Kann es nur Eine geben?

Der Rosa Riese macht jetzt auch Ernst. In der heutigen Post liegt ein wichtig aussenender Brief von T. Online, T. Mobile, T. Lekom oder T. Lefon; ganz auseinanderhalten konnte ich die Bruchstücke des Ex-Monopolisten noch nie.
Ich öffne den Brief von Timo Beil also nervös, denn auf dem guten weißen Papier (mindestens 90 g/qm) kommen nur Mahnungen (während die normalen Rechnungen immer noch in Öko-Schmuddelgrau daher kommen).
Was habe ich wieder mal nicht bezahlt? Ich muss den Brief zweimal lesen, um zu verstehen: Das ist keine Mahnung, sondern der Hinweis auf etwas absolut ganz total Neues:  Nämlich auf E-Mails, mit denen ich nachweisen kann, dass diese echt und wirklich von mir sind. In der Kommunikation mit Banken, Behörden, Gerichten oder Anwälten beispielsweise, so Timo Beil, macht das Behördengänge „vielfach überflüssig“. De-Mail heisst das gute Stück, und wer T-Mobil oder t-online Kunde ist, weiß, dass speziell Kommunikation mit dem Anwalt und Gerichten zum Aufrechterhalt des Services dieser Anbieter einfach dazu gehört.

Ich bin ein friedfertiger Mensch, aber die einzigen beiden Male wo ich zum Anwalt gegangen bin, waren wegen T-Online bzw. Telekom-Rechnungen.
Ausserdem erinnert mich dieses Angebot fatal an etwas anderes: nämlich an E-Post. Aber anstatt des entwürdigenden Postident-Verfahrens ist es beim Rosa Riesen alles „Kostenlos und Unverbindlich“. Eine unverbindliche Mail also, die Behördengänge überflüssig macht? Toller Service!
Kein Post-Ident, das verstehe ich gut; die Postler wären ja auch schön blöd, wenn die ein Konkurrenz- bzw. Mitbewerberprodukt irgendwie unterstützen würden.  Keine 55 Cent pro Mail, unverbindlich aber dokumentenecht an den Anwalt? Warum sollte in meinem nächsten Prozess gegen T-online der Richter einem De-Mail mehr glauben, als ein freemail-mail beispielsweise? Speziell bei einer Klage gegen Timo Beil, wer würde da einem „De-Mail“ vertrauen? Antwort: jeder verfassungstreue Richter natürlich, denn das ist so Gesetz,
weil es nämlich von „höchster Stelle“ abgesegnet ist. Genau wie die Winterreifen. Im Begleitschreiben steht groß und leuchtend:

…De-mail ist eine Initiative des Bundesministers für das Innere.

Die Resonanz war durchweg positiv….

Schäube ist also also auch sauer auf E-Post. Und erlässt ein De-Mail-Gesetz, und – anders als bei Stuttgart21 oder der AKW-Laufzeit etwa- probiert das Gesetz auch gleich aus. „Durchweg Positiv“ war das Ergebniss, sagt Timo Beils Brief.
Synonyme für „durchweg“ sind lt. Internet-Thesaurus z. B.: „oft“, „mehr oder weniger“, „alles in allem“. Mit dem Attribut „mehr oder weniger“ etwa kann man die Zustimmung zu Stuttgart21 auch beschreiben. Auf das Argument, es wäre ja nur ein „Probe-Bahnhof“ warte ich noch. Winterreifen zur Probe gibts auch nicht.
Egal, ich hab mir schon mal für jeden meiner Email-Accounts so eine Adresse reserviert. Und warte mal ab, wann und wie der T. Phone-Ident denn kommen wird.

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