Harz 5; Part I

Schulungen haben auf mich eine eigenartige Wirkung.
Wenn der Schulende überzeugend ist, bleibt der Eindruck hängen, alles zu können, wenn man nur exakt das umsetzt, was einem da eingebläut wurde. In Wahrheit gibt nur ein paar triviale Regeln, die der Verkäufer beachten muss, um erfolgreich zu sein; völlig egal, wann, was und wem er/sie verkauft.
Beckmann spielt Chaplin. Ein banaler Satz. Und man fragt sich hier zu Recht, was hat der denn damit zu tun (außer daß das Konzert gleich um die Ecke stattfindet?). Ganz einfach: Charles „Charlie“ Chaplin ist jemand, der aus ganz kleinen Verhältnissen kommt, naiv und blöde war, und einfach alles erlernt hat, und anschließend auch konnte. Und zwar perfekt.
Das Einzige, was er anfangs intuitiv konnte, war verkaufen. Das basiert wohl auf der Lebensgeschichte; dem Alltag in London um 1900, in dem man vieles für sich selber schönreden muß, einfach um mental zu bestehen und die Chance zu haben, aus dem deprimierenden Alltag raus zu kommen.
Er vermaktete sich selber als Darsteller (im Sinne von Schauspielern an öffentlichen Theatern, die damals die Rolle des heutigen TV und Internet einnahmen; nicht im Sinne dessen was der Herr Pfarrer darunter verstehen mag), und das auch noch sehr teuer.
Sehr mutig; „billig taucht nix“ wird er sich gesagt haben und hat für Alles, was er machen wollte, den höchstmöglichen Preis gefordert.
Lehre Nr. 1: Wer zu billig ist, stellt sich selber, bzw. die Qualität seiner Produkte, in Frage. Habe ich auch grade gelernt auf meiner Schulung.
Meine Erfahrung dazu sagt: Qualität für günstigen Preis (also das Aldi-Prinzip revised) zieht erst mal nur Leute an, die zwar Qualität wollen, aber diese für lau.
Kurz noch zwei Anmerkungen: die Erste zu dem, warum ich C. Chaplin so bewundere. Ein zu dem Zeitpunkt bestenfalls „einigermaßen“ bekannter Schauspieler schreibt ein Drehbuch.
Aber er findet keinen Regisseur, also macht er das selber. Er findet keinen Hauptdarsteller, keinen Komponisten für die Musik, keinen Musiker, der die Filmmusik spielt, kein Geld um das Projekt zu realisieren – und macht alles selber.
Der Film heißt „The Kid“. und war 1929 ein Welterfolg. Hauptdarsteller, Regisseur, Produzent, Komponist, … Immer derselbe: Mr. Chaplin. Der unverschämte, geldgierige Kleindarsteller aus London hat sich gemausert, denn inzwischen kann der das Alles.
Die zweite Anmerkung: Thomas Beckmann spielt seit Jahren Werke von Chaplin (und anderen); oft als Benfizaktion für Arme und Obdachtlose. Thomas Beckmann ist Cellist, und die Werke zusammen mit Piano, die ich kenne (oh that fish z. B.) sind genial.
Einfach wie Bach – direkt zum Mitpfeiffen, und Ohrwurmgefahr besteht auch. Mit der Version von „Smile“ aus Modern Times hat sich jeder Hörer bislang noch infiziert.
Ein 70 Jahre alter Ohrwurm ist immer noch genau so infektiös wie damals. Genau wie die Schweinegrippe von damals.

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