Archive for Mai 2012

Miese Jobs…

Mai 13, 2012

Its a dirty job, but someone must do it..
wir jammern ja mitunter rum, dass uns die alltägliche Arbeit nicht in dem Maße fordert, wie wir uns das wünschen. Die Höhepunkte fehlen, und wir fühlen uns entweder überfordert oder nicht ausreichend gefordert, Platz zum Jammern auf hohem Niveau ist immer genug da.  Ich habe letzte Woche allerdings eine Geschichte gehört, was „jammern auf höchstem Niveau“ angeht, die finde ich bemerkenswert.
Mateusz, ein neuer, von mir sehr geschätzter Mitarbeiter unseres Bürogebäudes, erzählte, warum er bei seiner vorigen Firma (einer Großbäckerei) schlagartig gekündigt hat. In der Großbäckerei war er in der Nachtschicht tätig, und im Wesentlichen für die Kontrolle der Steuerung der Herstellung von Rosinenbrötchen zuständig. Es gibt automatische Schieber, die die Mehlzufuhr regeln, die Butterzufuhr, die Zuckerzufuhr, Backpulver, und natürlich auch den Rosinenanteil. Automatische Knetwerke formen daraus den Teig, der dann in die Portioniermaschine fährt, zu Proto-Brötchen geformt wird, und dann abgebacken wird, um  endgültig in eine handelsfähige Form zu gelangen. Soweit, sogut. Mehl, Butter, Zucker und Rosinen werden natürlich nicht per hand aus Tüten zugegeben, sondern per Tanklaster angeliefert und in Hochsilos gepumpt, und von da aus automatisch über Rohrleitungen in die Backmischungen dosiert. Bis dann eines Abends der automatische Schieber für die Rosinenzufuhr defekt wurde. Der Back-Computer fordert 50 kg Rosinen für Rosinenbrötchen an, aber der Schieber öffnet nicht. Ein Samstag abend, natürlich…  Der Service-Techniker muss her, aber Samstag abend – was das wieder kostet…
Der Schieber befindet sich in etwa 10 Meter Höhe, und es muss also jemand rauf, um den mechanisch zu öffnen, jedesmal, wenn der Backcomputer 50 kg Rosinen für eine neue Rosinenbrötchen-Mischung anfordert. Also wurde Mateusz auf einen Stapel von 20 Euro-Paletten gelegt (um hoch genug ranzukommen; 10 Meter, so hoch reicht ja kein Stapler und keine Leiter), auf dem Palettenstapel festgebunden bis auf den rechten Arm, damit er nicht runterfällt, und wenn das kleine gelbe Licht neben dem kaputten Schieber angeht ( alle 20 Minuten etwa), Schieber rausziehen, und wenn das gelbe Lichtlein wieder aus geht, Schieber zu. Das war die Samstag-auf Sonntag-Nacht-Schicht. Und Sonntag abend kam der Lagermeister mit einem Strick in der Hand und den Worten:“ Der Techniker kommt leider erst nächsten Mittwoch“ auf ihn zu….