Archive for Juli 2010

So sind Kinder…

Juli 27, 2010

… denn sie ärgern gerne mal die alleinerziehende Mutter, speziell als Einzelkind. In intakten Großfamilien (wie den legendären „Waltons“) sind Kinder hingegen eine Wohltat und Bereicherung für das Familienleben. Genaueres dazu im Beitrag vorher, speziell wie sich die OSZ diese „Bereicherung“ konkret vorstellt.

Großfamilien sind einfach ein Synonym für die Intaktheit der zwischenmenschlichen Beziehungen, biologische Ernährung und perfekte Kindeserziehung. Vor den Alleinerziehenden hingegen, speziell vor deren Kindern, kann gar nicht eindringlich genug gewarnt werden, wie die Vorfälle auf Ameland uns lt. OSZ gezeigt haben.

Aus diesem Grunde, und zur Prävention weiterer Vorkommnisse egal welcher Art, wird an sozialen Brennpunkten (also Gegenden, in denen der Anteil alleinerzogener Kinder über 25% liegt), und in Nähe von „Kinderläden, -horten und-gärten, sowie natürlich Landheimen eine neue Verkehrstafel aufgestellt, die als Warnung vor sozialem Gefälle konzipiert ist. Dank seiner gewaltigen Bildersprache bringt es die ganze Problematik exakt auf den Punkt:

Achtung, Alleinerziehend!

Zur Bedeutung des Schildes und zur Notwendigkeit der Beschilderung erklärt Verkehrsminister Westerwelle auf einer Pressekonferenz (die großzügigerweise von der Fa. Schilder-Macher GmbH, Ameland, unterstützt wurde) im Hotel Möwenpick:

„Wir erkennen auf Anhieb und sofort; allein ist sie, die alleinerziehende Frau, auf weiter Flur. Die Haltung des rechten Armes, etwas gewinkelt im Handgelenk, spiegelt eine sichtbare „Genervtheit“ wider, auf jeden Fall weder Zuneigung noch gar Liebe zu dem Kind. Dieses wird nur lästigerweise mitgeschleppt. Unterstützt wird diese Haltung durch die linke Hand, die aufreizend gleichtgültig in der Jackentasche ruht.

Der kurze Rock deutet an, dass diese genervte Frau lieber etwas ganz anderes anstellen würde, als mit dem Kind spazieren zu gehen. Die Fa. Schilder-Macher GmbH, Ameland, die dieses Kunstwerk schuf, deutet damit sogar an, dass es sich nicht um „spazieren“ im Sinne einer freiwilligen Freizeitaktivität handelt, sondern um den Gang zum Sozialamt oder Vormundschaftsgericht. Die deutlich sichtbaren Fetzen am (für meinen Geschmack ohnehin viel zu kurzen) Rock untermauern diese Analyse. Das würde ausserdem besser zur ihrer Körpersprache passen. Der zu kurze Rock lässt allerdings pikante Spekulationen, gar Schlussfolgerungen auf ihrnen Gelderwerb, der illegalerweise zusätzlich zu Harz 4 erfolgt, zu. Und auf den Vater dieses Kindes.

Freiwillig geht sie jedenfalls nicht den Weg, den sie geht, erst recht nicht mit dem nahezu geschlechtsneutralen Kind an der Hand. Der kleine schwarze Zipfel am rechten Rand des Kindes könnte auf ein Mädchen deuten, oder auf einen Jungen, aber das ist eine doch sehr gewagte Interpretation dieses Werkes und keine Festlegung. Offensichtlich ist aber die Schusswunde, das Kugelloch am Hals des Kindes. Hier wird eine Tötungsabsicht durch die Mutter latent impliziert. Kinderhass, verursacht durch Sozialneid, ist grade bei Alleinerziehenden eine häufige Ursache für häusliche Gewalt.

Entscheidend für das Verständniss dieses Werkes ist dennoch das hier als lebend dargestellte Kind. Es schwenkt den mütterlichen Kopf locker bis genüsslich in der rechten Hand und scheint sagen zu wollen: „^Knall mich ruhig ab, ich mach mit dir eh, was ich will“, ja das scheint es deutlich zu sagen. Und sich darüber zu freuen. Die bewusst triste, gradezu monochrome, Farbgebung des Werkes muss gar nicht mal mehr extra betont werden.

meinedamenunheren, Kein anderes Verkehrsschild auf der Welt wird jemals so viel soziale Kompetenz, aber auch soziale Brisanz auf mal transportieren, wie das aktuelle Werk der FDP. Wir werden es in Ameland, Osnabrück, aber auch an jedem weiteren Ort, wo sich Kinder von Alleinerziehenden rumtreiben, aufstellen.
Zur Finanzierung werden wir diesen Leuten das Elterngeld kürzen. Wir erhoffen uns von diesem Schritt eine Rückkehr in den Schoß der intakten Großfamilie, und sichern dadurch wertvolle Arbeitsplätze bei einem der größten Arbeitgeber dieser Region: der Schilder-Macher GmbH, Ameland, die uns diese großartige, 4-tägige Pressekonferenz in diesem großartigen Hotel bezahlt hat. Danke also Heinz Macher (mein Vetter), und Dank auch an Hern Huber, den Betreibe dieses Hotels und Gatte meiner Schwester. So, meinedamenundherren, muss eine Großfamilie funktionieren. Dafür zahlt der Staat gerne.

dankefürdieaufmerksamkeit hüstel.“

Soweit die Rede von Minister Westerwelle.

Nur Fiktion? Nein, nicht mal bei dem Schild. Es handelt es sich nicht um eine billige Bildmontage, das „Original“ steht in Köln in der Fußgängerzone:

Ein weiser Russe hat mal gesagt (Frei übersetzt)

„Kinder sind wie Blumen auf dem Grab ihrer Eltern“

Der dürfte schon damals seine Kinder im Sommercamp gehabt haben, alleinerziehend gewesen sein, aus einer Kleinfamilie stammen, und Leser eines „Sonntagsblattes“ gewesen sein.

Gute Nacht, John-Boy!

Sonntag ists und Wotan reitet…

Juli 25, 2010

.. durch die Stadt und wirft Gratis-Sonntagsblätter in die Briefkästen. Keine Raben mehr, die den Kopf des Edlen umflattern (Naturschutz), kein achtbeiniges Ross mehr (Gentechnik-Verbot), harte, schlechtbezahlte Arbeit, nur für etwas Gras für Pferd und Reiter. Dennoch: ein Hauch von Apokalypse hallt Sonntag Morgens durch die Stadt: Das Ende des professionellen Journalismus ist nahe! Es wurde schon mehrfach bejammert, aber selten wird es offensichtlicher als Sonntags morgens im von Wotan verstopften Briefkasten.
Es geht heute schon auf der Titelseite los. Was auf der Love Parade in Duisburg am Samstag nachmittag geschah, wird jeder seit spätestens Samstag etwa 16 Uhr wissen. Nur nicht das Sonntagsblatt, welches sich bisher oft damit gebrüstet hat, viiiiel aktueller als alle Anderen zu sein:

OK, die überlebenden Teilnehmer, die echt live dabei waren, wurden erst später über die Tragödie mit 30 Todesopfern und hunderten Verletzten informiert. Kann man sogesehen grade noch als „Live-Journalismus“ durchgehen lassen, falls der Vor-Ort-Journalist wirklich bis 1 Uhr  Nachts  vor der Bühne stand und journierte. und sein Handy grade nicht aufgeladen hatte.  Denn um eine noch größere Panik zu vermeiden, wurde die Veranstaltung ja eine Zeit lang  fortgesetzt, als wenn nicht gewesen wäre. Aber spätestens auf der Rückfahrt muss  der doch im Auto Radio angemacht haben. Oder fährt der mit der Bahn? Dann wäre er in der Tat entschuldigt, denn bei 70 Grad plus kriegt man, ausser den Fahrgästen selber, eben nichts mehr gebacken.

Wir blättern weiter:
War noch was Wichtig diese Woche? Klar. Schützenfeste, Firmenjubiläen, Ansprachen von Ex-Prominenten, sensationelle „Molekülverdichter“ fürs Auto.  Ach ja, und ein kleines Ärgerniss (aber nichts wirklich Wichtiges) gabs auch noch:

Wenn die Berichte aus anderen Medien zutreffen, wurde an den Opfern „Fisting“ praktiziert, also die Faust von einer Täter-Person in den After von einer Opfer-Person eingeführt. Sehr „ärgerlich“ sowas, da stimme ich zu. Denn, wie das Sonntagsblatt sehr wohl weiss, kommt das ja praktisch täglich vor. Erst Freitag hatten wir so einen „ärgerlichen“ Fall in der Firma. Chef sagt zu mir: „Du musst den Job von Hubert heute mit machen“. Ich „Wieso?“ Chef: „Der kann heut nich. Hand im Arsch“. Fand ich sehr ärgerlich. Hätte gerne gewusst; nach den Geschehnissen auf Ameland, wessen Hand und wieso der deshalb heute nicht arbeiten kann.
Eine sehr interessante Art, mit dem Thema „sexueller Missbrauch unter Jugendlichen“ umzugehen. Aber die Erklärung, warum das für die teilnehmenden Opfer so alltäglich, so wie für mein Chef, und einfach  nur“ärgerlich“ und sonst nix war, kommt im Sonntagsblatt gottseidank nach:

Klar. Ich fragte also  Chef: „Hat der Hubert das öfter?“ Chef: „Imma ma wieder. Schon bevor der die Lehre angefangen hat hadda dat schoma imma wieda ma gehabt“.  Das einschlägige Jugendcamp gibt es seit Ewigkeiten, und Hubert stammt aus einer kinderreichen Familie…

Alles klar. Steht ja in der Zeitung: „Die kennen das von Früher“. Man muss sich ab und zu eben auch mal auf die Familie einlassen, gell Hubert?. Und wieso werden die Kinder, die „nur“ aus kaputten, alleinerziehenden Verhältnissen stammen, dann zu Petzen? Ganz einfach: Mami ist eben kein Rudel.
Anzumerken wäre vielleicht noch, dass diese Pauschalverurteilung in den weiteren Beiträgen noch etwas relativiert wird. Am Grundübel sind demnach nicht nur die Alleinerzieher, sondern vielmehr auch noch die Ausländer, nochmal die Alleinerziehenden, die Sozialdemokraten, die Grünen, sowie die Jugendvonheute dran schuld sind. An Allem übrigens, nicht nur an diesem kleinen „geärgert werden“. Also auch am Ende des professionellen Journalismus.

Die BPissten

Juli 23, 2010

Nächster Skandal bei BP?

Das Öl-Leck unter den Überresten der Deepwater Horizon, aus dem mehr oder weniger Rohöl in den Golf von Mexico dringt, ist schlimm. Schlimmer, dass so ein Projekt offensichtlich genehmigt wurde, ohne dass ein Notfall-Plan existierte, der etwas weniger theologisch fundiert ist  ist als das bewährte „Gott wird´s verhindern“ (Wörtlich zitiert lt. SPON: „Wir haben Technologie, und so Gott will, werden wir es nicht erlauben, dass so etwas hier passiert“).  In Gods own country mag das helfen, aber vor der Küste in 1500 m Wassertiefe wird die Theologie offensichtlich zu stark verdünnt. Egal, Brasiliens Petrobras startet Ölbohrungen in 5000 m Wassertiefen mit exakt diesem Sicherheitskonzept (und der Gewissheit, dass Kameras nicht bis in diese Tiefe funktionsfähig bleiben), und die BP-Konkurrenten Exxon Mobil , Chevron, ConocoPhillips und Royal Dutch Shell legen gemeinsam schon mal etwa 1 Milliarde auf die Seite, um 1.) ein solches Mediendebakel ggf. besser zu händeln, und 2.) für den Rest einige Vögel zu entölen. Mehr Geld, etwa für konkrete Konzepte für den Tiefsee-Katastrophenfall sitzt nicht drin, denn die Kasse muss ja gefüllt sein, um BP (mit seinen unüberschaubaren Finanzverpflichtungen) in etwa 6 Monaten übernehmen zu können.

Der neue Skandal ist allerdings um einiges schlimmer.  Aufmerksame Blogger haben enthüllt, dass BP im Internet mit manipulierten Bildern arbeitet (SPON: Blogger enthüllen neue BP-Bildmanipulationen; http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,707855,00.html). Die Anschuldigungen sind hart: Bilder sollen retuschiert worden sein, Farben wurden verändert, Bildschärfe und Kontrast nachträglich bearbeitet, ja, ganze Bildausschnitte wurden gleich Megapixelweise manipuliert. Wie die Washington Post, die den Blogger entdeckte, der aufdeckte, folgert, ist das nur eine Konsequenz des schlampigen Arbeitens dieses ausschliesslich auf Gewinn orientierten Konzerns, der für „unhaltbare Zustände“ und „mangelhafte Ausrüstung“, sowie für „Tankstellen“ und „schlecht ausgebildetes Personal“ bekannt ist. BP hingegen sagt, da habe doch nur jemand mit seinen Fotoshop-Kenntnissen angeben wollen.

Wir decken auf: So kam es zu diesem neuen Supergau-Mega-Deasaster

(für Ihre Fantasie, als bildliche Einstimmung: Denken Sie an Szenen aus Alien I, Matrix, Blade Runner sowie Verfilmungen von Tom-Clancy-Romanen). Es wird eingeblendet vor dem Bild eines düsteren Hochhauses: Ort: BP-Zentrale, Zeit: Kurz nach 9, Wetter: Mieselregen, 22 Grad. Wind: Südsüdost. Die Frisur hält.

Chef (öffnet die Tür und schreitet ins Büro) „Moin Jungs (Kurze Pause, setzt sich) Wie läufts denn?“

Gemurmel im Büro: „schlecht, Chef“, Kaum noch was“, „is wohl dicht“, „kommt nix mehr“

Chef: „Na prima, das läuft ja wie geschmiert.“ (Winkt 1 Mitarbeiter zu sich)

Chef: „Charlie, wir haben ein Problem“

Charlie: (Winkt ab) „Chef, ich hab Husten“

Chef „Charlie, keine Scherze auf Apollo 13-Niveau, es ist ernst. Sehr ernst. Ernest sogar“

Charlie (erstaunt, kommt näher): „Nichts läuft mehr, alles prima, was kann das denn noch sein?“

Chef: „Unsere Homepage. Charlie, ich habe mir die heute morgen mal angesehen. Total veraltet. Und bei google auch total abgesackt. Sogar noch hinter diese „Wir tanken auch ihren Golf voll“-Leute. Wir müssen da was tun. Was sollen unsere Kunden denn von uns denken?“

Charlie: „Aber Chef, das macht doch unsere Kreativ-Abteilung. Da sitzen 86 teure Kreativ-Experten aus 110 ölimportierenden Ländern. Die sind für sowas zuständig!“.

Chef: „Charlie, die arbeiten Tag und Nacht in ölimportierenden 110 Ländern an einem Super-Namen für die nächste Bohrloch-Abdicht-Kampagne, das hat allererste Priorität. Der Name muss beim ersten Versuch sitzen. Nein, dies Homepage-Problem müssen wir selber in den Griff bekommen“

Pause. Man hört eine Stricknadel fallen.

Charlie, zögernd: „Wir … könnten ein paar neue Bilder einstellen. “

Chef (auf mal sichtbar höchst zufrieden + begeistert): „Genial, Charlie. Ich sehe, sie verdienen ihr fürstliches Gehalt wirklich zu recht. Wirklich…“

2. Akt: Charlies Büro. Charlie ruft den Chef an. „Chef, auf unserem Server sind nur so Bilder von der brennenden Deepwater Horizon, ölige Vögel, Tankstellen und die von neulich mit Barak und Michelle“

Chef: „Was, die auch? Wartense, ich hab noch welche aufm Handy, vielleicht ist da ja was bei.“

Etwas später, Chef schreitet in Charlys Büro, Handy in der Hand, damit (mit dem Handy) beschäftigt wirkend. „Schaunsema, hier ist doch das Bild von vorgestern, der Hubschrauber im Anflug aufs Weiße Haus, das kann man doch nehmen“

Charlie: „Noch mehr Gerüchte über Kontakte zur Politik? Tut mir leid Chef, das geht nicht“

Chef: „aber kann man das denn nicht rausmachen, ..ä.. Fotomontage, verstehen sie? “

Charlie (denkt nach, dann) „Der Joe aus der Kantine, der kann sowas…hab ich wenigstens gehört“

Chef: (entschlossen) „Sofort her mit dem, egal wie, so wie er ist. AUF DER STELLE!“ (Fußstampf)

Etwas, eher kaum, später: Joe erscheint, einen Napf mit Erbsensuppe und einen Rührlöffel in der Hand.

Joe (zwanghaft locker): „Ja, Chef? War was nicht OK mit dem Nutellabrot?“

Chef: (spontan) „Alles OK mit Nutella, Joe.“ (Pause, mustert Joe und schnüffelt nebenbei an der Suppe) „Weshalb ich Sie rufen liess: Es wird erzählt, sie kennen sich mit (guckt auf Zettel) Photoshop aus?“

Joe: „Ja.. nein, also mein Sohn hat da mal neulich mal aus Versehen sonne Raubkopie runtergeladen, und ich hab… also nicht mit Absicht, wirklich nicht…“ (verstummt langsam, errötet).

Chef: „Joe, ich habe einen Job für dich.“ (Spannendes Schweigen) (Chef zückt sein Handy und sagt) „Joe, schau mal hier. Ich fliege mit Michele und Barack aufs Weiße Haus zu. Kannst du mit Foto..dingsda das Weiße Haus gegen, na sagen wir Meer austauschen?“

Joe: „Haben sie ein Bild vom Meer?“

Chef: kopfschüttel, sackt in sich zusammen, wirkt deprimiert.

Charlie hustet, mischt sich dann ein: „Mach doch Handyphoto von der Erbsensuppe, und färb es blau. Die Fettaugen sehen eh aus wie die Ölflecke im Golf, und schmecken auch so“.

Chef (wieder aufrecht, lobend) „Charlie, Prima Vorschlag. Ich sehe, sie sind ihr fürstliches Honorar wirklich wert.“

Joe macht es.

Erster Versuch

noch sieht es aus wie Erbsensuppe vor dem White House,...

aber Joe kriegts hin.

Chef (Klatscht dabei in die Hände) „Toll Toll Toll. Und jetzt was aus unserem Control Center. Wir müssen der Welt zeigen, dass wir alles unter Kontrolle haben.“

Joe geht in den Kontrollraum, um mit seinem Handy ein Foto zu machen. Charly, als Joe raus ist: „Schon wieder Erbsensuppe in der Kantine. Das sind wirklich unzumutbare Arbeitsbedingungen hier. Unwürdig für so einen Weltkonzern.“

Verstummt, denn Joe kommt wieder, blass. Charlie: „Und?“

Joe zeigt ihm das Foto, wortlos. Schluckt trocken. Stellt die Erbsensuppe weg, nimmt sich eine Cola. Chef guckt aufmerksam zu.

Kontroll-Zentrum: Probleme für Joe?

Chef guckt jetzt auch auf das Foto, welches Charlie ihm blass und wortlos hinhält.

Chef: „Was, die gucken auch Videos über Missbrauch in der Freizeit?“

Charlie: „Keine Sorge, Chef, die gucken das im Dienst“

Chef: „Dann bin ich ja beruhigt“. Zögert. „Trotzdem Joe, da musst du nochmal ran“

Joe: „Noch ein Foto machen?“

Chef: „Nein, ein paar andere Bilder auf die Bildschirme, mit dem Fotodingsda, und die Kaputten weg machen“

Joe macht es

Chef: „Klasse. Und jetzt noch ein letztes, sagen wir bei der Krisensitzung. Ich hab da eins auf dem Handy, schaunsemal.“

Charly schaut „Aber Barak und Michelle müssen da wirklich weg, Chef“

Beide blicken Joe an. Joe macht es.

Auch kein Problem für Joe

3. Akt, incl. Happy-End:

Chef: „Joe, sie haben uns aus einer schweren Krise geholfen. Sie sind engagiert. Was ist ihr Preis?“

Joe: (reichlich verwirrt, stottert) „also 10 pro Stunde wären schon ok“

Chef: „Ja Joe, bescheiden, das schätze ich. Das ist ja deutlich unter unserem Limit. 10.000 Dollar die Stunde, ich gebs an die Buchhaltung weiter. Melden sie sich Montag gegen 11 im Hilton bei unserer Kreativ-Gruppe. Im 19. Stock. Toller Blick auf den Golf. Und jetzt krieg ich noch 1,90 für die Cola von Ihnen.“

Joe: (betäubt, verlegen, sucht als Übersprungshandlung verzweifelt in seinen Taschen nach Geld, nach 1,90, um exakt zu sein) „Ja ä ich weiss gar nicht was ich sagen soll, Chef. Darf ich Sie auf eine Erbsensuppe in die Kantine einladen?“

Chef (gerührt): „Danke, Joe, aber ich muss dringend nach Washington. Barak wird staunen, wenn er das sieht“.

Geht ab, Charlie ruft ihm noch nach „Vergessen sie die Pralinen für Michelle nicht wieder“.

Joe geht auch, verlegen, unsicher und linkisch winkend. Charlie, jetzt alleine, dreht dramatisch den Drehstuhl in die Kamera und sagt: „Wenn das rauskommt, sind wie echt die BPissten“.

Fortsetzung wird wohl folgen.

Vom Saul zum Paul

Juli 18, 2010

Neinn, keine Kraken diesmal, sondern was ganz Andreas. Lebenslanges Lernen bedeutet auch, sich von liebgewonnenen Gewohnheiten zu trennen. Zum Beispiel damals, anno 96`, die Rechtschreibreform. Die war mir so egal, ich schrieb damals meist auf Englisch (für langweilige Fachzeitschriften, die hatten alle Lektoren für Rechtschreibung). Bei deutschen Texten profitierte ich davon, dass meine damalige Vorgesetzte Probleme mit dem Verständnis von Sätzen hatte, deren Wörter Rechtschreibfehler enthielten, und Probleme mit Absätzen, deren Sätze somit unverständlich waren. Nur dank mangelhafter Rechtschreibung in Kernsätzen gelang es mir, einige innovative Projekte zu beantragen.

Auch wenn namhafte Personen, darunter personal trainer und Firmenberater,  immer wieder betonen, in Zeiten schneller Kommunikation per Mail etwa käme es nicht mehr so genau drauf an; die Kommentare etwa in diesem Blog zeigen klar, dass man mit fehlerhafter oder innovativer Rechtschreibung einfach nicht ernst genommen wird. Fakt ist, dass man anhand der Qualität der Rechtschreibung in etwa einschätzen kann, wieviel Zeit und Mühe sich der Verfasser genommen bzw. gegeben hat. Oder ob er/sie während der Arbeitszeit kifft oder trinkt.

Vor einigen Jahren setzte bei mir (schleichend) leider auch der oben erwähnte Prozess ein, dass ich Schwierigkeiten bekomme, Sätze zu verstehen, derern Wörter Rechtschreibfehler enthalten. Ich muss mich zunehmend darauf konzentrieren, die Assoziationsketten zu unterdrücken, die falsch geschriebene Wörter auslösen, und ertappe mich auch dabei, dass ich das falsche Wort versuche auszusprechen, das richtige Wort suche, den Satz in beiden Möglichkeiten wiederhole, mir vorstelle, was das wohl sein könnte was das falsch geschriebene Wort bezeichnet, wie es aussieht, was es kostet, wo es produziert würde, wie man es korrekt ausspricht, was es beispielsweise für eine Zielgruppe haben könnte.

Jedes Kunstwort, wie die in der Werbung verwendeten, löst Assoziationen aus. Viagra beispielsweise, ein Kunstname der für sehr viel Geld von der Firma Interbrand kreiert wurde. Vi, bzw. Via steht für Vitatität, vigor (engl.: Energie) und virility (=Männlichkeit), agra wird, nach teuren Probandenbefragungen, häufig mit „Aphrodisiakum“ assoziiert. Perfekt, könnte man meinen, hätte nicht Insider verraten, dass das ca. 700.000 Dollar teure Wort „Viagra“ ursprünglich für ein Medikament gegen Nierensteine geschöpft wurde.  Peinliche Fehlgriffe wie Serena, welches  gleichzeitig an einen PKW und an eine Damenbinde verkauft wurde, bilden die Ausnahme, die die Regel bestätigt 🙂 . Aktuelles Beispiel: hackleisch. Kurz, zackig, aggressiv, Imperativ total. Weckt Assoziationen an rohes Fleisch. Was könnte das sein? Ich stelle mir die Werbung dazu etwa so vor: Es springt jemand (männlich, Bart, Typ Wickinger, vielleicht Helm mit Hörnern) aus dem Busch und brüllt „hackleisch“. Dazu schwenkt er eine in rosa-weiss gehaltene Flasche mit diskretem Streifenmuster, die ein alkoholisches Getränk mit Namen „hackleisch“ enthält. Dann wird das Produkt beschrieben, und am Ende der 30 Sekunden sitzt der Typ Wickinger, ohne Helm und Hörner, lächelnd,  mit einer Wickingerine am rustikalen Ikea-Tisch, und die Wickingerine himmelt ihn an und haucht ihm ein „hack leisch?“ (oder hack leischi-leischi?) zu.

Gar nicht lustig, denn genau deshalb wäre es am Donnerstag beinahe zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen. Das auslösende Schild erblickte ich vom fahrenden Auto aus, als grade viel Verkehr auf der Straße war. Nur mit äußerster Konzentration konnte ich noch stoppen, wenn auch mitten auf der Straße. Aber weiterfahren wäre einfach zu gefährlich gewesen.

hackleisch

Fakt ist, dass es bei google 420 Einträge für Hackleisch gibt. Meist Rezepte, aber ein alter Bekannter taucht auch auf. Nämlich der von Huckleberry Finn. Für Kinder und unsere jüngeren Leser: ein sogenannter „Roman“ von Samuel Langhorne Clemens, bekannt unter seinem Pseudonym (=Markennamen) „Mark Twain“.

Hackleberry Finn

Hackleberry Fin? Schreibt man den nicht anders, selbst auf Schlandisch? Jawoll, und zwar so, wie das gleichnamige Schiff:

Tja, also dazu kann es auch keine Kommentare geben. Der korrekte Name stände am Bug des Schiffes (= vorne), aber wer lesen kann…

Nachfolger von Netzer und Delling nominiert!

Juli 11, 2010

Zur EM 2012 werden zwei ausgewiesene Fussball-Experten mit ihrem Fachwissen glänzen. Es sind:

Herzlichen Glückwunsch, Christian und Paul!

Das Calamaris-Orakel – Who´s driving Paul?

Juli 8, 2010

Betrachten wir zuerst die Fakten. In Oberhausen gibt es ein Sea Life-Aquarium. Darin wohnt seit zwei Jahren ein Exemplar der Art Octopus vulgaris, welches im zarten Alter von drei Monaten im Ärmelkanal gefangen wurde, um sich in Zukunft als Octopus vulgaris in Oberhausen seine Brötchen (bzw Muscheln) zu verdienen. Damit ist Paul entweder englischer oder französischer Staatsangehörigkeit. Migrationshintergrund also, sehr angesagt.
Kraken allgemein gelten als recht intelligente Lebewesen. Trotzdem (oder deshalb?) bessert Paul seine schlechtbezahlte Zeitarbeitsstelle mit „Orakeln“ aus. Aber weiß er eigentlich, was er da tut? Denn schau ist der ja.
Es gibt nur wenige Tierarten auf dieser unserer Erde, die zur Selbsterkenntnis fähig sind. Hunde winseln zwar ihr Spiegelbild an, Spatzen und Buchfinken bekämpfen ihr Spiegelbild im Fenster, aber nur, weil die „denken“ das ist böser Konkurrent, dem zeig ich mal, wer hier die Hosen an hat. Ein paar Säugetierarten wie Menschen und Menschenaffen, sowie Vertreter der Cetaceae (einige Wale und Delphine), ferner einige Vogelarten (Corvidae: Elster, Dohle, Rabe und Co) können das, von den „niederen Tieren“ aber nur Kraken, die wir gemeinhin als Calamaris kennen und in frittiertem Zustand auch schätzen. Diese Tiere haben gemein, dass sie sich im „Spiegeltest“ selber als „Ach das bin ja ich“ erkennen. Anders als Hunde oder Katzen oder Geranien beispielsweise.
Zurück nach Oberhausen. Wir wissen also jetzt über Paul, dass
er ein recht schlaues Kerlchen mit Migrationshintergrund ist. Warum dann trotzdem der diskriminierende Name „Paul“? Sein Pfleger sagt (Wikipedia zufolge), der Name sei dem Titel des Gedichtbands „Der Tintenfisch Paul Oktopus“ von Boy Lornsen entlehnt. In Wirklichkeit steckt jedoch der blanke Hass dahinter, motiviert durch Intelligenzneid. Wir alle wissen schliesslich, daß auf Malmock „Paul“ das schlimmste Schimpfwort überhaupt ist. Um jemanden tödlich zu Beleidigen, muss man ihn nur mit „du Sohn eines Paul“ beschimpfen. Wir alle kennen diese Problematik durch RTL2-Sendungen wie „Hilfe –  Mein Cheffe is klüger als Isch“. Mobbing pur. Doch lässt der als „Paul“ diffamierte O. vulgaris sich das bieten? Nein, er zeigt Zivilcourage.
Denn das ändert die Ausgangssituation erheblich: Der schlaue O. vulgaris, als „Paul“ diffamiert von einem ausländerfeindlichen Pfleger, trotzt seinem Millieu, zeigt seine wahre Intelligenz und will Medienstar werden. Aber wie?  Karriere auf dem Laufstieg? Mit acht Armen undenkbar, und alleine wegen dem Deo-Verbrauch viel zu teuer. Innovative Konzepte sind gefragt. Paul hat sie. Paul plaziert in seinem Aquarium also zwei Glasküvetten, beflaggt die mit den Fahnen, die er vorher im Fernsehen gesehen hat, tut die Muscheln, die Adolf Pfleger herzlos ins Oberhausener Wasser schmeisst, hinein, und, sobals die erste Fernsehkamera auf ihn gerichtet ist, beginnt eine steile Karriere. Auftritte bei Maischberger, Torwandschüsse im „Aktuellen Sportstudio“, Live-Interview in den Tagesthemen, nominiert neben Lena Meyer-Landruth für den Grand Prix – Wie kann man diese Karriere noch toppen?
Richtig: Die Koch-Show mit Laffer und Licher und nochwem: Kochen mit Paul.
Schalten Sie rechtzeitig ein, denn die Einstimmung von Paul auf das Endspiel erfordert Übung, Zeit, und Erfahrung. Alte und große Kalmare wie Paul müssen zuerst geklopft werden, genau wie Schnitzelfleisch. So werden sie mürbe und die Garzeit verkürzt sich. Paul wird also nach dem Abklopfen auf jeder Seite maximal 2-3 Minuten angebraten, dann im Backofen bei ca. 170° mindestens eine Stunde weich geschmort. Dann
Olivenöl in einem Topf erhitzen. Die Stücke von Paul hineingeben und 1 Min. pfannenrühren. Etwas gehackte Zwiebel und ein paar gehackte Tomaten zufügen und weitere 5 Min. rühren. Knoblauch, Paprikaschote (jeweils zerdrückt), und 1 Lorbeerblatt unterrühren und alles 20 Min. köcheln lassen. Je nach Spielstand 1 L Rotwein gelassen unterrühren, oder langsam direkt aus der Flasche trinken. Beim Anpfiff des Finales heiß servieren. Dazu reicht man Holländischen Käse und noch mehr spanischen Vino tinto. Prost Paul, altes Orakel!