Posts Tagged ‘auswärtssieg’

Relegation – God praise the Lord!

Mai 15, 2011

Das war ja wieder mal eine typische VFL-Saison. In den letzten 12 Jahren hat es sich immer am letzten Spieltag, bzw. seit Einführung der Relegation, auch später, entschieden, in welcher Liga gespielt wird. Für den Spielausgang in Ingolstadt hatten nur Wenige die Motivation, da noch hin zu fahren. Schlechte Aura, Aberglaube, Hoffnungslosigkeit. Nur knapp 1500 VFLler nahmen die 700 kM mit PKW oder Bus + Bier auf sich. Immerhin, die wurden direkt mit einem Sieg belohnt. Aber was gab es für Alternativen? Wirklich nur das Maidorf oder den Rosenhof zum Fernseh gucken? Nein. Wer wirklich an den VFL glaubt, nimmt Frau + Kinder, und geht mal wieder in die Kirche, um für einen Auswärtssieg zu beten.
Sehr cool. Und was ja das Tollste ist: es hat funktioniert. Und ist fast wie im Stadion. Volles Haus, wenn der VFL spielt. Es gibt zwar nur Oblaten statt Bratwurst, der Unparteiische pfeift nicht, sondern singt, die Assistenten sind schnieke Messdiener- und rinnen, es gibt konservativ gekleidete Lehrerinnen anstelle von hässlichen, rüpeligen Ordnungskräften, Glocken silberhell anstatt „You´ll never walk alone“ vor dem „Anpfiff“, und die Fangesänge sind auch anders. Was aber wohl am schwersten fällt, keine Pinkelpause nach 45 Minuten.
Und sparsamer ist der Kirchenbesuch auch. Pro Kopf 1 €uro in den Klingelbeutel, ansonsten Eintritt frei. Und Getränkekosten fallen ganz weg, dafür darf man einem alten Herren im Röckchen beim Wein trinken zusehen. Ist auch viel gesünder. Zm Abschluss gibt es Teelichter anstatt Bengalos, und schwupps – der Sieg ist unter Dach und Fach.
Nur so halten wir die Liga!

Elfmeter, Elfmeter

April 1, 2011

Mit Allem ist zu spaßen, aber nicht mit unserem VFL und seiner Auswärtsschwäche. Das Sechs-Punkte-Spiel in Karlsruhe, und die tölpelige Abwehr. Nur nicht früh in Rückstand geraten. Also, stream suchen, Chat und Liveticker an, los gehts; leider bevor ich einen stream finde. Und dann das im Noz-Ticker:

Elfmeter in der ersten Minute. Ich ging aus dem Zimmer zur Bierkiste, und seuftze  laut. Das der reingeht, ist klar.
„Was gibts Neues“, fragt meine Frau.
„Der VFL liegt zurück“ antworte ich.
„Aber das ist doch nichts neues“ war die tröstende Antwort.

Die Bilanz im Forum: 4 Tote. Zweimal Herzinfakt, 1 Hirnschlag, 1 Nutzer wegen Schreiens von seinem Nachbarn erschossen. In den Straßen der Stadt rasen die Notarztwagen los.

Ich bin seit drölfzig Jahren nicht mehr auf einen Aprilscherz reingefallen. Kompliment, NOZ. Der war richtig gut. Trocken, präzise, gutes timing. Der tödliche (S)pass.

Aber warum fielen so viele Leute drauf rein, bzw. sogar zum Opfer?

Ganz einfach, dieses Scenario war einfach zu real. In 12 von 27 Spielen fielen frühe Gegentore, ehe sich der VFL endlich aufraffte. Mal mit, meist ohne Errfolg. Es wurde beim DFB sogar beantragt, jedes Spiel beim Stande von 0:1 beginnen zu dürfen, damit unsere Spieler „von Anfang an“ ganz auf dem Platz stehen. Und tatsächlich:

Diesmal wars echt.

Hallo Reporter: Super-GAU im Fussball!

Januar 30, 2011

Die Woche vom 24. bis 30. ist fest geplant in der Sport-Redaktion eines regionalen Medienanbieters. Die Schichten wurden festgelegt, der Urlaub der Chef-reporter wurde auch bewilligt, denn: Der Leithengst, der VFL, ist so berechenbar und vorhersehbar geworden in seinen Bemühungen, in Liga 2 zu bleiben, wie der Wallach „Kleiner Onkel“ aus Pipi Langstrumpf. Bwin und andere Propheten sagen 8:00 gegen einen VFL-Sieg voraus, also, Volontair, nutze die Woche um Argumente für die langsame Demission des Trainers (Herr Baumann) zu finden. Und Tschüss. Alfons und Harald sind weg. Volontair Kevin nutzt also die Woche, und schleicht jeden Trainingstag am Tainingsplatz rum, um schlechte Stimmung einzufangen. Kevin befragt Spieler, die sich per Taxi anliefern lassen, unfreiwillige Reservespieler, die Rentner am Platzrand, und baut eine hübsche, gut recherchierte „Baumann–nichts geht mehr-Story daraus. Er spricht baumann auch ein paar mal direkt an: „Ey, Rücktritt noch in Aue oder was geht sonst Alter?“ Das dauert schon mal bis Donnerstag, grad mit dem Aufschreiben von alldem. Und dann steht Kevin da, am Donnerstag Abend, in den Dieselschwaden des Mannschaftsbusses, der in das schöne Erzgebirge abrauscht, kriegt sein Foto gemacht, und das letzte unzufriedene Interview im Kasten und denkt ans Wochenende, welches für ihn quasi jetzt beginnt.  Well done, Kevin.
Freitag abend noch mal eben der unvermeidlichen Niederlage lauschen, na ja, der Boss zahlts ja. Bis zur 88. Minute passt der in der Woche ausgearbeitete Bericht ja auch. Aue immer gut für ein Tor in den letzten 5 Minuten, und zwar nach Standarts. Kevin nickt ein. Und wird durch den Reporter prompt geweckt: Tor in der Nachspielzeit nach Standart-Situation (Kevin nickt zufrieden) .. für den VFL.
Das Spiel endet tatsächlich 0:1.
Kevin ist jetzt in Panik. Der Bericht über den anstehenden Rausschmiss von Baumann – gegessen. Unzufriedene Spieler, speziell der unzufriedene Joker Schmidt? Also alle unzufriedenen Passagen raus. Alle Anti-Baumann-Passagen raus. Alle Trainer-Wechsel-Passagen raus. Es bleiben 5 Worte vom Text über. Kevin hyperventiliert.  Und die Serie? Auswärts nie gewonnen? Gut, da findet sich doch schnell was im Internetz. Tippa Tappa Kicker.  Letzter Auswärtssieg in Liga 2 war vor über zwei Jahren: Top Titel gefunden. Kevin stöhnt erleichtert. Die Schlagzeile lautet also: „Die Lila-Weißen feiern nach 638 Tagen das Ende des Auswärtsfluchs.“ Und Kevin betrinkt sich dann. Der Text wird von seiner abstinenten, vegetarischen  Freundin, die das ganze verfolgt hat, noch am selben Abend auf Harmlos umgeschrieben.
Schade eigentlich, dass weder Kevin noch seine vegetarische Freundin damals in Burghausen dabei waren, als der VFL nach einem Auswärtssieg aufstieg. First time, first love. What a feeling is this, electricity grows…  Geschweige denn bei der Meisterfeier. Das war Dritte Liga, aber da gab es in 365 Tagen immerhin 5 Auswärts-Siege.
Alle 73 Tage einen. Im Schnitt.
Egal, Kevin, wenn Harald und Alfons wieder da sind, bist du es wahrscheinlich nicht mehr. Seriöser Journalismus darf extrem sachlich und emotionslos sein (A. Badtke) oder auch mal emotional und enthüllend (H.Pistorius), aber die Fakten müssen schon stimmen. Zumindest soweit, wie ein Kicker-Online-Anklicker wie ich das nachvollziehen kann.