Die BPissten

Nächster Skandal bei BP?

Das Öl-Leck unter den Überresten der Deepwater Horizon, aus dem mehr oder weniger Rohöl in den Golf von Mexico dringt, ist schlimm. Schlimmer, dass so ein Projekt offensichtlich genehmigt wurde, ohne dass ein Notfall-Plan existierte, der etwas weniger theologisch fundiert ist  ist als das bewährte „Gott wird´s verhindern“ (Wörtlich zitiert lt. SPON: „Wir haben Technologie, und so Gott will, werden wir es nicht erlauben, dass so etwas hier passiert“).  In Gods own country mag das helfen, aber vor der Küste in 1500 m Wassertiefe wird die Theologie offensichtlich zu stark verdünnt. Egal, Brasiliens Petrobras startet Ölbohrungen in 5000 m Wassertiefen mit exakt diesem Sicherheitskonzept (und der Gewissheit, dass Kameras nicht bis in diese Tiefe funktionsfähig bleiben), und die BP-Konkurrenten Exxon Mobil , Chevron, ConocoPhillips und Royal Dutch Shell legen gemeinsam schon mal etwa 1 Milliarde auf die Seite, um 1.) ein solches Mediendebakel ggf. besser zu händeln, und 2.) für den Rest einige Vögel zu entölen. Mehr Geld, etwa für konkrete Konzepte für den Tiefsee-Katastrophenfall sitzt nicht drin, denn die Kasse muss ja gefüllt sein, um BP (mit seinen unüberschaubaren Finanzverpflichtungen) in etwa 6 Monaten übernehmen zu können.

Der neue Skandal ist allerdings um einiges schlimmer.  Aufmerksame Blogger haben enthüllt, dass BP im Internet mit manipulierten Bildern arbeitet (SPON: Blogger enthüllen neue BP-Bildmanipulationen; http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,707855,00.html). Die Anschuldigungen sind hart: Bilder sollen retuschiert worden sein, Farben wurden verändert, Bildschärfe und Kontrast nachträglich bearbeitet, ja, ganze Bildausschnitte wurden gleich Megapixelweise manipuliert. Wie die Washington Post, die den Blogger entdeckte, der aufdeckte, folgert, ist das nur eine Konsequenz des schlampigen Arbeitens dieses ausschliesslich auf Gewinn orientierten Konzerns, der für „unhaltbare Zustände“ und „mangelhafte Ausrüstung“, sowie für „Tankstellen“ und „schlecht ausgebildetes Personal“ bekannt ist. BP hingegen sagt, da habe doch nur jemand mit seinen Fotoshop-Kenntnissen angeben wollen.

Wir decken auf: So kam es zu diesem neuen Supergau-Mega-Deasaster

(für Ihre Fantasie, als bildliche Einstimmung: Denken Sie an Szenen aus Alien I, Matrix, Blade Runner sowie Verfilmungen von Tom-Clancy-Romanen). Es wird eingeblendet vor dem Bild eines düsteren Hochhauses: Ort: BP-Zentrale, Zeit: Kurz nach 9, Wetter: Mieselregen, 22 Grad. Wind: Südsüdost. Die Frisur hält.

Chef (öffnet die Tür und schreitet ins Büro) „Moin Jungs (Kurze Pause, setzt sich) Wie läufts denn?“

Gemurmel im Büro: „schlecht, Chef“, Kaum noch was“, „is wohl dicht“, „kommt nix mehr“

Chef: „Na prima, das läuft ja wie geschmiert.“ (Winkt 1 Mitarbeiter zu sich)

Chef: „Charlie, wir haben ein Problem“

Charlie: (Winkt ab) „Chef, ich hab Husten“

Chef „Charlie, keine Scherze auf Apollo 13-Niveau, es ist ernst. Sehr ernst. Ernest sogar“

Charlie (erstaunt, kommt näher): „Nichts läuft mehr, alles prima, was kann das denn noch sein?“

Chef: „Unsere Homepage. Charlie, ich habe mir die heute morgen mal angesehen. Total veraltet. Und bei google auch total abgesackt. Sogar noch hinter diese „Wir tanken auch ihren Golf voll“-Leute. Wir müssen da was tun. Was sollen unsere Kunden denn von uns denken?“

Charlie: „Aber Chef, das macht doch unsere Kreativ-Abteilung. Da sitzen 86 teure Kreativ-Experten aus 110 ölimportierenden Ländern. Die sind für sowas zuständig!“.

Chef: „Charlie, die arbeiten Tag und Nacht in ölimportierenden 110 Ländern an einem Super-Namen für die nächste Bohrloch-Abdicht-Kampagne, das hat allererste Priorität. Der Name muss beim ersten Versuch sitzen. Nein, dies Homepage-Problem müssen wir selber in den Griff bekommen“

Pause. Man hört eine Stricknadel fallen.

Charlie, zögernd: „Wir … könnten ein paar neue Bilder einstellen. “

Chef (auf mal sichtbar höchst zufrieden + begeistert): „Genial, Charlie. Ich sehe, sie verdienen ihr fürstliches Gehalt wirklich zu recht. Wirklich…“

2. Akt: Charlies Büro. Charlie ruft den Chef an. „Chef, auf unserem Server sind nur so Bilder von der brennenden Deepwater Horizon, ölige Vögel, Tankstellen und die von neulich mit Barak und Michelle“

Chef: „Was, die auch? Wartense, ich hab noch welche aufm Handy, vielleicht ist da ja was bei.“

Etwas später, Chef schreitet in Charlys Büro, Handy in der Hand, damit (mit dem Handy) beschäftigt wirkend. „Schaunsema, hier ist doch das Bild von vorgestern, der Hubschrauber im Anflug aufs Weiße Haus, das kann man doch nehmen“

Charlie: „Noch mehr Gerüchte über Kontakte zur Politik? Tut mir leid Chef, das geht nicht“

Chef: „aber kann man das denn nicht rausmachen, ..ä.. Fotomontage, verstehen sie? “

Charlie (denkt nach, dann) „Der Joe aus der Kantine, der kann sowas…hab ich wenigstens gehört“

Chef: (entschlossen) „Sofort her mit dem, egal wie, so wie er ist. AUF DER STELLE!“ (Fußstampf)

Etwas, eher kaum, später: Joe erscheint, einen Napf mit Erbsensuppe und einen Rührlöffel in der Hand.

Joe (zwanghaft locker): „Ja, Chef? War was nicht OK mit dem Nutellabrot?“

Chef: (spontan) „Alles OK mit Nutella, Joe.“ (Pause, mustert Joe und schnüffelt nebenbei an der Suppe) „Weshalb ich Sie rufen liess: Es wird erzählt, sie kennen sich mit (guckt auf Zettel) Photoshop aus?“

Joe: „Ja.. nein, also mein Sohn hat da mal neulich mal aus Versehen sonne Raubkopie runtergeladen, und ich hab… also nicht mit Absicht, wirklich nicht…“ (verstummt langsam, errötet).

Chef: „Joe, ich habe einen Job für dich.“ (Spannendes Schweigen) (Chef zückt sein Handy und sagt) „Joe, schau mal hier. Ich fliege mit Michele und Barack aufs Weiße Haus zu. Kannst du mit Foto..dingsda das Weiße Haus gegen, na sagen wir Meer austauschen?“

Joe: „Haben sie ein Bild vom Meer?“

Chef: kopfschüttel, sackt in sich zusammen, wirkt deprimiert.

Charlie hustet, mischt sich dann ein: „Mach doch Handyphoto von der Erbsensuppe, und färb es blau. Die Fettaugen sehen eh aus wie die Ölflecke im Golf, und schmecken auch so“.

Chef (wieder aufrecht, lobend) „Charlie, Prima Vorschlag. Ich sehe, sie sind ihr fürstliches Honorar wirklich wert.“

Joe macht es.

Erster Versuch

noch sieht es aus wie Erbsensuppe vor dem White House,...

aber Joe kriegts hin.

Chef (Klatscht dabei in die Hände) „Toll Toll Toll. Und jetzt was aus unserem Control Center. Wir müssen der Welt zeigen, dass wir alles unter Kontrolle haben.“

Joe geht in den Kontrollraum, um mit seinem Handy ein Foto zu machen. Charly, als Joe raus ist: „Schon wieder Erbsensuppe in der Kantine. Das sind wirklich unzumutbare Arbeitsbedingungen hier. Unwürdig für so einen Weltkonzern.“

Verstummt, denn Joe kommt wieder, blass. Charlie: „Und?“

Joe zeigt ihm das Foto, wortlos. Schluckt trocken. Stellt die Erbsensuppe weg, nimmt sich eine Cola. Chef guckt aufmerksam zu.

Kontroll-Zentrum: Probleme für Joe?

Chef guckt jetzt auch auf das Foto, welches Charlie ihm blass und wortlos hinhält.

Chef: „Was, die gucken auch Videos über Missbrauch in der Freizeit?“

Charlie: „Keine Sorge, Chef, die gucken das im Dienst“

Chef: „Dann bin ich ja beruhigt“. Zögert. „Trotzdem Joe, da musst du nochmal ran“

Joe: „Noch ein Foto machen?“

Chef: „Nein, ein paar andere Bilder auf die Bildschirme, mit dem Fotodingsda, und die Kaputten weg machen“

Joe macht es

Chef: „Klasse. Und jetzt noch ein letztes, sagen wir bei der Krisensitzung. Ich hab da eins auf dem Handy, schaunsemal.“

Charly schaut „Aber Barak und Michelle müssen da wirklich weg, Chef“

Beide blicken Joe an. Joe macht es.

Auch kein Problem für Joe

3. Akt, incl. Happy-End:

Chef: „Joe, sie haben uns aus einer schweren Krise geholfen. Sie sind engagiert. Was ist ihr Preis?“

Joe: (reichlich verwirrt, stottert) „also 10 pro Stunde wären schon ok“

Chef: „Ja Joe, bescheiden, das schätze ich. Das ist ja deutlich unter unserem Limit. 10.000 Dollar die Stunde, ich gebs an die Buchhaltung weiter. Melden sie sich Montag gegen 11 im Hilton bei unserer Kreativ-Gruppe. Im 19. Stock. Toller Blick auf den Golf. Und jetzt krieg ich noch 1,90 für die Cola von Ihnen.“

Joe: (betäubt, verlegen, sucht als Übersprungshandlung verzweifelt in seinen Taschen nach Geld, nach 1,90, um exakt zu sein) „Ja ä ich weiss gar nicht was ich sagen soll, Chef. Darf ich Sie auf eine Erbsensuppe in die Kantine einladen?“

Chef (gerührt): „Danke, Joe, aber ich muss dringend nach Washington. Barak wird staunen, wenn er das sieht“.

Geht ab, Charlie ruft ihm noch nach „Vergessen sie die Pralinen für Michelle nicht wieder“.

Joe geht auch, verlegen, unsicher und linkisch winkend. Charlie, jetzt alleine, dreht dramatisch den Drehstuhl in die Kamera und sagt: „Wenn das rauskommt, sind wie echt die BPissten“.

Fortsetzung wird wohl folgen.

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: