Archive for August 2010

Warum tut der das?

August 30, 2010

jeder halbwegs gebildete Deutsche hat sich inzwischen zu den Äußerungen des Herrn Sarazin eine Meinung gebildet und mehr oder weniger lautstark den Kopf geschüttelt.

Ich tue das jetzt auch. Es gibt viele Gründe, weshalb die in den Medien kolportierten Äußerungen falsch sind, aber ich guck lieber erst mal selber in das Buch, ob das denn auch so stimmt, was man darüber sagt.

Nein, ich werde es garantiert nicht kaufen. Denn eine Kernfrage vermisse ich: Warum macht der das?

-Weil sonst niemand ein Buch von einem unterbezahlten Banker kaufen würde? Möglich. Finanziell nötig hat er das sicherlich nicht. Also Erpressung?

-Wusste er nicht, was sein Ghostwriter-Team da rein schreibt, so verwundert wie er manchmal tut? Nebenbei abends beim Bier die ganzen Statistiken auswerten, interpretieren und in wohlklingende Sätze verpacken, das kann der selber nicht gemacht haben. Banker können Kontoauszüge diktieren, aber keine Bücher.

-Ohne diesen Medienrummel, den ein prominenter Name verursacht, würde niemand sich für ein Buch interessieren, in dem nur Polemik steht. Schon klar. Aber wer steckt denn nun wirklich dahinter? Wer kann den armen Mann so weit treiben? Wer hat ein Interesse daran, die Normaldeutschen zu schockieren, die Unterschicht zu begeistern und die Juden und Moslems noch mehr auszugrenzen?

Würd ich gerne wissen.

Denn Selbstverleugnung ist es ja hoch drei: Sarazin, der ruhmreiche Hausname des glorreichen Autoren, kommt von Sarazene, der mittelalterlichen Bezeichnung für Mosleme. Und damit hätten wir den ersten eindeutig dokumentierten Fall, dass sich jemand mit moslemischen Genen als echt dämlich erweist.

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Waterworld

August 26, 2010

Die Überflutungskatastrophen in Pakistan und evtl. auch in China sind immer noch Thema in den Medien, wenn sie auch langsam hinter Merkelchens Atomfahrt, Ballack und das Lospech des SV Werder zurückfallen. Wir in Osnabrück und Umgebung kriegen zur Zeit allerdings eine sehr lebhafte Demonstration davon, wie es ist, wenn es nur mal 24 Stunden Starkregen gibt und infolge von einer „Überschreitung anberaumter Niederschlagsmengen Überflutungen möglich sind“.

Wir wissen natürlich, was dann zu tun ist: Versicherung anrufen, Feuerwehr anrufen; letztere kommt sofort und pumpt den Keller leer; erstere zahlt etwas später für den feuchten Müll im Keller. Dank unserer Kanalisation ist das Wasser nach 30 Minuten Regenpause sowieso wieder weg, und ein solide gebautes deutsches Haus hält das problemlos aus. Die ausgeklügelte Regulierung unsere Flüsse sorgt dafür, dass das Wasser hier sowieso nie höher als bis Kelleroberkante kommt.

Vielleicht regt das aktuelle Wetter ja ein paar Leute an, sich mal vorzustellen, wie es hier wäre, wenn wir nicht Kanalisation, Feuerwehr/THW, Versicherung und Wasserregulation der Flüsse hätten. Dann ständen wir buchstäblich im Regen.

Und wer sich gerne über die Hilflosigkeit der Pakistanis angesichts solcher Wetterextreme amüsiert, hier ein Hinweis des deutschen Wetterdienstes zur Lage im Kreis Steinfurt (gleich um die Ecke), nachdem der Regen im Laufe des Tages immer stärker wurde:

Tür zu, Fenster zu. So sieht der professionelle Tipp der deutschen Unwetter- und Katastrophenexperten aus. Warum haben die Leute in Pakistan sich nicht einfach daran gehalten? Was hochbezahlte deutsche Experten (vom DWD RZ Essen; auf Grundlage einer sehr teuren Computersimulation) gegen drohende Erdrutsche und Überflutungen empfehlen, kann doch auch für Pakistan nicht falsch sein.

Immerhin braucht so eine Computersimulation recht lange (bis zu 4 Millionen Jahre; lt. D. Adams), bis es irgendwelche mehr oder weniger greifbare Ergebnisse gibt. Was echt Konkretes a la „Schließen Sie Fenster und Türen“ kann noch um einiges länger dauern. Vielleicht wurde dieser wertvolle Profi-Tipp einfach nicht mehr rechtzeitig an die Pakistanis gemailt.

Ich geh morgen jedenfalls für Pakistan spenden. Und der Deutsche Wetterdienst sollte das vielleicht auch tun!

Verpixeln bei street view- so geht das!

August 17, 2010

Ein tolles Angebot flatterte uns heute in den Briefkasten:

Wir verpixeln ihr Haus!

„Mach es wie Westerwelle! Schütze deine Privatsphäre! Lass dein Haus verpixeln!“ Und zwar fachmännisch. Nicht durch unsichere, abstürzende Browser im Internet, sondern durch den Fachmann. Bautenschutz ist Datenschutz!

Die Firma Feinbein Trockenbau und Bautenschutz macht allen besorgten Bundesbürgern ein unglaubliches Angebot. Aus aktuellem Anlass bietet seine Frima eine kombinierte Wärmeschutz-Verpixelung an. Dazu Meister Feinbein: „Seien sie bereit wenn google kommt! Moderner Bautenschutz dient auch dem Schutz ihrer persönlichen Daten. Und unsere patentierte Vollverpixelung spart auch noch Energie und schont die Umwelt“. Soweit Meister Feinbein.

Fast Fertig! Hier verpixeln wir einen Geldspeicher

Hier sehen wir sein Team bei der Arbeit. Wirklich, nicht wiederzuerkennen, das Haus. Das ist moderne Datensicherung. So trickst man Google umweltschonend aus!

Meister Feinbein warnt noch ausdrücklich vor Billig-Verpixelern: „Sie nennen es mechamische Verpixelung“

Diese „Unseriösen Angebote aus dem Internet“, so Feinbein, führten zwar auch dazu dass das Haus hinterher für Google komplett unsichtbar ist, aber es verschlechtert die Wärmedämmung auf dramatische Art und Weise, wie an den bereits verpixelten oberen Stockwerken gut zu sehen ist:

Keine Wärmedämmung mehr nach der Verpixelung!

… die auf die Frucht fliegen

August 13, 2010

…die Fruchtfliegen!

Darum heißen die so. Wer gerne frisches Obst zu sich nimmt, wird das Problem kennen: Fruchtfliegen. Wie aus dem Nichts tauchen die Ersten schon bei der Morgenmelone auf, sobald die Melonenschale auch nur angeritzt ist. Dann die Zweite, am Biomüll finden sich nach ein oder zwei Stunden bereits  mehrere, und wenn man den dann nicht runterbringt, gibts Invasion. Nicht nur beim Biomüll; die reifende Banane, Nektarine, der zarte Pfirsich – immer dasselbe Problem. Aufbewahren im Kühlschrank, was bei Wassermelonen (und Biomüll) ohnehin problematisch ist, hilft auch nicht, denn sobald das Obst Raumtemperatur hat, gehts wieder los.

Was tun? Müsli mit Trockenobst ist keine Lösung, Leberwurststulle auf Dauer auch nicht. Die Bananen- oder Melonenschalen in den Restmüll zu werfen, löst das Problem selbstverständlich ebenfalls nicht, denn die Farbe der Tonne interessiert Drosophila herzlich wenig.
Jammern hilft auch nicht; man muss gezielt, entschlossen und aggressiv vorgehen: erst das Problem auf den Punkt bringen, Fragestellungen formulieren und dann das Problem lösen.

Und hier sind die Fragestellungen:
Frage eins: Wo kommen die Viecher so früh morgens eigentlich schon her? Verwest da eine Banane unter dem Herd oder hinter dem Küchenschrank? Nein, Zustände wie bei Lionel Messie unterm Sofa müssen gar nicht sein, damit einzelne Fruchtfliegen überleben. Lange überleben. Das ganze Tier wiegt etwa ein Milligramm. Um sich ausreichend zu ernähren, ist etwa 1/10 Milligramm Futter pro Tag nötig. Ein Körnchen Zucker oder ein Brötchenbrösel würden für drei Tiere für drei Wochen reichen. Voraussetzung ist lediglich, dass das Futter feucht genug ist. Staubtrocken findet Drosophila es entweder nicht (riecht nicht nach Futter) oder kann es nicht kauen. Aber hohe Luftfeuchte oder der Wasserdampf vom Frühstücksei reichen schon aus. Die morgentlichen Fruchtfliegen bedeuten als nicht, dass irgendwo eine  faulige Banane liegt, denn selbst winzigste Brösel reichen aus, um einige wenige Quälgeister wochenlang am Leben zu halten. Und so sauber, dass nicht mal einzelne Bananenmoleküle in der  Parkettritze liegen, ist die Küche nicht mal bei Johann Laffer im Fernsehen.
Frage zwei: Was tue ich dagegen? Klar, killen. Und zwar subtil, nicht stumpf mit der Fliegenklatsche auf die Melone hauen, oder Paral auf die Banane sprühen. Unser Motto lautet: Sei schlauer als die Fruchtfliege. Töte sie durch ihre Gier und ihre Insektenhaftigkeit.

Und jetzt die Problemlösungen.

Wir haben zwei Verfahren entwickelt, die unsere Frühstücksmelone wirksam schützen, und das Leberwurstbrot überflüssig machen, solange Wein im Haus ist. Denn hier gilt: Alkohol ist eine Lösung!
Damit ist nicht gemeint, schon morgens Wein zum Leberwurstbrot zu konsumieren, denn das hilft gar nicht; ganz im Gegenteil; es sind plötzlich doppelt so viele Drosophilas da. Nein, viel subtiler. Wir bauen den „Ersticker“ und den „Ertrinker“:

Der Ersticker

Abb. 1

Falle Typ A (Der „Ersticker“): Man braucht zur Konstruktion: ein Glasschälchen, durchsichtiges Salatöl, etwas lieblichen Weißwein. Der obere Rand des Glasschälchens und die Innenseite (1) wird mit reichlich Salatöl eingepinselt. In das Schälchen gibt man nochmal einen Schuss Öl, sodaß der Boden bedeckt ist, und einen Esslöffel Weißwein (2). Der Zusammenbau erfolgt wie in Abb. 1. Das Glaschälchen wird zwischen dem Obst aufgestellt.

Wie funktioniert das? Fruchtfliegen werden vom Geruch des Obstes und des Weines angelockt. Aber sie fliegen nur selten direkt auf das Obst los, sondern setzen sich erst mal irgendwo in der Nähe hin, um zu glotzen. Tun sie das auf dem öligen Rand der Glasschüssel, ist es schon passiert. Das Öl klebt sie fest, und verklebt die Tracheen. Die wenigen Tiere, die direkt der Weinfahne folgen, erleiden das selbe Schicksal am Grund der Schüssel. Alkohol ist tödlich.

Abb. 2

Abb. 2

Falle Typ B (Der „Ertrinker“): Man braucht zur Konstruktion: einen handelsüblichen Suppenteller, einen transparenten Standart-Gefrierbeutel, 50 mL Rotwein, sowie einen Tropfen Spülmittel. Der Zusammenbau erfolgt wie in Abb. 2.
In den Gefrierbeuten werden 50 mL Rotwein und der Spülmitteltropfen gegeben (3). Der Beutel (1) wird in den Suppenteller (2) gestellt. Die Öffnung, die zunächst nach Oben zeigt, wird dann U-förmig gebogen, dass sie nach unten zeigt (4b).  Wichtig: Die Öffnung muss weit genug offen bleiben (4a).

Ein guter Platz für Fallen vom Typ B ist eine sonnige Fensterbank, damit sich der Wein-uund Alkoholdunst gut ausbreitet und viele Drosophilas anlockt.

Wie funktioniert das? Wieder ist es der Duft des Weines, der die Fruchtfliegen anlockt. Sie gelangen, trotz des erwähnten Glotzverhaltens, irgendwann durch die U-förnige Öffnung ins Innere des Beutels.  Aber sie finden nicht wieder raus. Insekten fliegen immer direkt zum Licht („Fenster-Effekt“), denn sie können sich den Weg nicht merken. Die fleischfressende Pflanze Darlingtonia aus Nordamerika nutzt denselben Effekt aus, um Insekten zu fangen, nur ohne Spülmittel. Letzteres verhindert, in unserem Falle durch die Verringerung der Oberflächenspannung, dass Fruchtfliegen auf dem Wein landen und dann wieder los fliegen. Tipp: Man kann den Beutel auch gerne mal zwischendurch nehmen und schütteln, um die „Glotzer“ zu killen.

Waidmanns Heil!

Menschenverachtend, sündig, kulturlos: Die „Love Parade“ in Duisburg

August 8, 2010

Love Parade = Sünde, sagt der Bischof. Ich dachte, das Thema ist durch, aber ist es anscheinend nicht. Denn also die „geliebte“ OSZ von letztem Sonntag (Text steht unten nochmal in Groß):

Wem das zu kleingedruckt ist, hier also der ganze Text:

„HCS erzürnt …
… sich ob des Begriffs ‚Kultur’ im Zusammenhang mit der Duisburger Love-Parade-Tragödie. Kultur meint Erinnerung, Anregung, Auseinandersetzung, Meditation, Kunstschönes, Zu- und Widerspruch, Entdeckung, Transzendenz; fordert Nachdenken, Besinnung, Dialogbereitschaft, Betrachtung, Öffnung, geistige Tätigkeit und seelische Hingabe.
Inwiefern Fritz Pleitgen, ehemals WDR-Intendant, sich zur Platitüde versteigen kann, dieses menschenverachtende Love-Parade-Event als „Highlight von Ruhr 2010“ unter Kultur zu rechnen, bleibt einem normalen
Verstande rätselhaft. Hunderttausende ins dröhnende Zwangskorsett der Kopf und Fuß gleichschaltenden Techno-Viertakter zu pressen, hat eher mit der Organisation von achselschweißenden Massenhysterien nach dem
Muster von Nürnberger Reichsparteitagen zu tun als mit jener Faszination von Utopie, die jedem kulturellen Erlebnis innewohnt.

Kultur ist Ereignis, fragt und antwortet. Events indessen zielen
auf Kasse und kollektive Vernebelung“

Kommentare dazu fallen mir nicht ein. Immerhin, der Bischoff liest sowas sicherlich gerne.


Osnabrück sucht dem Supersportplatz..

August 6, 2010

Was man im Sommerloch nicht alles verzapft. In China fiel der berühmte Sack Reis um, Kinder wurden geärgert, auf der Love Parade wurden Leute durch „primitive Musik“ provoziert, sich totzutreten (Beleg aus dem Sonntagsblatt). Der Sack Reis ist nicht neu, aber der Blümenkübel in Neuenkirchen/Münsterland.  Unser großes Lokalblatt hat die Blumenkübel-Affäre leider verpennt, und springt stattdessen auf  Aktionen a la „Deutschland sucht der dem den die oder das Super…“  auf, und startet eine Serie über Sportplätze im Stadtgebiet. Da gibt es 13 von, aber nur einer kann der Superstar werden. Aufgrund der exclusiven, und sehr ungewöhnlichen, aber praktischen Ausstattung ist dies mein Favorit:

Die Anlage am Schölerberg. Da ist also zu lesen:

Warum?

Erstens das kreative Layout des Platzes. Der Fußballer findet die ungewöhnliche Herausforderung, daß Fußball a la Eishockey auch hinter dem Tor möglich ist. Der Platz, den die 100 m-Bahnen einnehmen, wurde also hinter den Toren eingefügt. Unddas linke (bzw. rechte) Mittelfeld kann gleich in der beleuchteten Tenne bleiben und Pils trinken. Laut Zeitung sähe das Spielfeld nämlich so aus:

Hauptsache, die Quadratmeter zum Bolzen stimmen. Wo, ist doch egal.

Zweitens: Beachten Sie die üppige Ausstattung. „Auch die im Wald gelegene Tenne gehört noch zur Sportanlage. Sie wurde vor einigen Jahren komplett erneuert und bekam eine Flutlichtanlage.“ Durchaus sinnvoll, Flutlicht  für eine Tenne im Wald, denn da kann es total finster sein. Aber eine einfache Glühbirne, nein, viel zu gewöhnlich für die Sportanlage am Schölerberg.

Für die Sportler bietet die Installation in der Tenne indess einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Vorteil:   „..Sportler können nun auch bei Dunkelheit trainieren.“ Endlich. Einzigartig. Nicht nur, daß die Zuschauer Peinlichkeiten so nicht sehen und man deshalb total ungehemmt trainieren kann, nein, das ist auch sehr wichtig, wenn man z. B. mal in Australien oder Kuala Lumpua einen Wettkampf hat. Denn wenn es hier noch hell ist, ist es da längst dunkel. Darum sind die Einheimischen da nämlich ansonsten klar im Vorteil. Und das Brüllen der Löwen und die Hopsgeräusche der Kängurus im nahen Zoo bieten ein autentisches Asien/Australien-Live-feeling wie nirgens sonst auf der westlichen Welt.

Geschenk-Tipp: Die Original Luftaufnahme vom Training ohne Licht gibts exklusiv bei mir für 3,95 !

Und wer den Rechtschreibfehler findet, darf ihn behalten!

Epost! Epost?

August 5, 2010

Elektrische Post. In Zeiten von Email, social networking und „Internet“ wurde es auch mal Zeit, daß der Kurier des Zaren vom hohen Ross steigt, und auf modern macht. Sonst fällt womöglich passend zum Ende des Briefpost-Monopols noch jemandem auf, daß sich „Briefträger“ immer noch zu Fuß oder per Rad auf die Straßen wagen müssen, um Reklame von Santander, Tango, Dingsda- und anderen Banken, Lottogewinne 🙂 , Weihnachtsgrüße von Conrad, Amazon, meinem Optiker, Payback und Paypal. Und was sonst noch nicht mehr per Mail kommt (weil es nicht mehr kommen darf; denn es wurde denen von mir untersagt lt. Novelle des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb), das landet dank Post in dem  mechanischen Briefkasten.
Ausser Montags, denn da arbeiten die Postler ja bekanntermaßen nicht, und nur die paar „Infobriefe“ von Citypost wandern in die blaue Tonne.
Da könnte die mechanische Konkurrenz gnadenlos ansetzen. Auch Montags die normale Menge an Reklame im Postkasten, das ist eine Klage bei der EU wert. Schon montags wissen, wie hoch man bei Santander, Tango, und Co gerankt wird, und vom Brillenmacher erfahren, ob schon wieder Weihnacht ist oder man letzten Montag Geburtstag hatte und das vergaß.

Epost kombiniert also die Vorteile der herkömmlichen Post (äh ja, als da wären: man kann Spam recyclen, was bei Email nicht geht; es gibt keine Viren, es kostet Geld) mit den Vorteilen von Email (schnell, man muss nicht zum Briefkasten gehen, gratis) miteinander. Und trotzdem bleibt es Post pur.

Klingt fantastisch, da mach ich mit.

Aber das ist nicht ganz so einfach wie in eine neue Wohnung ziehen und Schild an den neuen Briefkasten pappen. Für die Epost muss man diverse Existenzberechtigungs- und -nachweisschritte absolvieren, bis man sein Namensschild an den elektrischen Briefkasten kleben darf.  Zertifizierter „Premium“-Email-Empfänger quasi. Damit Tonline, der Optiker und wer noch endlich nachweisen können, daß die Rechnung oder Mahnung auch wirklich als Email zugestellt wurde.
Damit der elektrische Briefbote kommt, sind also ein paar kleinere Initiativen seitens der Ebriefempfänger gefragt.  „voll einfach, dauert keine 5 Minuten„, sagt die Epost. Recht hat sie. Dauert keine 5 Minuten.

Zuerst online anmelden, natürlich. Name, Wohnort, bla, nichts aufregendes. Ärger erstmals beim erwählten Passwort. Alles was ich mir merken kann ist viel zu unsicher für die Epost., „verwenden Sie mindestens 3 Sonderzeichen…“ „keine Worte“ „minnestens 12 Zeichen lang“ und so geht das eine Weile. Das Ergebnis kann ich mir niemals merken, aber egal, es gibt eine Neues-Passwort-Anfordern-Funktion. Everybody needs a second Chance.
Und nun? Handy-Nummer eingeben, denn es folgt ein TAN per SMS.
Funktioniert prima. TAN eingeben, es folgt: „Wir prüfen. Bitte warten.“ Ich säße da heute noch, denn die Reaktion brachte der echte Briefträger 3 Tage später in den Postkasten. Die PIN zur TAN.
OK, PIN zur TAN eingeben, passt auch, und nun? Post-Ident-Formular runterladen. Anschließend „online“ eine Postagentur identifizieren, die einen „Postident“ erfolgversprechend durchführen kann. Um es kurz zu machen, mit dem „Kenntumi“ gehe ich also brav zur nächsten postidentfähigen Post-Agentur und reihe mich in die Schlange ein.  Vor mir Oma schickt Brief – dauert. Tante schickt Päcksken an Onkel – dauert. Schlange hinter mir wird unruhig.
Jetzt ich, mal eben den Postident machen. Mit den Worten „Identifizieren Sie Mich Bitte“ reiche ich den gefordeten Personalausweis, sowie das Postident-Kentumi-Formular über die Epost-Theke. Die Dame seufzt, und wird dann sehr aktiv: Postident scannen, tippen, drucken, ausfüllen, stempeln, Personalausweis-Daten eingeben, nochmal was scannen, wieder drucken, eingeben, drucken, falzen, stempeln, frankieren. In der Schlange regt sich erster Protest. Ein oder zwei junge Leute mit Postident-Schreiben in der Hand verdrücken sich unauffällig. Als ich meinen Perso nach 10 Minuten zurückerhalte, ist die Postagentur-Dame schweissgebadet, und die Schlange aufgebracht. „Das kann jetzt ein paar Tage dauern“ sagt die schweissgebadete Postdame. Und freut sich sichtbar auf die nächste Oma mit Päckchen.
Als ich endlich nach Hause komme, liegt im mechanischen Briefkasten ein Brief: „Herzlich wilkommen bei Epost. Ihr Postident wurde durchgeführt. Bitte geben sie diese TAN bei Epost ein.“
Donnerwetter, das ist schnell. Schneller als ich für den Kampf gegen Oma und 50 m Fußmarsch brauchte. Leider ist die TAN falsch. Eine Neue wird umgehend geschickt, sagt Epost.
Nächster Tag: Brief mit „Notfall-PIN“ in der mechanischen Post, falls meine TAN nicht tut. Ich hefte das Schreiben ab. Notfalls würde ich es wiederfinden. Abends schicht mir Epost noch eine TAN aufs Handy.
Am Samstag finde ich im mechanischen Briefkasten zwei neue Briefe von Epost. Der eine enthält meine TAN zur Anmeldung, der andere die Gratulation, dass ich mich jetzt mit meinem Passwort bei Epost anmelden kann. Meine biologische und wirtschaftliche Existenz hätte ich nach Epost-Meinung per Handy und Postident ausreichend nachgewiesen. Heute mag ich aber nicht mehr.
Montag: Briefkasten leer. Ich gehe im Internet zu Epost.de, kann mich problemlos und ohne Passwort einloggen, und erwarte also meine  „wichtigen, zertifizierten Briefe“:

Gelogen haben die wirklich nicht – alles wie bei der normalen Post, nur in Elektrisch. Montags Ruhetag.

Aber echt neu und toll: ich muss nicht mehr bis zum Briefkasten laufen, um zu sehen, daß er leer ist.

Und ich werde in Zukunft meine Mails bewusster versenden, denn die kosten dank Epost ab jetzt ja Geld.