Epost! Epost?

Elektrische Post. In Zeiten von Email, social networking und „Internet“ wurde es auch mal Zeit, daß der Kurier des Zaren vom hohen Ross steigt, und auf modern macht. Sonst fällt womöglich passend zum Ende des Briefpost-Monopols noch jemandem auf, daß sich „Briefträger“ immer noch zu Fuß oder per Rad auf die Straßen wagen müssen, um Reklame von Santander, Tango, Dingsda- und anderen Banken, Lottogewinne 🙂 , Weihnachtsgrüße von Conrad, Amazon, meinem Optiker, Payback und Paypal. Und was sonst noch nicht mehr per Mail kommt (weil es nicht mehr kommen darf; denn es wurde denen von mir untersagt lt. Novelle des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb), das landet dank Post in dem  mechanischen Briefkasten.
Ausser Montags, denn da arbeiten die Postler ja bekanntermaßen nicht, und nur die paar „Infobriefe“ von Citypost wandern in die blaue Tonne.
Da könnte die mechanische Konkurrenz gnadenlos ansetzen. Auch Montags die normale Menge an Reklame im Postkasten, das ist eine Klage bei der EU wert. Schon montags wissen, wie hoch man bei Santander, Tango, und Co gerankt wird, und vom Brillenmacher erfahren, ob schon wieder Weihnacht ist oder man letzten Montag Geburtstag hatte und das vergaß.

Epost kombiniert also die Vorteile der herkömmlichen Post (äh ja, als da wären: man kann Spam recyclen, was bei Email nicht geht; es gibt keine Viren, es kostet Geld) mit den Vorteilen von Email (schnell, man muss nicht zum Briefkasten gehen, gratis) miteinander. Und trotzdem bleibt es Post pur.

Klingt fantastisch, da mach ich mit.

Aber das ist nicht ganz so einfach wie in eine neue Wohnung ziehen und Schild an den neuen Briefkasten pappen. Für die Epost muss man diverse Existenzberechtigungs- und -nachweisschritte absolvieren, bis man sein Namensschild an den elektrischen Briefkasten kleben darf.  Zertifizierter „Premium“-Email-Empfänger quasi. Damit Tonline, der Optiker und wer noch endlich nachweisen können, daß die Rechnung oder Mahnung auch wirklich als Email zugestellt wurde.
Damit der elektrische Briefbote kommt, sind also ein paar kleinere Initiativen seitens der Ebriefempfänger gefragt.  „voll einfach, dauert keine 5 Minuten„, sagt die Epost. Recht hat sie. Dauert keine 5 Minuten.

Zuerst online anmelden, natürlich. Name, Wohnort, bla, nichts aufregendes. Ärger erstmals beim erwählten Passwort. Alles was ich mir merken kann ist viel zu unsicher für die Epost., „verwenden Sie mindestens 3 Sonderzeichen…“ „keine Worte“ „minnestens 12 Zeichen lang“ und so geht das eine Weile. Das Ergebnis kann ich mir niemals merken, aber egal, es gibt eine Neues-Passwort-Anfordern-Funktion. Everybody needs a second Chance.
Und nun? Handy-Nummer eingeben, denn es folgt ein TAN per SMS.
Funktioniert prima. TAN eingeben, es folgt: „Wir prüfen. Bitte warten.“ Ich säße da heute noch, denn die Reaktion brachte der echte Briefträger 3 Tage später in den Postkasten. Die PIN zur TAN.
OK, PIN zur TAN eingeben, passt auch, und nun? Post-Ident-Formular runterladen. Anschließend „online“ eine Postagentur identifizieren, die einen „Postident“ erfolgversprechend durchführen kann. Um es kurz zu machen, mit dem „Kenntumi“ gehe ich also brav zur nächsten postidentfähigen Post-Agentur und reihe mich in die Schlange ein.  Vor mir Oma schickt Brief – dauert. Tante schickt Päcksken an Onkel – dauert. Schlange hinter mir wird unruhig.
Jetzt ich, mal eben den Postident machen. Mit den Worten „Identifizieren Sie Mich Bitte“ reiche ich den gefordeten Personalausweis, sowie das Postident-Kentumi-Formular über die Epost-Theke. Die Dame seufzt, und wird dann sehr aktiv: Postident scannen, tippen, drucken, ausfüllen, stempeln, Personalausweis-Daten eingeben, nochmal was scannen, wieder drucken, eingeben, drucken, falzen, stempeln, frankieren. In der Schlange regt sich erster Protest. Ein oder zwei junge Leute mit Postident-Schreiben in der Hand verdrücken sich unauffällig. Als ich meinen Perso nach 10 Minuten zurückerhalte, ist die Postagentur-Dame schweissgebadet, und die Schlange aufgebracht. „Das kann jetzt ein paar Tage dauern“ sagt die schweissgebadete Postdame. Und freut sich sichtbar auf die nächste Oma mit Päckchen.
Als ich endlich nach Hause komme, liegt im mechanischen Briefkasten ein Brief: „Herzlich wilkommen bei Epost. Ihr Postident wurde durchgeführt. Bitte geben sie diese TAN bei Epost ein.“
Donnerwetter, das ist schnell. Schneller als ich für den Kampf gegen Oma und 50 m Fußmarsch brauchte. Leider ist die TAN falsch. Eine Neue wird umgehend geschickt, sagt Epost.
Nächster Tag: Brief mit „Notfall-PIN“ in der mechanischen Post, falls meine TAN nicht tut. Ich hefte das Schreiben ab. Notfalls würde ich es wiederfinden. Abends schicht mir Epost noch eine TAN aufs Handy.
Am Samstag finde ich im mechanischen Briefkasten zwei neue Briefe von Epost. Der eine enthält meine TAN zur Anmeldung, der andere die Gratulation, dass ich mich jetzt mit meinem Passwort bei Epost anmelden kann. Meine biologische und wirtschaftliche Existenz hätte ich nach Epost-Meinung per Handy und Postident ausreichend nachgewiesen. Heute mag ich aber nicht mehr.
Montag: Briefkasten leer. Ich gehe im Internet zu Epost.de, kann mich problemlos und ohne Passwort einloggen, und erwarte also meine  „wichtigen, zertifizierten Briefe“:

Gelogen haben die wirklich nicht – alles wie bei der normalen Post, nur in Elektrisch. Montags Ruhetag.

Aber echt neu und toll: ich muss nicht mehr bis zum Briefkasten laufen, um zu sehen, daß er leer ist.

Und ich werde in Zukunft meine Mails bewusster versenden, denn die kosten dank Epost ab jetzt ja Geld.

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4 Antworten to “Epost! Epost?”

  1. jebac Says:

    Das war am 30. August, also vor fast 3 Wochen. Keine Epost, kein EMil, kein Schwein mehlt mich an. Nicht mal die Postler.
    Bis heute.
    Ich erhielt einen Brief, der besagt, dass es in der Tat seitens der Post festgestellt und amtlich bezeugt werden konnte, dass es einen eindeutigen Nachweis für meine Existenz, sowie für eine dazugehörige Postanschrift gibt. Gültig: 20 Tage. Also, time is running out!
    Ich funktioniere ganz brav, und tue schleunigst was das Postident-Schreiben verlangt. Ich finde in Rekordzeit den Zettel mit login-Daten und sPasswort wieder und logge mich ein. 19,9 Tage bleiben noch. Ich gehe direkt zu „meine Daten, Persönliche Daten“, und finde tatsächlich den Punkt „Hauptadresse mittels AdressTAN-Verfahren bearbeiten“.
    Da steht: „Ihnen wurde soeben eine HandyTAN geschickt.*
    Bitte geben Sie diese hier ein.“
    ???
    Ich gebe den „Adress-Tan“ des Briefes ein.
    Epost ist nicht begeistert.
    „Die von Ihnen eingegebene HandyTAN ist nicht korrekt. Sollten Sie weiterhin auf Probleme stoßen, wenden Sie sich bitte an den Kundenservice.“ Logisch, kam ja auch per snail mail und nicht per Handy.
    Ich wende mich also an die helpline.
    Was da wohl kommt?

  2. jebac Says:

    Was da kommt:
    6 mal eine TAN aufs Handy.
    Müßig zu sagen, keine davon funktioniert. Ich bleibe EMensch 2. Klasse.

  3. Epost, De-Mail, Email… « Jebac's Blog Says:

    […] es bewegte sich doch! Ich hatte das Thema E-Post schon ganz vergessen, aus den Medien ist es auch weg – ich dachte, die haben das Projekt […]

  4. Udo Althaus Says:

    Ja,ja die „Deutsche Post“ ein Briefzusteller ist doch menschlicher, als dieser virtuelle Epost-Brief. Probleme schon zu Beginn mit der AdressTan und HandyTan. Vertröstungen,fehlende Fachkompetenz des Service und dann die Frage „Wie geht es dann weiter“ ? Hier wird man im Regen stehengelassen. Werde mich anders orientieren müssen? Dieser Vorgang von der Registrierung bis heute nimmt nun schon 3 Wochen in Anspruch…..Ende offen. Da geht die Post ab!!!!

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