Um nochmal auf die Tauben zurückzukommen

Die etwas älteren unter uns werden es noch kennen: Den Klassiker unter den Öko-Schockern der 68iger: Ein Buch namens „Der stumme Frühling“
Der Inhalt in Kurzform: Die Pharma- und Chemieindustrie produziert und verkauft Gift an ahnungslose Bauern, um Milliarden damit zu verdienen und das Gift hat die Nebenwirkung, daß die Eierschalen der Vogeleier so dünn werden, daß die kaputt gehen, wenn sich z. B. so eine fette Taube drauf setzt.
Ich fand das damals (in meiner post-pubertären Anti-Phase) ganz schrecklich.
Seit den letzten zig Jahren sehe das ganze etwas differenzierter. Pubertät stellt mehr mit Einem an, als das was man mit Clerasil bekämpfen kann. Etwas im Kopf nämlich, nicht nur auf der Gesichtshaut.
Goethe, Schiller, Lessing und wie sie alle heissen mögen, dachten, dass der Gesang der Vögel von „dem Herrn der über uns wohnt“ kreiert wurde, um den Menschen Wohlgefallen zu bieten.
Seit den bahnbrechenden Erfindungen von Jazz, Blues, Rock n Roll, Heavy Metal und Techno sowie den Technologien, diese Musik allgegenwärtig zu machen, ist Vogelgezwitscher nicht mehr up-to date.
Geblieben sind nur die Inhalte. Doktor Doolittle, der ja bekanntermaßen die Sprache der Tiere verstand, und Professor Habakuk Tibatong, der den Tieren beibrache, „menschisch“ zu reden, dürften ein gemeinsames Problem gehabt haben.
Es geht nur um Sex (Fast nur, s. u.). Das heitere Rotkehlchen trällert schon bei Sonnenaufgang „Ich bin potenter Mann, Weib komm“. Die freudige Lärche tiriliert es in den Feldern „Weib gesucht für machen Kinder“, die Nachtigall schluchtzt des Nachts „suche Weib zum bumsen“.
Tom Jones „Sex bomb“ oder Roland „manschmal möchte ich schon mit dir“ Kaiser ist dagenen ausserordentlich unpeinlich.
Doktor Doolittle, als Zeitgenosse und Freund (Patient) von Sigmund Freud trug maßgeblich zu dessen Überzeugung „sex, Sex, Sex“ bei. Klar, er hörte ja auch nichts anderes. H. Tibatong brachte es immerhin fertig, seinen sprechenden Tieren das Thema „Sex“ zu tabuisieren.
Es ist nicht bekannt, wieviele Szenen aus dem Original-Dreh zu „Urmel aus dem Eis“ geschnitten wurde, weil Wutz, Wawa oder Ping sich verplapperten, aber egal. Was aus H. Tibatong danach wurde, ist unbekannt. Das Wort „vögeln“ soll auf ihn zurückgehen.
Wir sehen, die Vision eines stummen Frühlings würde viel Elend und Anstiftung zu Sexualstraftaten auf der Welt lindern, wenn nicht verhindern. Wer schon vor Sonnenaufgang mit expliziten sexuellen Inhalten, wie es der Gesang der Vögel nun mal ist, konfrontiert wird, kann an nichts anderes mehr denken.
Selbst ich fange selber an, mir einzubilden, etwa 10 verschiedene Rufe (oder sollte ich sagen, Ausrufe?) der Tauben zu unterscheiden und zu verstehen. Das sind im Einzelnen:
Ich habe Hunger; Ich habe Durst; Ich muss mal; Sind wir bald da (flatter flatter); wolln wir auf das Auto da unten kacken? Und der Rest ist für Kinder unter 18 nicht geeignet. Im Fernsehen und im Internet wären solche Inhalte verboten, aber hier kriege ich sie ungefragt von Morgens bis Abends in die Ohren geflötet.

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: