkandidat Gutti gegen Mutti. Oder er wird was im Fernsehen. Nachfolger vom Gottschalk, Djungelcamp, Gutti Frutti oder Adelsexperte im Frühstücksfernsehen.
Denn es war ja nicht alles geklaut, was der Mann schreibt und redet. Der letzte Satz des Herrn Freiherrn als Minister: “Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht”, kaum gesprochen, schon Legende,  könnte durchaus eine Eigenleistung sein. Ganz so stark wie „Ein kleiner Schritt für mich..“ ist der zwar nicht, aber anders als in vielen Foren verbreitet, sagt Kaptain Kirk in Star Trek II nicht denselben Satz, sondern: “Ich kämpfe bis zum bitteren Ende!” Auch ein Freiherr kann mal einen originären Satz verfassen. Vielleicht hat der Rücktritt wegen der Copyright-Frage so lange auf sich warten lassen. Es gibt viele Star-Trek-Filme…

Herr Doktor Freiherr und die Glaubwürdigkeit

Februar 18, 2011

Unsere tollen Minister! Mit wenigen Ausnahmen könnten die mir Samstags auf dem Markt begegnen, und ich würde sie nicht erkennen. Mutti Merkel, die kennen alle, sogar ich. Und den Westerwelle auch, wenngleich viele nicht wissen, was der für ein Minister ist. Schäuble ist auch Minister. Von dem weiss man, der will, wenn er nicht mal wieder krank ist, immer nur sparen und Geld vom Bürger kassieren, weshalb viele denken, er sei Finanzminister, und Westerwelle der Innenminister. Wen gibt s noch? Im Frühstücksfernsehen sitzt jeden Tag Onkel Brüderle und redet über alles mögliche. Netter Onkel, unser Frühstücksminister. Mehr fallen mir spontan gar nicht ein. Halt: Von der Leiden, nach kurzem Nachdenken, ist auch Minister. Den anderen Job hat ja damals der Wulff gekriegt. Tante Harz 4, die jedes Mal wenn das Fernsehen sie zeigt, mit unerträglicher Micky-Maus-Stimme diesen einen Satz sagt, dass nämlich die Kinder auf die Gutscheine, und sonstige Reformen warten, die sie selber seit Monaten blockiert.
Aber die bisher einzige Lichtgestalt in diesem Hühnerhaufen war der Herr Freiherr. Doktor Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg. Den habe ich anfangs auf Fotos immer mit Lothar Matthäus verwechselt, aber nur anfangs. Aber nicht nur daran, dass die Frau an seiner Seite immer dieselbe war, sondern an seiner Arbeit merkte ich den Unterschied schnell. Der machte seinen Job recht gut. Und hatte einen großen Vorteil gegenüber so Schmierlappen wie unserem Mehrzweck-Minister Westerwelle: Er schien ehrlich und immun gegen Korruption. Von Haus aus Kohle genug, trotzdem anständig geblieben. Der nette Freiherr von Nebenan. Niemand, der für ein paar Möwenpick-Millionen ein neues Gesetz verkaufen würde. Gut zu seinen Jungs; schon damals als Wirtschaftsminister, genau wie heute als Bundeswehr-Minister.
Da ich schon sehr politikverdrossen bin und bei Wahlen seit Jahren aus Protest ungültige Stimmzettel abgebe, hätte mich so jemand vielleicht retten können, und wieder einen guten Wähler aus mir machen können.

Erreicht hat er genau das Gegenteil. Bei der nächsten Wahl werde ich mir sogar das mit dem ungültigen Stimmzettel sparen und mich nur noch ärgern, wenn die Lindenstaße durch dies Wahl-Geblubber unterbrochen wird.
In der westlichen Welt nimmt man es mit dem Urheberrecht sehr genau. zumindest was die kleinen Leute angeht. Musikstück, Hörbuch oder Video illegal runtergeladen? Sofort steht ein Abmahn-Fritze auf der Matte und will dafür Kohle. Für sich, nicht für den Urheber, selbstverständlich. Auf der Homepage ein Bild, welches nicht ausdrücklich freigegeben und mit Quelle versehen ist? Verstoß gegen das Urheberrecht, wieder 2000 €  an die Anwaltsmafia fällig. Schul- oder Haus oder Doktorarbeit per Copy + Paste? Durchgefallen. Und zwar endgültig. Laut allen Promotionsordnungen, die ich kenne, gibt es keine zweite Chance.
Das mit dem Urheberreht gilt aber nicht für den feinen Freiherren. 78 Stellen seiner Doktorarbeit bestehen aus nicht gekennzeichneten Copy + Paste Inhalten. Und was sagt er dazu: „Entschuldigung. Ich les mir das nochmal durch. Bis ich das bezahlt; sorry: geklärt habe, bin ich für Euch nur „Herr Freiherr“, und nicht mehr „Herr Doktor Freiherr“.

Wer (wie ich) selber die Tretmühle Promotion mitgemacht hat, d. h. 3 Jahre eine 70-Stunden-Woche bei schlechtester Bezahlung und ohne Urlaub, dann Zusammenschreiben auf Kosten des Arbeitsamtes, der freut sich über jeden, der beim Bescheissen auffliegt. Und – die Tatsache, dass der „Herr Freiherr“ alles abstreitet, was andere Leser dieses Werkes klar belegen, zeugt doch wohl davon, dass er seine eigene Doktorarbeit nicht besonders gut kennt. Wer liest auch schon gerne 400 Seiten Juristerei, und prüft auch noch nach, was die Autoren da zitieren? Soldatenpost ist doch viel spannender.

Was diese Promotion wohl gekostet hat? Und ob die Autoren Garantie darauf gegeben haben? Mich jedenfalls würde es nicht mehr wundern, wenn auch der „Freiherr“ nur gekauft oder geklaut ist, oder er die Frauen in Wahrheit genau so schnell wechselt wie sein Doppelgänger Lothar. Die Glaubwürdigkeit der letzten Lichtgestalt ist endgültig hin. Eben doch genau so ein Schmierlappen wie der Rest dieser „Bundesregierung“. Wie konnte ich bloss auf diesen Typen reinfallen?