Herr Doktor Freiherr und die Glaubwürdigkeit

Unsere tollen Minister! Mit wenigen Ausnahmen könnten die mir Samstags auf dem Markt begegnen, und ich würde sie nicht erkennen. Mutti Merkel, die kennen alle, sogar ich. Und den Westerwelle auch, wenngleich viele nicht wissen, was der für ein Minister ist. Schäuble ist auch Minister. Von dem weiss man, der will, wenn er nicht mal wieder krank ist, immer nur sparen und Geld vom Bürger kassieren, weshalb viele denken, er sei Finanzminister, und Westerwelle der Innenminister. Wen gibt s noch? Im Frühstücksfernsehen sitzt jeden Tag Onkel Brüderle und redet über alles mögliche. Netter Onkel, unser Frühstücksminister. Mehr fallen mir spontan gar nicht ein. Halt: Von der Leiden, nach kurzem Nachdenken, ist auch Minister. Den anderen Job hat ja damals der Wulff gekriegt. Tante Harz 4, die jedes Mal wenn das Fernsehen sie zeigt, mit unerträglicher Micky-Maus-Stimme diesen einen Satz sagt, dass nämlich die Kinder auf die Gutscheine, und sonstige Reformen warten, die sie selber seit Monaten blockiert.
Aber die bisher einzige Lichtgestalt in diesem Hühnerhaufen war der Herr Freiherr. Doktor Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg. Den habe ich anfangs auf Fotos immer mit Lothar Matthäus verwechselt, aber nur anfangs. Aber nicht nur daran, dass die Frau an seiner Seite immer dieselbe war, sondern an seiner Arbeit merkte ich den Unterschied schnell. Der machte seinen Job recht gut. Und hatte einen großen Vorteil gegenüber so Schmierlappen wie unserem Mehrzweck-Minister Westerwelle: Er schien ehrlich und immun gegen Korruption. Von Haus aus Kohle genug, trotzdem anständig geblieben. Der nette Freiherr von Nebenan. Niemand, der für ein paar Möwenpick-Millionen ein neues Gesetz verkaufen würde. Gut zu seinen Jungs; schon damals als Wirtschaftsminister, genau wie heute als Bundeswehr-Minister.
Da ich schon sehr politikverdrossen bin und bei Wahlen seit Jahren aus Protest ungültige Stimmzettel abgebe, hätte mich so jemand vielleicht retten können, und wieder einen guten Wähler aus mir machen können.

Erreicht hat er genau das Gegenteil. Bei der nächsten Wahl werde ich mir sogar das mit dem ungültigen Stimmzettel sparen und mich nur noch ärgern, wenn die Lindenstaße durch dies Wahl-Geblubber unterbrochen wird.
In der westlichen Welt nimmt man es mit dem Urheberrecht sehr genau. zumindest was die kleinen Leute angeht. Musikstück, Hörbuch oder Video illegal runtergeladen? Sofort steht ein Abmahn-Fritze auf der Matte und will dafür Kohle. Für sich, nicht für den Urheber, selbstverständlich. Auf der Homepage ein Bild, welches nicht ausdrücklich freigegeben und mit Quelle versehen ist? Verstoß gegen das Urheberrecht, wieder 2000 €  an die Anwaltsmafia fällig. Schul- oder Haus oder Doktorarbeit per Copy + Paste? Durchgefallen. Und zwar endgültig. Laut allen Promotionsordnungen, die ich kenne, gibt es keine zweite Chance.
Das mit dem Urheberreht gilt aber nicht für den feinen Freiherren. 78 Stellen seiner Doktorarbeit bestehen aus nicht gekennzeichneten Copy + Paste Inhalten. Und was sagt er dazu: „Entschuldigung. Ich les mir das nochmal durch. Bis ich das bezahlt; sorry: geklärt habe, bin ich für Euch nur „Herr Freiherr“, und nicht mehr „Herr Doktor Freiherr“.

Wer (wie ich) selber die Tretmühle Promotion mitgemacht hat, d. h. 3 Jahre eine 70-Stunden-Woche bei schlechtester Bezahlung und ohne Urlaub, dann Zusammenschreiben auf Kosten des Arbeitsamtes, der freut sich über jeden, der beim Bescheissen auffliegt. Und – die Tatsache, dass der „Herr Freiherr“ alles abstreitet, was andere Leser dieses Werkes klar belegen, zeugt doch wohl davon, dass er seine eigene Doktorarbeit nicht besonders gut kennt. Wer liest auch schon gerne 400 Seiten Juristerei, und prüft auch noch nach, was die Autoren da zitieren? Soldatenpost ist doch viel spannender.

Was diese Promotion wohl gekostet hat? Und ob die Autoren Garantie darauf gegeben haben? Mich jedenfalls würde es nicht mehr wundern, wenn auch der „Freiherr“ nur gekauft oder geklaut ist, oder er die Frauen in Wahrheit genau so schnell wechselt wie sein Doppelgänger Lothar. Die Glaubwürdigkeit der letzten Lichtgestalt ist endgültig hin. Eben doch genau so ein Schmierlappen wie der Rest dieser „Bundesregierung“. Wie konnte ich bloss auf diesen Typen reinfallen?

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10 Antworten to “Herr Doktor Freiherr und die Glaubwürdigkeit”

  1. das u Says:

    Gar nicht mehr wählen? Wie wärs mit Piraten – da sind einige Lichtgestalten im Anmarsch. Ausserdem Shitstorm gehärtet und durch und durch transparent 🙂

  2. das u Says:

    ach ja und unter http://www.danisch.de/blog/2011/02/17/ist-die-zu-guttenberg-plagiatsaffare-ein-kanzlerkandidaten-mord/ findest sich auch eine seehr spannende Sichtweise zum Sachverhalt.
    Liebe Grüße
    das u

  3. ebook Says:

    Wie weit ist es denn nur gekommen, da sterben deutsche Soldaten am Hindukusch und in Presse wird trotzdem an erster Stelle die Doktor Arbeit von Guttenberg besprochen und zerlegt. Warum wird nicht die gleiche Mühe darauf verwendet endlich eine Exit Strategie unserer Soldaten vom Hindukusch einzufordern. Das ist doch hundert Mal wichtiger. Wie oberflächlich ist denn unser Land nur geworden? Das ist mir vollkommen unverständlich.

  4. Schäfer Says:

    Aus politischer Überzeugung nicht oder ungültig zu wählen, ist in etwa das gleiche, wie im Restaurant aus Protest über die schlechte Menüauswahl aus der Toilette zu trinken. Wer nicht (oder ungültig) wählt, wählt die Sieger und vergibt die Chance, deren Prozentzahl ein wenig zu schmälern.

    • jebac Says:

      Nich ganz korrekt. Wer nicht wählt, wählt die Mehrheit. Und sorgt dafür, dass kleine Parteien es doch noch über die 5% Hürde schaffen. Und Wahlkampfkostenerstattung kriegen. Die richtet sich ja nach den Prozent Stimmen.
      Eine ungültige Stimme wird bei der Wahlbeteiligung gezählt, aber nicht für irgendeine Partei.

  5. LesseB Says:

    Politikverdrossenheit macht sich breit. Wer wie wählt, ist seine Sache, aber ich denke, man sollte nach Alternativparteien suchen, z.B. die Piraten. Ich jedenfalls werde mich nicht mehr nur auf Gehörtes verlassen, sondern mich intensiver mit deren Inhalten beschäftigen.
    Was (Dr.) Guttenberg angeht: Ich hatte in den vergangenen Tagen nur wenig Zeit, Radio zu hören und Fern zu sehen. Da dachte ich zunächst daran, dass man auch nichts auslässt, um den Herrn Minister zu demontieren. Das geht schon seit Wochen so. Die Opposition schläft ja nicht und es drängt sich quasi auf, dass man ihn kalt stellen will.
    Aber wie jebac bin ich durch diese anstrengende Mühle einer Promotionsarbeit gegangen. Ich weiß, was das bedeutet. Die Zeit, die man dafür investieren muss, hatte er wohl nicht, sondern das Geld. Das Know-how will ich ihm nicht absprechen.
    Quintessence: Ein Minister, der sich solche Lügen erlaubt, ist bei mir „Unten durch“. Er kann nichts dafür, wenn ein Soldat seinem Kollegen aus Versehen eine Kugel in den Kopf schießt. Deshalb finde ich Rücktrittsforderungen aus diesem und anderen Vorfällen wie Geschehenes auf der Gorch Fock eklatant daneben. Aber eine „gefälschte“ Doktorarbeit ist etwas anderes.
    Nur mit Mühe habe ich während meines Studiums akzeptieren können, dass Ehrendoktortitel verliehen werden, weil man sich für etwas engagiert, bzw. Geld fließen lassen hat. Und da sind dann noch die Mediziner. Die stehen in dem Ruf, sich ihre Doktorarbeiten ebenfalls zu kaufen, um den ‚Dr. med.‘ dann stolz auf das Klingelschild gravieren zu können. Sie melden sich am Telefon privat auch nicht mit „Klein“, sondern mit „Dr. Klein“. Die Fernsehserien machen das mit den Medizinern ebenfalls so. Groß ist der, der „Dr. Klein“ heißt. Und alle sind rechtschaffen und moralisch einwandfrei.
    Die Naturwissenschaftler, Architekten, Volkskundler usw., die ebenfalls einen Doktortitel, allerdings mit Arbeit und Mühe erworben haben, haben das nicht nötig.
    Gut – ein Doktortitel ist nicht mehr das, was er früher mal war. Gleichbedeutend mit Wissen, Autorität, Rechtschaffenheit und moralischer Anständigkeit. – Dennoch – ein Doktortitel sollte nach wie vor dafür stehen, dass sich jemand eigenstandig mit einem bisher nicht erforschten Gebiet auseinandergesetzt hat, selbständig arbeiten kann und Ergebnisse produziert. Die können auch im Sinne des Forschungsprojekts negativ sein. Wer weiß das vorher schon. Für den Doktoranden ist es allemal besser, positive Ergebnisse zu erringen. Es kostet Arbeit, Nerven, Recherche, intensive Dokumentation aller Ergebnisse und am Ball bleiben. Wenn man das durchgestanden hat, ist man ein Doktor, sonst nicht.
    Und dann gibt es dazu noch Weiteres:
    Einen Doktortitel zu besitzen ist nicht gleichbedeutend mit Geld verdienen. Der Staat produziert(e) an den Universitäten reihenweise Doktoren. Haben Sie Ihren Taxifahrer schon mal gefragt, ob er ein Herr oder eine Frau Doktor ist?
    Viele Grüße
    LesseB

  6. rofl Says:

    „Was diese Promotion wohl gekostet hat? Und ob die Autoren Garantie darauf gegeben haben?“

    Und wie kann so ein Schund noch mit summa cum laude abschneiden? Fragen über Fragen …

    • jebac Says:

      Muss ein Angebot gewesen sein „all inclusive“. Sonst wären die Zitate nicht so „nach Gutsherren-Art“. Und Freiherren haben doch eh ne Cum-Laude-Automatik, wenn die der Uni anschliessend „als Sympathie-Träger“ zur Verfügung stehen.
      Trotzdem Respekt, Herr Freiherr. Donnerstag noch nicht wissen, was drin steht, am Wochenende eben durchlesen und Zitate prüfen, und Montag steht fest: „Da sind gravierende Fehler gemacht worden“ (von den Autoren). Meine Promotion ist bedeutend länger her, aber die kann ich immer noch fast auswendig.

  7. feliksdzerzhinsky Says:

    Auch wir haben das Verfahren hier mal übersichtlich dargestellt:
    Grundlagen wissenschaftlichen Zitierens

  8. And the looser is… « Jebac's Blog Says:

    […] blockiert da mindestens drei Parkplätze und kommt trotzdem nicht aus der Parklücke. Zitat: „Die promovieren, um sich ‘Dr. med.’ dann stolz auf das Klingelschild gravieren zu können. Sie m… Und solche netten, sympathischen Zeitgenossen sägen unseren Gutti ab? Den Held unserer Soldaten? […]

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