Archive for September 2012

Geniesse das Leben in vollen Zügen…

September 26, 2012

sofern denn überhaupt mal ein Zug fährt. Und man damit dem eigentlichen Reiseziel näher kommen kann. Zumindest ein klein wenig. Elli, eine alte Freundin von mir wollte sich eigentlich unser Auto leihen, um damit zu Bekannten nach Göttingen zu fahren. Aber angesichts der momentanen Sprit-Preise (und, mit meiner Erinnerung an deren Fahrkünste), einem kleinen Hinweis auf den technischen Zustand der Bremsen, der Lenkung, der nicht bezahlten Versicherung und der daraus resultierenden möglichen Teilnahme an den Paralympics 2016 (Elli ist extrem sportlich veranlagt) sah sie ein, dass die Bahn eine gesunde, ruhige und stressfreie Alternative ist.
Zumindest in der Theorie. Diese besagt, dass man sich zuerst mal online über den Reiseweg informiert. In Reiseplan steht genau, wann welcher Reisezug wo abfährt und wo ankommt, speziell auf welchem Gleis, und an welches Gleis man für die Weiterreise (falls denn ein Umsteigen überhaupt nötig sein sollte) sein sollte, um die Weiterfahrt zum Zielort entspannt zu geniessen.
Noch kurz zur Vorgeschichte: Ich bin immer gerne mit der Bahn gefahren, wenn es zu geschäftlichen Terminen ging. Aber das ist das ICE-Zeitalter.
Anders bei Elli. Elli hat damals, ca. 1990, im Ruhrpott studiert, und fuhr eigentlich mit ihrem damaligen Freund zusammen mit dem Auto am Wochenende zurück ins heimische Emsland.  Bis dann der damalige Freund einen geschäftlichen Termin am Wochenende nach dem anderen hatte, und Klein-Elli mit der Bundesbahn reisen musste. Hübsch, 18 Jahre alt, dickes Gepäck (die Wäsche von 2 Wochen), zwischen betrunkenen Soldaten und betrunkenen Fussball-Fans eingekesselt auf dem Flur der nach Karbol stinkenden, vergammelten Züge aus der Ex-DDR. Gottseidank, dass es damals noch keine Handys und den sinnleeren  „Hallo Schatz- ja, der Empfang ist jetzt auch bei mir besonders schlecht“-Terror gab. Müßig zu erwähnen, was es wirklich mit den „geschäftlichen Wochenend-Terminen“ auf sich hatte. Psychologisch ausgedrückt wurde die Bundesbahn zu einen Synonym für Erniedrigung, Verlassen werden und Dreckwäsche ins Emsland bringen.

Extremer Bahn-Vorschaden also. Aber das ist 20 Jahre her, die DDR-Wagons steht im Museum, aber Elli hatte sich in all der Zeit konsequent geweigert, die Bahn zu benutzen, und immer einen leihwilligen Autobesitzer gefunden. Bis heute. Wir planen die Fahrt am Computer.  ganz einfach – aber mit dem Niedersachsen-Ticket muss man leider doch zweimal umsteigen. Ein Ticket online kaufen geht leider auch nicht, der Bahn-Server ist heute nicht erreichbar.
Egal, das spart ja auch nichts, und am Bahnhof gibt es freie Parkplätze, und der Fahrschein-Automat rückt das Niedersachsen-Ticket auch fast wiederstandslos heraus. Also ab an Gleis 11, wo ein moderner, schicker Zug schon bereit steht. Wir lassen uns Zeit, verabschieden uns, Elli will einsteigen, da tritt ein Mann in Uniform dazwischen und sagt: „Dieser Zug endet hier. Bitte nicht einsteigen“. Und zeigt auf ein Schriftzug am Fenster, auf dem tatsächlich auch steht: „Dieser Zug endet hier. Bitte nicht einsteigen“ Aber ich muss doch hier einsteigen, um nach Göttingen zu kommen? Der Mann zeigt nach oben, wo genau jetzt die Lautsprecher-Stimme sagt: „Achtung – der Regional-Express Nummer sowieso fährt heute von Gleis 12 ab“.  Und gleich danach: Reginalexpress Nummer dingsda. Bitte einsteigen und Türen schliessen – der Zug fährt jetzt ab“.  Elli sucht immer noch verzweifelt den Zettel, auf dem die Nummer stehen muss, die der Regionalexpress haben soll, der nach Göttingen fährt. Ich schubse sie in den Zug an Gleis 12, der jetzt los fährt, und hoffe, dass das eine gute Entscheidung war.

Den Rest der Reise habe ich zuerst per SMS, dann per mail, bzw. nachträglich durch Dritte erfahren.  Denn wegen meines Tipps“fahr doch mal Bahn anstatt Auto und verschone deine Umwelt“ bin ich für Elli jetzt definitiv „Persona non Grata“ Denn so ging das ganze weiter:

Bünde: erster planmäßiger Umstieg – erstes Problem mit dem Plan. Durchsage des Service-teams genau zwei Minuten vor der planmäßigen Ankunft des Zuges: „Die planmäßige Ankunft des Zuges entfällt wegen eines Triebwerkfehlers der Lokomtive“.
Ende. Es folgen keine weiteren Durchsagen. Die Wartenden beraten sich. Es gibt Tipps wie früher bei den Pfadfindern. Erst mal mit einem Zug weiter nach Herford. Oder erst mal mit einem Zug weiter nach Bielefeld. Zurück nach Osnabrück? Oder doch nach Bad Önhausen – da halten manchmal sogar auch die ICE. Den Bahn-Service befragen? Guter Plan, aber der nächste Service-Point steht wahrscheinlich in Bielefeld oder Paderborn oder in Gamisch-Patenkirchen, jedenfalls nicht in Bünde. Trotzdem war das alles graue Theorie – plötzlich traf ein Zug ein und nahm alle Reisenden auf (d. h. alle, die eben noch debattierten, stiegen ruck.zuck ein) , und es stellte sich raus, der Zug fährt planmäßig nach – Herford. Und es gibt einen Schaffner in dem Zug. Elli fragt ihn nach dem Weg nach Göttingen. Der Schaffner grübelt eine ganze Weile und hat dann – möglicherweise, wie er selber sagte, möglicherweise nur – einen Zug im Kopf, der über Kassel fährt (Elli sieht die A33 und die A46 vor Augen, und wie sehr sie sich mit dem Auto immer über diesen riesigen Umweg über Kassel geärgert hat). Aber auf jeden Fall – der Schaffner ist sich fast sicher – in Herford aussteigen und dann umsteigen. Beides wahnsinnig gute Tipps, denn der Zug endet zwar in Herford, die Reise aber nicht.
Er will sich aber weiter erkundigen („dafür haben wir doch dies dings..“) und kommt nach 5 Minuten mit einem elektronischen Gerät („dings“) in der Hand wieder, das einem online die besten Reiseverbindungen raussucht. Tolles Ding das, sagt er, nur sei es seinem Kollegen bei dem letzten unplanmäßigen Stopp runtergefallen und seitdem irgendwie kaputt.  Das täte ihm sehr leid. aber sein Kollege (der das hatte fallen lassen) meint auch, erst mal in Herford aussteigen und am Service Point fragen.

(…)Zu Teil 2

Dr. med. Gremlin

September 6, 2012

Ein Bekannter von mir, der für einen Paketdienst in einer anderen Stadt Pakete ausliefert, hat sich letztens eine ganz dumme Abmahnung wegen eines Rechtschreibfehlers eingehandelt. Es gibt in dieser Stadt einen berühmten Arzt mit einem speziellen Fachgebiet, eine echte Konifere seines Fachgebietes, der heisst Peltier; Dr. Peltier, bzw. Herr Doktor Peltier um exakt zu sein. In manchen Kreisen ist die Promotion – sei sie echt oder nur Guttenberg- und deren permanente, ausdrückliche Aussprechungen („Herr Doktor“) im Alltag essentieller Bestandteil des täglichen Lebens. Ausgesprochen wird der Name natürlich frankophon, also ähnlich wie „peltiäeh“; wobei das H am Ende von Dr. Peltier nur sanft gehaucht wird.
Anyhow, in der Hitze des Sommermorgens lässt die Sehkraft gerne etwas nach, und man wird schreibfaul, und so wurde bei dem besagten Bekannten razfaz aus dem Dr. Peltier der Herr Pelztier. Ein Z zuviel – und  zwei fatale Fehler auf einen Streich. Nummer eins: Ohne den Doktortitel fühlt sich der Paketempfänger ohnehin nicht angesprochen, aber die Frage in der Praxis an die Helferinnen, wer denn das Paket für Herrn Pelz-Tier annehmen könnte, löste erst mal Ungläubigkeit aus. „Sind Sie sicher, dass das hier richig ist? Wir sind immerhin eine anerkannte Praxis für … Was sollen wir mit einem Pelz-Tier?“ Ein Blick auf die Sendung allerdings, und etwas „Hä?“ löste das Problem – und die Spannung: „Pelztier..“ Prust – laut loslach. „Ist das wegen dem …“ . Das laute (angeblich gackernde) Lachen der Arzthelferinnen rief nun aber den Herrn Dr. Peltier persönlich auf den Plan.

Kurz zusammengefasst: er empfand diesen Verlust an Autorität als gar nicht komisch, witterte lautstark „Unrat“ und erwirkte für den armen Zusteller eine Abmahnung wegen „mangelhafter Lese-und Schreibkenntnisse“. Was aus den gackernden Praxis-Helferinnen wurde, ist nicht überliefert.

Kuschelig, gelle? Its a dirty Job, but someone must do it.

(Namensvettern von Dr. Peltier, die sich zu unrecht angesprochen fühlen, sind ausdrücklich nicht gemeint)

Kabbel Part III

September 6, 2012

Die Fortsetzung von Part2, welches widerum nur eine Fortsetzung von Part 1 war.
Donnerstag, 8 Uhr, dritter Urlaubstag. Kurzfassung: Es passiert wieder viel an dem tag, ich erhalte ein paar Reklame-Anrufe, trinke meinen Kaffee schwarz, da ich mich nicht traue, eben um die Ecke Milch zu kaufen – vergebliches Opfer. Gegen 14 uhr fange ich an, die Firma Steinbrecher anzurufen, mit dem bekannten Ergebnis: Niemand da.
Ab 15 Uhr – inzwischen stocksauer –  rufe ich Kabel Deutschland selber an und versuche, jemand anderes als die Call-Center-Mädels ans Rohr zu kriegen. Erfolglos. Es gibt den Tipp, die Störstelle anzurufen. Das tue ich, und gelange sogar endlich in die Reklamationsabteilung. Ein Call-Center-Mensch nimmt mein Anliegen entgegen und sagt, die Kabels selber werden schnellstmöglich zurückrufen.
Das hat fast eine Stunde gedauert – ich warte eine Weitere, es ruft niemand zurück. Kurz vor 5 rufe ich die Reklamationsabteilung nochmal an, und frage nach dem Rückruf. Antwort: Schnellstmöglich bedeutet Frühestens nach 24 Stunden, eher aber nach 48.  Ich sage der Dame, dass ich soviel Zeit nich abe, und lieber kündige als solange zu warten. Antwort: gerne doch, aber kündigen kann ich nur schriftlich.
Und das tue ich denn auch. Ich jogge zum Bahnhof, und das Einschreiben geht grade noch raus.
Freitag morgen klingelt denn auch sofort das Telefon. Firma Cornelius – die Montöre hätten nicht gewusst, dass die ein Kabel in den dritten Stock legen müssen, und wären deshalb nicht gekommen. Ob es Ende nächster Woche bei mir passt – vorher wäre alles dicht – so terminlich, alles dringende Fälle… Sie redet, ich hingegen bin irgendwie unfähig, irgendwas zu sagen. Ich muss ja auch an meinen Blutdruck denken, also sage ich ein paar mal ä und dann lege ich auf und esse eine Handvoll Baldriantabletten zum immer noch schwarzen Kaffee.   Kluge Tat, denn zwei Minuten später ruft Kabel Deutschland selber an. Sie hätten meine Kündigung erhalten, aber die Kündigungsfrist wäre leider abgelaufen. Und die Firma Cornelius hätte gemeldet, dass die schon dreimal da waren und niemanden angetroffen hätten. Baldrian sei Dank – ich schildere dem Kabelmenschen, wie es wirklich war, und weise darauf hin, dass heute gerne einen vierten Urlaubstag nehme, um direkt zu meinem Anwalt zu gehen.
„Ich solle mal nichts unüberlegtes tun, wir melden uns“. Soweit, sogut.  Bleibt noch eine weitere offene Frage: Wieso telefoniere ich eigentlich immer noch? T-Online ist doch seit fast 1 Woche gekündigt? Ich rufe den Service an, und eine andere Oma wundert sich mit mir. „Die haben die Kündigung gar nicht weiter gegeben“.  Sehr gut, denn das will ich jetzt auch gar nicht mehr. Wir verhandeln etwas über ein neues, günstigeres Angebot, welches ich durch das Weglassen von einigen „Gratisleistungen“ auf 25,90 drücken kann. Und den Gutschein für einen Kugelschreiber in hochwertigem Design.
Das Ende der Geschichte: Dienstag schreibt Kabel Deutschland, dass aus Kulanzgründen der Vertrag aufgelöst wird. Einmal pro Woche erhalte ich aber Post von denen. Und den Kugelschreiber von T-online muss ich auch noch abholen…

Stolpersteine vor unserer Tür

September 1, 2012

Stolpersteine vor unserer Tür.