Hängt Sie höher!

Es muss wieder mal eine Wahl anstehen. In unserem beschaulichen Städtchen fahren ganze PKW-Kolonnen, bestehend aus Öko-Polos und Akku-Arvensis, dicken Merzedessen und rostigen Twingos rum, und halten in Kolonnenform an den unmöglichsten Stellen an. Meist auf dem Radweg. Mit Warnblinke zumindest, sofern die es denn noch tut. Dicke Lehrerinnen entsteigen diesen Personenkraftwagen, entladen niedliche Hornbach-Trittleiterchen, und krabbeln hoch, um an gewissen Bäumen, Ampelmasten und allem anderen, was geeignet aussieht, Plakate aufzuhängen. Und sich nach dem erfolgten Hängen mit der neusten Aldi-Digicam dann vor dem frischen Plakat von dem einzigen Mann, der aussieht wie ein Musiklehrer, mehrfach knipsen zu lassen. Cheese – FLASH. Manchmal ist der Musiklehrer auch auf dem Plakat dahinter zu erkennen.
Es handelt sich offensichtlich nicht um Models, die für solche lokalen Highlights wie den Entdeckertipps für den Westerkappelner Fahrradbus ,

(da scheint es außer Fahrrädern auch Kaffee und einiges mehr zum Entdecken zu geben), Tragödien wie „Nachtbus N10 von Osnabrück nach Mettingen seit 10 Jahren unterwegs“ (mit der Ankunft wird 2012 gerechnet), oder den Bramscher Teckelklub, der zur Zuchtschau einläd,  posieren. Gemäß der lokalen Monopol-Presse sind das die highlights, die unsere Stadt bewegen, oder zu bewegen haben.
Trotzdem falsch geraten, was die Intention dieser Leute mit den Autos mit der Warnblinkanlage und der Trittleiter auf den Radwegen angeht. Denn: In 6 Wochen sind Wahlen. Nur Lokalwahlen, Kommunalwahlen genannt, also keine TV-Highlights a la „Wird Obama doch noch Geld kriegen um die Usa liquide zu halten“. Sondern nur so ein Kleinkram, der nur uns hier vor Ort was angeht.  Teckel hin, Fahradbus her. Gewisse Probleme, die eine politische Lösung verlangen, gibt es schon. Umweltzone? Kasernengelände? Industrieansiedlungen im Kasernengelände? Kita-Plätze? Neumarkttunnel? Straßenbau? Neue Wohn- oder Gewerbegebiete ausweisen? Zimmersteuer? Kredite oder Bürgschaften für den VFL? Und einiges Mehr, da ist sich der Rat (CDU/FDP) weiss Gott nicht einig. Und mit dem frei gewählten OB Boris Pistorius (SPD) erst recht nicht. Sein Bruder Harald schreibt bis zur Selbstaufgabe für den VFL, das muss reichen, um Boris populär zu halten. Obwohl der VFL sowieso kein Geld von der Stadt kriegt. Kicker, Bild und Spiegel schreiben, toll, dass Wiesbaden, Sandhausen, Braunschweig oder Darmstadt dank der kommunalen Kreditgeber im Fussball Reklame für die Städte machen; Boris Pistorius (SPD) sagt: Wir haben kein Geld für den VFL, der steigt sowieso auf . Oder ab. Und damit hat er zwar jedes mal recht, aber außer dem VFL kennt bundesweit niemand irgendwas von Osnabrück (wer weiß schon, daß Reno-Schuhe oder Schlecker von hier sind?), und berichtet deshalb auch nicht über Osnabrück.

Was hängen die übergewichtigen Lehrerinnen aus den Öko-Autos denn nun an die Bäume und Ampelmasten, um den Kommunalen Wahlkampf zu befeuern, und Position zu diesen Fragen zu beziehen? Antwort: Osnabrück. Gemeinsam. Stark.  Und manchmal noch was an Text in hellrot auf hellgrün, was keine Sau lesen kann. Und, fast als wenn es peinlich wäre, ganz klein unten SPD Osnabrück.
Ist diese Dummbatzigkeit noch zu toppen? Traurige Antwort: Ja. Frage: Wie? Antwort: Komm auf die Rote Seite der Macht. Magere, verhärmte Aktivistinnen der Linkspartei haben diese Plakate vom Fahrrad aus aufgehängt. Tiefer, weil ohne Trittleiterchen. Und die wenigen Grünen, die noch nicht 100 % siegessicher sind, und die noch nicht zu sehr in „energy farming“ involved sind, sondern Zeit haben, hängen „Wir bewegen was“ auf. Mit energetisierenden Bildchen vom Windrad oder was Solarem drauf.
Merkel und deren CDU hängen vorsichtshalber erst mal gar nichts auf. Sehr cool. Diese Partei weiß, wie man Kosten minimiert. Dumme Parolen wie “ die rote Seite der Macht“, oder “ Gemeinsam. Stark“ taugen bestenfalls dazu, den Hintergrund für ein Foto mit dicken Lehrerinnen („seufz weißt du noch, damals vor der Wahl, auf der Hormbach-Trittleiter ..“)  zu geben. Echte Lokalpolitik geht anders. Die CDU 2011 denkt offensichtlich genau so praktisch wie die Bundespartei. „Wir warten auf ein Thema einer anderen Partei, das gut ankommt, übernehmen die Volksmeinung, und dann kopieren wir das einfach. Hat beim Atom doch prima funktioniert“. Vielleicht erinnert die sich auch daran, dass die lästige FDP nur deshalb im Rat sitzt, weil die bei der letzten Wahl bei den Doktorsfrauen am Westerberg satte Prozente geholt hat mit dem Plakat „Hier muss eine Ampel hin“, just an der Stelle, wo die Medizinergattinen mit ihren Geländewagen bislang jeden Sonntag morgen einen fetten Crash gebaut hatten.
DAS, liebe Leute, das  ist Lokalpolitik!! Und die FDP-Ampel steht  immer noch und funktioniert sogar meistens. Und das ist, angesichts der Tatsache, dass es sich um eine politische Entscheidung gehandelt hat, am allererstaunlichsten.

Osnastark, gemein, brücksam.

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