… die auf die Frucht fliegen

…die Fruchtfliegen!

Darum heißen die so. Wer gerne frisches Obst zu sich nimmt, wird das Problem kennen: Fruchtfliegen. Wie aus dem Nichts tauchen die Ersten schon bei der Morgenmelone auf, sobald die Melonenschale auch nur angeritzt ist. Dann die Zweite, am Biomüll finden sich nach ein oder zwei Stunden bereits  mehrere, und wenn man den dann nicht runterbringt, gibts Invasion. Nicht nur beim Biomüll; die reifende Banane, Nektarine, der zarte Pfirsich – immer dasselbe Problem. Aufbewahren im Kühlschrank, was bei Wassermelonen (und Biomüll) ohnehin problematisch ist, hilft auch nicht, denn sobald das Obst Raumtemperatur hat, gehts wieder los.

Was tun? Müsli mit Trockenobst ist keine Lösung, Leberwurststulle auf Dauer auch nicht. Die Bananen- oder Melonenschalen in den Restmüll zu werfen, löst das Problem selbstverständlich ebenfalls nicht, denn die Farbe der Tonne interessiert Drosophila herzlich wenig.
Jammern hilft auch nicht; man muss gezielt, entschlossen und aggressiv vorgehen: erst das Problem auf den Punkt bringen, Fragestellungen formulieren und dann das Problem lösen.

Und hier sind die Fragestellungen:
Frage eins: Wo kommen die Viecher so früh morgens eigentlich schon her? Verwest da eine Banane unter dem Herd oder hinter dem Küchenschrank? Nein, Zustände wie bei Lionel Messie unterm Sofa müssen gar nicht sein, damit einzelne Fruchtfliegen überleben. Lange überleben. Das ganze Tier wiegt etwa ein Milligramm. Um sich ausreichend zu ernähren, ist etwa 1/10 Milligramm Futter pro Tag nötig. Ein Körnchen Zucker oder ein Brötchenbrösel würden für drei Tiere für drei Wochen reichen. Voraussetzung ist lediglich, dass das Futter feucht genug ist. Staubtrocken findet Drosophila es entweder nicht (riecht nicht nach Futter) oder kann es nicht kauen. Aber hohe Luftfeuchte oder der Wasserdampf vom Frühstücksei reichen schon aus. Die morgentlichen Fruchtfliegen bedeuten als nicht, dass irgendwo eine  faulige Banane liegt, denn selbst winzigste Brösel reichen aus, um einige wenige Quälgeister wochenlang am Leben zu halten. Und so sauber, dass nicht mal einzelne Bananenmoleküle in der  Parkettritze liegen, ist die Küche nicht mal bei Johann Laffer im Fernsehen.
Frage zwei: Was tue ich dagegen? Klar, killen. Und zwar subtil, nicht stumpf mit der Fliegenklatsche auf die Melone hauen, oder Paral auf die Banane sprühen. Unser Motto lautet: Sei schlauer als die Fruchtfliege. Töte sie durch ihre Gier und ihre Insektenhaftigkeit.

Und jetzt die Problemlösungen.

Wir haben zwei Verfahren entwickelt, die unsere Frühstücksmelone wirksam schützen, und das Leberwurstbrot überflüssig machen, solange Wein im Haus ist. Denn hier gilt: Alkohol ist eine Lösung!
Damit ist nicht gemeint, schon morgens Wein zum Leberwurstbrot zu konsumieren, denn das hilft gar nicht; ganz im Gegenteil; es sind plötzlich doppelt so viele Drosophilas da. Nein, viel subtiler. Wir bauen den „Ersticker“ und den „Ertrinker“:

Der Ersticker

Abb. 1

Falle Typ A (Der „Ersticker“): Man braucht zur Konstruktion: ein Glasschälchen, durchsichtiges Salatöl, etwas lieblichen Weißwein. Der obere Rand des Glasschälchens und die Innenseite (1) wird mit reichlich Salatöl eingepinselt. In das Schälchen gibt man nochmal einen Schuss Öl, sodaß der Boden bedeckt ist, und einen Esslöffel Weißwein (2). Der Zusammenbau erfolgt wie in Abb. 1. Das Glaschälchen wird zwischen dem Obst aufgestellt.

Wie funktioniert das? Fruchtfliegen werden vom Geruch des Obstes und des Weines angelockt. Aber sie fliegen nur selten direkt auf das Obst los, sondern setzen sich erst mal irgendwo in der Nähe hin, um zu glotzen. Tun sie das auf dem öligen Rand der Glasschüssel, ist es schon passiert. Das Öl klebt sie fest, und verklebt die Tracheen. Die wenigen Tiere, die direkt der Weinfahne folgen, erleiden das selbe Schicksal am Grund der Schüssel. Alkohol ist tödlich.

Abb. 2

Abb. 2

Falle Typ B (Der „Ertrinker“): Man braucht zur Konstruktion: einen handelsüblichen Suppenteller, einen transparenten Standart-Gefrierbeutel, 50 mL Rotwein, sowie einen Tropfen Spülmittel. Der Zusammenbau erfolgt wie in Abb. 2.
In den Gefrierbeuten werden 50 mL Rotwein und der Spülmitteltropfen gegeben (3). Der Beutel (1) wird in den Suppenteller (2) gestellt. Die Öffnung, die zunächst nach Oben zeigt, wird dann U-förmig gebogen, dass sie nach unten zeigt (4b).  Wichtig: Die Öffnung muss weit genug offen bleiben (4a).

Ein guter Platz für Fallen vom Typ B ist eine sonnige Fensterbank, damit sich der Wein-uund Alkoholdunst gut ausbreitet und viele Drosophilas anlockt.

Wie funktioniert das? Wieder ist es der Duft des Weines, der die Fruchtfliegen anlockt. Sie gelangen, trotz des erwähnten Glotzverhaltens, irgendwann durch die U-förnige Öffnung ins Innere des Beutels.  Aber sie finden nicht wieder raus. Insekten fliegen immer direkt zum Licht („Fenster-Effekt“), denn sie können sich den Weg nicht merken. Die fleischfressende Pflanze Darlingtonia aus Nordamerika nutzt denselben Effekt aus, um Insekten zu fangen, nur ohne Spülmittel. Letzteres verhindert, in unserem Falle durch die Verringerung der Oberflächenspannung, dass Fruchtfliegen auf dem Wein landen und dann wieder los fliegen. Tipp: Man kann den Beutel auch gerne mal zwischendurch nehmen und schütteln, um die „Glotzer“ zu killen.

Waidmanns Heil!

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